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Am 29. Mai ist Welt-Multiple Sklerose-Tag: Arzt & Betroffener Dr. Georgieff im Talk

Am 29. Mai ist Welt-MS-Tag, aus diesem Anlass organisiert die Österreichische Multiple Sklerose Gesellschaft eine Informationsveranstaltung im Wiener Hotel Marriott (Info: www.ms-life.at).


Am 29. Mai ist Welt-Multiple Sklerose-Tag: Arzt & Betroffener Dr. Georgieff im Talk
© maudrich/privat

Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen weltweit, in Österreich sind zwischen 8.000 und 10.000 Menschen betroffen. Therapien gibt es bereits viele, eine Heilung ist jedoch bisher noch nicht möglich. Der Wiener Allgemeinmediziner und MS-Erkrankte Dr. Georg Stefan Georgieff hat mit „Satte Diagnose – Multiple Sklerose einen Ratgeber verfasst“, der ausführlich erste Anzeichen, Diagnosemöglichkeiten, Verlaufsformen, Therapieansätze und Perspektiven der Forschung aufzeigt (erschienen bei maudrich , € 25,70). Im WOMAN-Interview verrät er, woran man MS erkennt, wie sich das Leben mit dieser Krankheit verändert und welche alternativen Methoden den Verlauf positiv beeinflussen.

WOMAN: Was genau ist Multiple Sklerose und wie kann ich feststellen, ob ich daran erkrankt bin?

Georgieff: MS ist im Wesentlichen eine Entzündung des Zentralnervensystems, bei der sich das Immunsystem durch eine fehlgeleitete Reaktion gegen den eigenen Körper richtet. Häufige Symptome sind Sehstörungen, motorische Probleme und Sensibilitätsbeeinträchtigungen. Auch viele andere Symptome weisen auf eine Erkrankung hin, darum nennt man MS auch die Krankheit mit den 1000 Gesichtern. Dadurch kann eine Diagnose schwierig sein, oft dauert es bis zu fünf Jahre, bis eine gezielte Untersuchung auf MS durchgeführt wird.

WOMAN: Was bedeutet diese Diagnose für das tägliche Leben?

Georgieff: Die Diagnose MS muss nicht das Ende bedeuten, im Gegenteil. Sie ist der Ausgangspunkt für den Beginn eines viel bewussteren Lebens. Das heißt tägliche Handlungen und Training, um den Verlauf der Krankheit so lange wie möglich hintan zu halten. Gleichzeitig lernt man, wie wichtig die Macht der Einstellung, des positiven Denkens ist. Und vor allem entdeckt man, wie besonders unser Leben ist.

WOMAN: Welche schulmedizinischen Therapien gibt es für MS?

Georgieff: Es geht darum, das Immunssystem, das sich ja gegen einen selbst richtet, auszutricksen. Man versucht also, mit Medikamenten die durch die körpereigene Abwehr veranlasste Schädigung des Zentralnervensystems zu bekämpfen. Die individuellen Symptome werden zusätzlich mit verschiedenen Therapien behandelt, z. B. Physiotherapie bei motorischen Problemen. Einen guten Überblick über aktuelle Therapien und Neuerungen gibt es auf der Homepage meines Vereins Weak MuSkle (Info: www.georgieff.at ), auf der regelmäßig die neuesten Daten und Publikationen zu MS, die aktuellsten Behandlungsmethoden, weitere Fakten und hilfreiche Links zu finden sind.

WOMAN: Was wären alternative Möglichkeiten zur Linderung der Symptome?

Georgieff: Es gibt eine Palette von Anwendungen, die den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen. Vor allem sämtliche Verfahren aus dem Bereich der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), wie Akupunktur oder Shiatsu, sind sehr wirkungsstark.

WOMAN: Warum sind Frauen viel häufiger von Multipler Sklerose betroffen als Männer?

Georgieff: Frauen sind in etwa doppelt so oft von MS betroffen wie Männer, warum ist leider nicht bekannt. Eine hormonelle Ursache wird vermutet, konnte aber wissenschaftlich bisher nicht bestätigt werden. Männer geben dafür die Krankheit doppelt so oft wie Frauen an ihre Kinder weiter, der Verlauf ist bei ihnen meist deutlich schneller.

WOMAN: Ich habe gelesen, die koreanische Handmassage soll helfen. Was ist das und wie kommt es, dass sie von einem Österreicher entwickelt wurde?

Georgieff: Diese Technik basiert auf der koreanischen Handakupunktur, die von der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) hergeleitet wird. Über Massage, Fingerdruck oder Druckpflaster wird auf Akupunkturpunkte auf der Hand Druck ausgeübt. Symptome des Bewegungsapparates können so schnell und effektiv beeinflusst werden. Diese Übungen kann jeder Mensch ausführen und sie eignen sich auch hervorragend zur Selbstbehandlung. Ich habe als junger Arzt und Akupunkteur sehr bald gemerkt, dass viele Symptome auch mit bloßem Fingerdruck positiv beeinflusst werden, das Setzen einer Nadel ist nicht immer nötig. Dieses Wissen habe ich dann mit einer Handmassagetechnik, die ich von einer Koreanerin gelernt habe, kombiniert und nannte das Ganze koreanische Handmassage. Die Technik gebe ich in Kursen an den Wiener Volkshochschulen weiter, genaue Infos und Daten finden dazu finden Sie auf meiner Homepage.

Interview: Pia Kruckenhauser