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"Das ist ein Männerjob!" Zwei Frauen sprechen über ihre Lehrberufe

Wie es ist, in einem klassischen "Männerberuf" zu arbeiten, haben uns zwei weibliche Lehrlinge im Rahmen der sprungbrett AmaZone Awards erzählt.

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sprungbrett/ Prokopp

Isabel Trischitz (links) mit Kollegin bei der Arbeit

© sprungbrett/ Prokopp

Stolze Lehrlingsbeauftragte treffen bei den jährlichen AmaZone Awards auf noch stolzere weibliche Lehrlinge. Ausgezeichnet werden nämlich jene Betriebe, die sich für Frauen und Mädchen im Bereich Handwerk und Technik einsetzen. Inwiefern sich der Betrieb für die Frauenförderung einsetzt, ist verschieden. Aktive Förderung der Chancengleichheit, das Arbeitsklima, Karrieremöglichkeiten und Maßnahmen, die die Beteiligung von weiblichen Lehrlingen erhöht gehören zu den vielfältigen Kriterien. Organisiert wird das Event vom Verein sprungbrett, der sich mit den Themen "Mädchen - Beruf - Zukunft" beschäftigt.

Platten- und Fliesenverlegung Gerhard Findeis mit Lucyna Gorecka, die den Preis hält. / (c) sprungbrett / B. Gradwohl

"Mein Chef hatte nicht einmal Fragen an mich, so sehr hat ihm gefallen, was im Lebenslauf stand" , sagt Lucyina Gorecka. Sie arbeitet bei Platten- und Fliesenverlegung Gerhard Findeis, dem Gewinner in der Kategorie Kleinstunternehmen. Lucyina Gorecka ist Polin und noch nicht sehr lange in Österreich. Sie ist mit ihren 30 Jahren ein etwas älterer Lehrling, aber das hat auch einen guten Grund: Mit dem Beruf der Platten- und Fliesenlegerin ist sie zu etwas zurückgekehrt, das sie schon als Kind immer gern gemacht hat. Ihr Vater hatte in Polen nämlich eine eigene Firma in diesem Bereich und Gorecka half schon als kleines Mädchen mit. "Ich habe schon viel ausprobiert, aber das hat mir einfach am besten gefallen", sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. "Außerdem bin ich sehr gut darin!"

Auch Isabel Trischitz, von MAN Truck, dem Gewinner der Kategorie Mittel- und Großunternehmer, interessiert sich schon lange für Fahrzeugtechnik. Doch sie wurde von ihrer Familie nicht immer so ernst genommen. "Meine Eltern haben sich da immer ein bisschen gewundert. Sie haben sich gedacht, dass wir Kinder ins Gymnasium gehen, Matura machen und dann studieren", erzählt Isabel Trischitz. Sie konnte sich aber schließlich durchsetzen und ging dann nicht wie geplant in eine HTL, sondern in eine Polytechnische Schule. Kurz dachten die Eltern, dass Isabel Trischitz in den Tourismusbereich gehen würde, nachdem sie einen Monat lang eine Tourismusschule besucht hatte, doch die junge Frau wusste schon nach kurzer Zeit, dass dies nicht das richtige für sie war: "Ich habe ihnen klar und deutlich gesagt, dass ich Mechanikerin werden will. Und daraufhin meinten sie, dass sie mir vertrauen und ich machen soll, was mir gefällt."

MAN Truck und Bus Vertrieb Österreich mit Isabel Trischitz: 3. von links / (c) sprungbrett / B. Gradwohl

Lustigerweise sprechen beide auf die Frage nach Aufgaben, die sie im Beruf nicht mögen, das Tragen von Gegenständen an. Da kommen beide an ihre Grenzen, wobei das keine schlechte Sache, sondern ganz normal sei, betont Isabel Trischitz. "In gewisser Hinsicht ist es klar, dass männliche Kollegen körperlich mehr aushalten. Doch es hat nicht alles mit Kraft zu tun. In solchen Momenten muss man denken und einen Weg finden, wie in einer solchen Situation zusätzlich helfen kann" Und Lucyina Gorecka fügt noch eine interessante Beobachtung hinzu. In Österreich würden Menschen nämlich weitaus weniger auf Geschlechtersterotype geben als in Polen: "In Österreich ist es mehr oder weniger egal, ob du eine Frau oder ein Mann bist. Und wenn du als Lehrling etwas tragen musst, dann machst du das auch als Frau, wenn du es kannst. In Polen heißt es aber 'Du solltest das nicht tragen, weil du eine Frau bist'. Das ist tief in der Kultur verankert."

Ist der Begriff "Männerberuf" im Alltag der Lehrlinge wirklich relevant?

Und was, wenn man doch mit diesen Geschlechterstereotypen konfrontiert wird - und zwar nicht von den Kollegen, sondern vom Umfeld? "Manchmal kriegt man übertriebene Komplimente, dass man so toll ist, dass man in einem Männerberuf arbeitet. Das ist schon nett gemeint, aber ich mache nur meinen Job, verdiene mein Geld. Es ist nichts besonderes", so Trischitz. Und Gorecka fügt schelmisch hinzu: "Ich höre mir das an, reagiere nicht und später lache ich darüber." Die beiden Frauen nicken zustimmend. Sie sind sichtlich stolz auf ihren AmaZone Award, doch trotzdem wollen sie nicht wie zwei Einhörner behandelt werden. Am Ende regiert nämlich die Normalität, der Arbeitsalltag mit den Kollegen, den KundInnen und allem, was neu zu lernen ist.

Deshalb können ihre Tipps für alle Mädels, die sich für typische "Männerberufe" interessieren, ganz allgemein aufgefasst werden: "Du musst es dir gut überlegen. Willst du diesen Beruf bis zur Pension machen? Dann ziehe es durch", sagt Gorecka. "Tu es nicht für's Geld. Ich hätte auch einen Bereich wählen können, wo man ein bisschen mehr verdient. Aber mein Job interessiert mich einfach am meisten und das zählt", ergänzt Trischitz. Gab es einen Punkt, an dem die beiden an ihrer Wahl gezweifelt haben? "Als ich zu MAN gekommen bin, nicht mehr. Aber davor habe ich mich natürlich auch gefragt, ob es die richtige Wahl ist. Doch man kann es nicht wissen, bevor man es probiert hat", sagt Isabel Trischitz. Gezweifelt hat Lucyina Gorecka auch nicht wirklich daran, aber sie hat eben davor viel probiert. Ihre Antwort ist deshalb eindeutig: "Alles andere war einfach nicht meins. Fertig."

Alle GewinnerInnen der AmaZone Awards auf einen Blick:

  • Kleinstunternehmen: Platten- und Fliesenverlegung Gerhard Findeis
  • Kleinunternehmen: Bogensberger Vermessung
  • Mittel- und Großunternehmen: MAN Truck und Bus Vertrieb Österreich
  • Öffentliche und öffentlichkeitsnahe Unternehmen: ÖBB
Thema: Report