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Diese Frau will unseren Sex verbessern!

Am 7. November eröffnet Amorelie , der Online-Shop für Sex-Toys, einen Pop-up Store in Wien. Wie Gründerin Lea-Sophie Cramer das Sex-Biz entschmuddelt.


Diese Frau will unseren Sex verbessern!

Lea-Sophie Cramer: "Sex muss entschmuddelt werden!"

© Amorelie

Jede zweite Frau zwischen 30 und 50 hat einen Vibrator. Und trotzdem: Sex-Toys sorgen immer noch für kindergardisches Gekicher, manche von uns haben zudem Bilder monströser Riesen-Dödel aus Plastik in die Netzhaut eingebrannt.

Schmutzig, Porno, huch! Diesen Beigeschmack hat es immer noch ein klein wenig, wenn viele von uns an Sex-Spielzeug denken. Dabei, meine Damen, geht es um unser Vergnügen, um Orgasmen auch ohne Partner, immer dann, wenn uns die Lust ergreift.

Sex-Toys aus der Schmuddelecke holen will Lea-Sophie Cramer. Und an der ist so gar nichts Schlüpfriges. Blond, fesch, smart und fokussiert ist die 27-jährige Gründerin des Online-Shops Amorelie, in dem hochwertige (meist vibrierende) Helferlein aus Silikon und Latex an die Frau gebracht werden.

Amorelie: Nix mit Schmuddel im Online-Shop für Sex-Toys

Nach ihrem BWL-Studium und einem Berufseinstieg in der Beratung, baute sie als Vice President International das Unternehmen Groupon in Asien auf. Mit beachtlichen 1200 Mitarbeitern. Anfang 2013 rief sie dann gemeinsam mit Geschäftspartner Sebastian Pollock Amorelie ins Leben. Nach dem erfolgreichen Start in Deutschland gibt es Amorelie nun auch mit österreichischem Auftritt.

"Dass es E-Commerce wird, war mir sofort klar. Ich wollte nur nicht den xten Schuh-Shop starten," so Cramer. Warum es dann Sex-Toys wurden, wie die Reaktionen auf ihren Job ausfallen und welche Toys gerade super sind – das hat sie uns verraten.

»Neue Bekanntschaften reagieren überrascht, wenn ich sage, dass ich mit Sex-Toys handle«

WOMAN: Wie kamen Sie auf die Idee, statt mit Schuhen mit Sex-Toys zu handeln?
Lea-Sophie Cramer: Im ICE von München nach Berlin lasen Frauen aller Altersklassen ganz selbstverständlich die Romane rund um die Literaturstudentin Anastasia Steele und den Unternehmer Christian Grey. Dass die Menschen öffentlich Bücher wie „Shades of Grey“ verschlangen, hat mir gezeigt wie neugierig und offen die Leute für Sinnlichkeit und Sexualität sind. Doch auf der Suche nach einem ansprechenden Händler bei dem man sich über die dazugehörigen Produkte informieren oder diese kaufen kann, bin ich gescheitert. Für die meisten Menschen haben traditionelle Sexshops nichts Ansprechendes. Man schleicht hinein, schaut sich kleinlaut um, hofft dass man nicht angesprochen wird und duckt sich dann wieder heraus. Ich wollte ein Shopping-Erlebnis schaffen, das Lust bringt.

WOMAN: Gehen Frauen heute offener mit Sexualität um?
Cramer: Der aktuelle Trend rund um "mehr Leidenschaft", den Erotik-Literatur wie „Shades of Grey“, aber auch Serien wie "Sex & the City“ ausgelöst haben, führt dazu, dass die intimen Wünsche der Frauen immer stärker enttabuisiert werden. „Frau“ spricht heute offen mit Freundinnen über Vorlieben. Dieses neue Selbstbewusstsein macht sich überall bemerkbar. Dennoch geht fast keiner mit einem guten Gefühl in eine Erotik-Boutique. Diese Läden bieten nicht den hochwertigen Lifestyle und die Erlebniswelt, die sich die moderne Frau wünscht. Zudem sind viele Angebote oft sehr maskulin ausgerichtet. Wir möchten neu an das Thema Liebe und Leidenschaft herangehen – ohne einen verruchten Beigeschmack!

»Männer sagen dann schon mal: Führst du auch Penis-Ringe in XL?«

WOMAN: Sie kommen ja nicht aus der Erotik-Branche...Waren die ersten Schritte in dem Geschäft deshalb schwerer?
Cramer: Stimmt, mein Geschäftspartner Sebastian Pollok und ich kommen nicht aus der Erotikbranche. Dadurch haben wir aber einen Vorteil gegenüber vielen traditionellen Händlern, die Unsicherheiten und Ansprüche von Lovetoy-Neulingen nicht verstehen. Zudem verkörpern wir selbst unsere Zielgruppe und verstehen diese dadurch extrem gut. Wir haben uns ein bisschen umgehört, sowohl im Freundeskreis wie auch auf dem Markt, und den Bedarf für einen seriösen und ansprechenden Ort, an dem sich jeder gerne auch über Sextoys und neue Trends informiert erhoben. Unsere Zielgruppe sind nicht die Branchen-Insider, sondern ganz normale Konsumenten für die ihr Liebesleben auch Lifestyle ist. Daher haben wir bei der Konzeption unseres Onlineshops sehr auf das Design geachtet: von natürlich wirkenden Models bis hin zu einer farben- und lebensfrohen Grafik, die eher an einen Mode- und Lifestyle-Shop erinnert.

