Ressort
Du befindest dich hier:

Alles über Medical Wellness

Sich’s gut gehen lassen mit maximalem Profit für die Lebensstil und Geschlecht wird ein Plan maßgeschneidert.

von

Alles über Medical Wellness
©

Das Gespräch ist sehr ausführlich. Die Ärztin lässt sich von ihrer Patientin, Ende zwanzig, Befinden, Lebensstil und medizinische Vorgeschichte schildern. Sie macht sich ein Bild von der Frau, die vor ihr sitzt, lässt vielleicht Blut abnehmen und eventuell weitere Untersuchungen vornehmen. Um die Rückenschmerzen der jungen Patientin abzuklären, wird die Wirbelsäule genau unter die Lupe genommen. Die folgende Kurplanerstellung soll schließlich Sinn machen und auf die Bedürfnisse sowie das Geschlecht abgestimmt sein. Denn viele Krankheiten haben bei Männern und Frauen unterschiedliche Symptome. Was hier abläuft, ist der neueste Trend in Wellness-Hotels mit medizinischem Schwerpunkt.

Immer und überall. Wir werden täglich mit der Bezeichnung "Wellness" bombardiert. Damit verbinden wir im Allgemeinen Wohlfühlen und Entspannung. Mittlerweile wird dieser Begriff aber sehr inflationär verwendet: Er findet sich auf Getränken, Lebensmitteln oder auch Pillen, die eine entsprechende Wirkung in Aussicht stellen. Den Ursprung hat "Wellness" woanders: In den 1970er-Jahren prägten amerikanische Ärzte diesen Begriff. Es ist die Kombination der Wörter "wellbeing" (Wohlbefinden) und "fitness" und zielt auf die Verantwortung des Einzelnen ab, sich selbst um seinen Körper zu kümmern. Durch Sport, ausgewogene Ernährung, Stressmanagement und Behandlungen wie Massagen soll der eigene Gesundheitszustand erhalten oder verbessert werden.

Reloaded. Genau das will Medical Wellness erreichen: Das Bewusstsein für den Körper wieder entwickeln. Es geht also vor allem um vorbeugende Maßnahmen, die Krankheiten erst gar nicht entstehen lassen und die Lebensqualität verbessern. Das Ziel: Gesunden Lebensstil lernen und in den Alltag integrieren. Das bezieht sich übrigens nicht nur auf den Körper, auch die geistige Einstellung trägt viel zu unserem Wohlbefinden bei.

Kriterien. Diesem Trend der Medical Wellness folgen immer mehr Wohlfühltempel. Sie als Kundin können schnell erkennen, ob die Rundumbehandlung der Gäste auch ernst genommen wird. Wichtigstes Merkmal: Am Beginn des Aufenthalts stehen eine ausführliche Untersuchung und ein Anamnesegespräch mit einem Arzt. Gesundheitliche Probleme werden analysiert, ein Behandlungs- und Bewegungsplan erstellt. Bei einem längeren Medical-Wellness-Aufenthalt (ab ein bis zwei Wochen) sollte am Ende wieder ein ärztliches Gespräch stehen, bei dem der Behandlungsverlauf und die (erreichten) Ziele besprochen werden. Wichtig: Der Arzt muss auch das Geschlecht des Patienten berücksichtigen.

Andere Behandlung. Denn die Medizin weiß heute: Männer und Frauen sind verschieden krank. Das betrifft die unterschiedliche Häufigkeit von bestimmten Krankheiten wie Herzinfarkt oder Diabetes, aber auch die Behandlungsmethoden. Mit diesen Themen beschäftigt sich die Gender-Medizin. Ein Kernproblem: Die beiden Geschlechter zeigen oft bei derselben Krankheit verschiedene Symptome. Das noch recht junge Forschungsgebiet versucht herauszufinden, wo es überall Unterschiede gibt und wie man damit umgeht. "Frauen sind z. B. erwiesenermaßen schmerzempfindlicher, dessen müssen sich Ärzte in der Therapie bewusst sein", erklärt Dr. Alexandra Kautzky-Willer, seit 2010 Inhaberin des ersten Lehrstuhls für Gender-Medizin an der Medizinischen Universität Wien: "Gleichzeitig gewöhnen sie sich leichter an Schmerzen und können besser damit umgehen."

Nachholbedarf. Auch in der Pharmaindustrie ist Gendern wichtig. Denn die meisten Studien zur Verträglichkeit von Medikamenten beziehen sich auf den durchschnittlichen Mann. Frauen reagieren aber oft ganz anders auf ein Mittel, auch die Wirkung ist nicht immer gleich. Hier herrscht noch großer Nachholbedarf, auf den die Wissenschaft erst jetzt aufmerksam wird.

Thema: Wellness