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Alles zum Thema Blase: Was gegen Blasenleiden hilft und was sie auslöst

Jede zweite Frau leidet einmal in ihrem Leben an Blasenentzündung. Wir haben die Wiener Urologin Dr. Dara Lazar (www.daralazar.com), gefragt, was die Ursache dafür ist und was man dagegen tun kann. Alle Antworten, die im Heft keinen Platz mehr gefunden haben, finden Sie hier.


Alles zum Thema Blase: Was gegen Blasenleiden hilft und was sie auslöst
© Corbis

WOMAN: Was sind die ersten Anzeichen einer Blasenentzündung?

Lazar: Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Blut im Harn und Blasenkrämpfe sind die ersten Anzeichen einer Blaseninfektion.

WOMAN: Es gibt eine obere und untere Harnwegsentzündung – worin liegt der Unterschied?

Lazar: Harnwegsinfekte können manchmal bei entsprechender Neigung bis in die Nieren aufsteigen. Dies äußert sich dann oft mit hohem Fieber, Flankenschmerz und allgemeinem Krankheitsgefühl. Bei solchen Symptomen ist unverzüglich ärztliche Hilfe aufzusuchen. Oft ist eine stationäre Aufnahme an einer urologischen Abteilung zur intravenösen Antibiotikatherapie unausweichlich. Bei rein auf die Blase bezogenen Symptomen reicht in der Regel die orale Gabe von Antibiotika als Therapie aus.

WOMAN: Wie lange dauert eine Blasenentzündung normalerweise?

Lazar: Ein so genannter unkomplizierter Harnwegsinfekt sollte nach ca. drei bis fünf Tagen antibiotischer Therapie ausgeheilt sein. Bei insistierenden Beschwerden muss eventuell das antibiotische Regime entsprechend durch den Facharzt adaptiert werden.

WOMAN: Welche Untersuchungsmethoden gibt es?

Lazar: Neben Harnstreifenuntersuchung und Harnkultur wird in ein Ultraschall von Nieren und Blase durchgeführt um eventuelle pathologische Veränderungen (Nierensteine, Tumore, Blasenentleerungsstörungen etc.) feststellen zu können. In einem so genannten IVP-Röntgen werden oberer- und unterer Harntrakt genau mittels Kontrastmittel dargestellt und so eventuelle infektionsauslösende Pathologien erkennbar gemacht.

WOMAN: Welche Medikamente werden eingesetzt?

Lazar: Verschiedene Antibiotika. Welche sich am besten dazu eignen wird mittels einer Harnkultur ermittelt.

WOMAN: Ist ein Schmerzmittel erlaubt, wenn es gar zu schmerzhaft wird?

Lazar: Ja, krampflösende Schmerzmittel sind manchmal bei starken Blasenkrämpfen, die Blasenentzündungen begleiten können, erforderlich und sollen nach entsprechender fachärztlicher Verordnung eingenommen werden.

WOMAN: Wie sollte die Intimpflege ausschauen?

Lazar: Es reicht völlig aus die Intimregion einmal täglich beim Duschen mit einem pH-neutralen Reinigungsprodukt zu säubern.

WOMAN: Warum sind Frauen während der Schwangerschaft und nach den Wechseljahren anfälliger?

Lazar: Durch die erhöhten Östrogenspiegel während der Schwangerschaft kommt es zu deutlichen Veränderungen an der Schleimhaut und somit auch zu einer erhöhten Anfälligkeit für urogenitale Infektionen. In der Menopause kann es durch das Absinken der Östrogenspiegel zu einem Verlust an Milchsäurebakterien in der Scheide und indirekt dadurch zu einem Anstieg des pH-Wertes der Scheide kommen. Dies wiederum begünstigt das Entstehen von Blaseninfektionen.

WOMAN: Hilft Akupunktur? Gibt es noch andere komplementärmedizinische Maßnahmen?

Lazar: Bei immer wiederkehrenden Blasenentzündungen kann Akupunktur durchaus bei einigen Patientinnen einen Immunsystem steigernden positiven Effekt aufweisen. Zeitweise können auch Homöopathie, Shiatsu-Massage und verschiedene Entspannungstechniken – regelmäßig angewendet - sehr hilfreich sein. Orale Schluckimpfungen, die über mehrere Monate eingenommen werden müssen, können ebenfalls wirksam sein

WOMAN: Welche Naturheilmittel helfen?

Lazar: So genannte pflanzliche Harnwegsdesinfizienzien wirken antibakteriell bzw. verhindern das Anhaften von Bakterien an der Schleimhaut in den Harnwegen. Sie sind kein Ersatz für eine erforderliche Therapie mit Antibiotika. Preiselbeeren und Bärentraubenblätter enthalten Arbutin, das vor allem das Anhaften von E.coli Keimen an der Blasenschleimhaut verhindern kann. Kapuzinerkressenkraut und Meerrettich enthalten Senfölglykoside mit antibakterieller und inmunmodulierender Wirkung. Wegen potentieller Gefahren und Nebenwirkungen sollten jedoch auch pflanzliche Präparate nicht ohne ärztliche Begleitung und länger als 4 Wochen angewendet werden.

LESEN Sie mehr zum Thema Blase in WOMAN 11/2010!

Redaktion: Eva Jankl