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Dieser Geschäftsführer gibt seinen Job für seine Frau auf, damit sie Karriere machen kann – na und?

Andreas Utermann, CEO von Allianz Global Investors, gibt seinen Job auf, um Hausmann zu werden. Warum es problematisch ist, dass er dafür gefeiert wird.

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Dieser Geschäftsführer gibt seinen Job für seine Frau auf, damit sie Karriere machen kann – na und?
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Wollt ihr etwas ziemlich Gewöhnliches und gleichzeitig Trauriges hören? Wenn beide Elternteile erfolgreich im Berufsleben stehen, ist es in den meisten Fällen die Frau, die sich nach der Geburt der Kinder sowohl um den Nachwuchs kümmert, den Haushalt schmeißt und oftmals noch mit halben Fuß im Berufsleben steht – ein Job, der ManagerInnen-Qualitäten erfordert. Arbeitszeit: 24/7. Andreas Utermann, CEO von Allianz Global Investors hat den richtigen Schritt getan und gleichzeitig ein Zeichen gesetzt: Der 53-Jährige hat seinen Job gekündigt und wird sich ab Jänner 2020 um seine drei Kinder kümmern.

Mit 53: CEO Andreas Utermann wird Hausmann

Der Grund: Seine Frau möchte sich stärker auf ihre Karriere konzentrieren. Soweit so gut. Dass diese Schlagzeile in den letzten Tagen überall zu lesen war, zeigt aber, dass dieses Bild in unserer Gesellschaft ein noch recht ungewöhnliches ist. ER bleibt zu Hause, damit SIE Karriere machen kann! Wow, wir applaudieren... nicht. Denn was in so vielen Familien noch immer gang und gäbe ist, ist eigentlich sehr problematisch: Nach der Geburt ihrer Kinder verlieren viele Frauen ihren Job, können aufgrund mangelnder Kindergartenplätze nur Teilzeit arbeiten, bekommen infolgedessen weniger Pension, sind von ihren Partnern abhängig und in Folge prädestiniert für die Altersarmut. Warum sollten wir also jemanden feiern, der 2019 das tut, was schon längst als Selbstverständlichkeit angesehen werden sollte?

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Kinder und Karriere unter einen Hut bringen: Sollte auch für Männer ein Thema sein

Wir sind uns zwar ziemlich sicher, dass sich Utermann und seine Familie eine Nanny leisten können, doch wer Kinder hat weiß: sie brauchen mehr als bloße Betreuung. Wenn sich also beide Elternteile auf die Karriere konzentrieren müssen, wird's schwierig. Natürlich begrüßen wir den Schritt eines Mannes, der mit seiner Entscheidung Öffentlichkeit für ein Thema schafft, das viel zu oft in den Hintergrund gerät und mitunter ein Grund dafür ist, dass es wenig weibliche Führungskräfte gibt.

Kind oder Karriere? – diese Frage stellt sich meistens nur den Frauen. Entscheidet SIE ihre Karriere aufzugeben und zu Hause zu bleiben, wird das medial recht wenig beleuchtet. Umgekehrt?
"Wer passt nun auf das Baby auf?" – eine Frage, mit der beispielsweise heimische Politikerinnen wie Beate Meinl-Reisinger oder Elisabeth Köstinger öffentlich konfrontiert werden. Wie vielen Frauen im beruflichen und privaten Umfeld die gleiche Frage gestellt wird, wenn sie drei Monate nach der Geburt ihres Kindes wieder zurück auf ihren Arbeitsplatz kommen? Allen.

»Anfang 2019 wurden 8,2 Prozent der Positionen in den Geschäftsführungen und 21,4 Prozent der Aufsichtsratsposten bei den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Österreich von Frauen besetzt.«

Andreas Utermann: "Also bin ich jetzt dran – und das ist fair"

Als seine Partnerin, die er vor 25 Jahren kennenlernte, nach der Geburt der dritten gemeinsamen Tochter ihren Job in der Finanzindustrie aufgegeben hat (nach der zweiten arbeitete sie in Teilzeit), sei auch für ihn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zum Thema geworden, so der CEO im Interview mit der "Wirtschaftswoche". Vier Wochen pro Jahr hätte er sich unbezahlten Urlaub genommen, um sich bei der Erziehung miteinzubringen. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Seine Partnerin habe sich inzwischen trotzdem eine eigene Firma aufgebaut, der sie sich nun voll und ganz widmen möchte.

"Es gab drei Optionen: Meine Frau hört ein zweites Mal mit ihrer Karriere auf, die Kinder gehen aufs Internat – oder ich ändere was", so der Allianz-Manager. Da er als CEO oft auf Reisen sei und seine Frau ebenfalls viel zu viel um die Ohren habe, stellte sich bloß noch die Frage WER zu Hause bleibt: "Also bin ich jetzt dran – und das ist fair". Finden wir auch. Schade, dass es noch immer SO erwähnenswert ist, dass auch mal ein Vater beruflich zurücksteckt.

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