Die Amorelie-Toys werden dezent verpackt geliefert

WOMAN: Wie ist denn die Reaktion, wenn Sie neuen Bekannten erzählen, dass Sie einen Shop für Sex-Toys betreiben?
Cramer: Meine Familie und Freunde konnte ich nach kurzer Zeit von meiner Idee überzeugen. Der einzigen Person, der ich es sehr schonend beigebracht habe, war meine Oma. In ihrer Generation war das Thema Sex ja noch ein Tabu. Doch auch sie hat es positiv aufgenommen. Ihr ist wichtig, dass ich glücklich bin. Wenn ich neue Leute kennenlerne, sind die meisten in erster Linie überrascht. Man stellt sich den Betreiber oder die Betreiberin eines Onlineshops für Lovetoys einfach anders vor. Männer kommen oft mit Anspielungen wie „Gibt es den Penisring auch in XL?“. Aber solche Kommentare lernt man zu ignorieren. Viele Männer haben schon Fantasien, wenn sie hören, dass ich einen Online-Sexshop gegründet habe. Doch sobald ich mein Konzept erläutere, holt die Realität sie auf den Boden der Tatsachen zurück.

WOMAN: Amorelie gibt es jetzt auch in Österreich. Sind Unterschiede zwischen österreichischen und deutschen Bestellerinnen feststellbar?
Cramer: Die Märkte sind sehr ähnlich. In Österreich stehen zum Beispiel Partnerstoys hoch im Kurs. Sie kaufen auch etwas bedachter ein und legen vor allem sehr viel Wert auf die Kombination von Qualität und Design. Dafür sind sie auch bereit mehr Geld für entsprechende Produkte auszugeben.

»In Österreich suchen wir noch Beraterinnen für die Toy-Partys«
Hübsche Reizwäsche wie dieser BH von Mimie Holliday um 60 Euro

WOMAN: Angeboten werden bei Amorelie auch Toy-Partys. Wie funktionieren die genau?
Cramer: Über das Formular auf unserer Homepage kann man bequem eine Party anfragen. Die Amorelie-Beraterin ruft dann an und vereinbart einen Termin. Sobald der Termin steht, lädt die Gastgeberin Freundinnen und Bekannte zu sich nach Hause ein. Die Beraterin besucht die Mädelstruppe am Abend der Party und stellt die schönsten Spielzeuge, Accessoires und Wellness-Produkte vor. Jeder Partygast hat im Anschluss die Möglichkeit, diskret unter vier Augen die gewünschten Produkte zu bestellen. Die Ware wird schön verpackt und kostenlos an die gewünschte Adresse verschickt. Als Gastgeberin einer Party bekommt man als Dankeschön eine Sachprämie in Höhe von zehn Prozent auf den Umsatz der Party. In Österreich sind wir ja noch nicht so lange vertreten. Im Moment sind wir noch dabei unser Netz an Beraterinnen auszubauen und suchen fleißig neue Beraterinnen, sodass wir die Partys in jedem Winkel Österreichs anbieten können.

»Der Vibrator wird - wie das Rad – nur einmal erfunden...«

WOMAN: Welche Toys haben Sie nachhaltig beeindruckt?
Cramer: Der Vibrator wird - wie das Rad - nur einmal erfunden, aber ständig weiter verbessert. Zur Zeit werden die Vibrationen immer stärker, die Motoren also leistungsfähiger und gleichzeitig leiser. Die Toys, die unser absolute Bestseller sind und mich auch gleichzeitig beeindruckt haben, sind Partnertoys. Diese werden während des Sex von der Frau getragen und stimulieren Frau und Mann gleichermaßen.

Welche Sex-Toys gerade trendy sind, könnt ihr hier erfahren.

Amorelie Pop-up Store für Sex-Toys in Wien

Wer mal ein wenig gustieren möchte: Der Online-Shop Amorelie eröffnet von 7. bis 8.11. 2014 eine reale Kurzzeit-Station in Wien. Dann eröffnet in der Kandlgasse 6, 1070 Wien , ein Pop-up Store, in dem frau eine exklusive Auswahl an Dessous, Massageprodukten und Lovetoys aus dem Web-Shop ansehen und kaufen kann. Dazu gibt es die Möglichkeit, mit den Amorelie -Expertinnen vor Ort etwaige Fragen zu klären. Öffnungszeiten: 11 Uhr bis 18 Uhr (am Freitag, 7.11. sogar bis 19 Uhr).