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Am 8. März 2011 feiert der Internationale Frauentag seinen 100. Geburtstag!

Seit 100 Jahren wird am 8. März der Internationale Frauentag gefeiert – ein jahrhundertlanger Kampf um Chancengleichheit, bessere Rechte in Politik, Wirtschaft und bei Gehältern. In den 100 Jahren hat sich viel geändert – allerdings ist der Weg zu Gleichberechtigung noch ein weiter.


Am 8. März 2011 feiert der Internationale Frauentag seinen 100. Geburtstag!
© APA/Helmut Fohringer

Am 27. August 1910 wurde die Zweite Internationale Sozialistische Frauenkonferenz begangen – an jenem Tag schlug die deutsche Sozialistin Clara Zetkin (1857-1933) die Einführung eines internationalen Frauentages vor – zum einen, um auf Rechte der Frauen aufmerksam zu machen sowie auch diese endlich durchzusetzen. Mittelpunkt des Kampfes war die Forderung nach dem freien, geheimen und gleichen Wahlrecht für Frauen.

Knapp ein halbes Jahr war es so weit: Am 19. März 1911 wurde der erste Frauentag in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn sowie der Schweiz gefeiert. In der Zeit des Nationalismus wurde der Tag verboten und durch einen Muttertag ersetzt – und ab 1946 wieder regulär begangen.

Frauenwahlrecht
Bereits im 18. Jahrhundert wurde in mehreren Staaten Europas und auch in manchen Bundesstaaten der USA das Wahlrecht für Frauen eingeführt – allerdings auch mehrmals wieder abgeschafft. Der erste Staat, der das Recht einführte, war Kolumbien im Jahr 1853 – und auch in Österreich wurde er für kurze Zeit im Jahr 1848 das Wahlrecht für Frauen besiegelt.

1918: Frauenwahlrecht in Österreich
Als erstes europäisches Land führte Finnland 1906 das Wahlrecht für Frauen ein. Ein historisches Jahr in Europa war allerdings 1918: In jenem Jahr folgten Österreich, Estland, Lettland, Polen, Russland und das Vereinigte Königreich dem Beispiel Finnlands und gewährten Frauen das Wahlrecht, ein Jahr später kamen Deutschland, Weißrussland, Belgien, Ungarn, Luxemburg, Niederlande und die Ukraine dazu.

100 Jahre Frauentag – und jetzt?
Trotz Frauenwahlrecht in den europäischen Staaten ist der Kampf um Gleichberechtigung noch lange nicht zu Ende. Obwohl Österreich in manchen Bereichen aufgeholt hat, hinken Frauen besonders bei Top-Jobs und Gehältern nach. Und das, obwohl in Sachen Bildung Frauen bessere Ergebnisse erzielen als Männer.

Halbe-Halbe?
In Aufsichts- und Verwaltungsräten ist man europaweit noch weit entfernt von Halbe-Halbe, wie Daten der EU-Kommission, veröffentlicht in einer Studie der Arbeiterkammer, zeigen.

So gehört Österreich mit nur 9 (!) Prozent zu den Ländern mit dem geringsten Frauenanteil im höchsten Gremium (im Jahr 2010; 2006 waren es 6 Prozent). Nur Irland (8 Prozent), Griechenland (6 Prozent), Italien (5 Prozent), Portugal (5 Prozent) und Luxemburg (4 Prozent) liegen hinter Österreich. Spitzenreiter beim Frauenanteil in Aufsichts- und Verwaltungsräten ist Norwegen mit 39 Prozent, gefolgt von Schweden und Finnland.

Bei den Vorständen bzw. Geschäftsführungen fällt der Frauenanteil auch eher mickrig aus: Nur 4,4 Prozent in der Geschäftsführung sind weiblich, im Aufsichtsrat zumindest 10,3 Prozent.

Demnach ist die Forderung nach einer Frauenquote für Aufsichtsräte staatsnaher Betriebe mehr als aktuell: So soll es, wenn es nach Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) geht, noch in den nächsten Tagen zu einem Beschluss im Ministerrat kommen.

Gehälter – Frauen verdienen zu wenig
Auch beim Einkommen ist von Gleichberechtigung noch lange nicht die Rede: So müssen Frauen über drei Monate länger arbeiten, um auf das gleiche Einkommen wie Männer in einem Kalenderjahr zu kommen. Auf diesen Missstand will vor allem der Equal Pay Day aufmerksam machen, der dieses Jahr auf den 13. April 2011 fällt – an jenem Tag haben Frauen in Österreich – inklusive 2010 – so viel verdient, wie Männer allein vom 1. Jänner 2010 bis 31. Dezember 2010.

Frauentag wird zum Aktionstag
Anlässlich des 100. Frauentages wird durch verschiedene Aktionen auf die (fehlenden) Rechte sowie die Gleichberechtigung von Frauen aufmerksam gemacht. Wer heute zum Beispiel auf den Wiener Heldenplatz geht, wird dort den "Heldinnenplatz" auffinden. Außerdem soll am 19. März 2011 – wie vor 100 Jahren genau am selben Tag – eine große Frauendemonstration rund um den Wiener Ring stattfinden. Um ein weiteres Mal darauf hinzuweisen, dass der Kampf noch nicht zu Ende ist.

(apa/red)