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An dieser Schule gibt es Meditation statt Nachsitzen

Stellt euch vor ihr wärt Lehrerinnen und ein Schüler benimmt sich daneben. Statt ihn nach dem Unterricht mit Nachsitzen zu bestrafen, soll er meditieren. Gut oder schlecht?


An dieser Schule gibt es Meditation statt Nachsitzen

Meditation statt Nachsitzen

© istockphotos.com

An meiner Schule gab es kaum Nachsitzen. Meistens bekam man zwei Verwarnungen und beim dritten Mal gab es einen Klassenbucheintrag und ein Briefchen an die Eltern. Später hatten wir eine Mathelehrerin, die uns bei jedem kleinen Vergehen nachmittags dabehielt und uns zwang die Biografien von Mathematikern abzuschreiben. Sie begann mit der kürzesten und je öfter man nachsitzen musste, desto länger wurden die Biografien. Erinnert ein bisschen an die Szene in den Simpsons als Bart unzählige Male „I will not skateboard in the halls“ an die Tafel schreiben muss.

Der pädagogische Sinn dahinter darf ruhig in Frage gestellt werden. Ich habe mir keine einzige der drei Biografien, die ich abschreiben musste gemerkt und über mein schwerwiegendes Verhalten – einen Radiergummi zu benutzen, während die Lehrerin etwas an der Tafel erklärt – nachzudenken, konnte ich während des Biografie-Abschreibens auch nicht.

An der Robert W. Coleman Elementary School in Baltimore werden Kinder anders diszipliniert. Statt Nachsitzen gibt es Meditation. Sobald sich ein Kind daneben benimmt wird es in das „Mindful Moment“ Zimmer geschickt, um zu meditieren und sich zu beruhigen.

Der Raum sieht nicht aus, wie Standardklassenzimmer, in denen sonst die Gefängnisstrafe „Nachsitzen“ abgesessen werden muss. Stattdessen ist er mit Lampen, Teppichen, und lila Plüschkissen ausgestattet. Kinder, die sich schlecht benehmen, sollen im Raum sitzen und Meditation und Atemübungen praktizieren. Dies soll ihnen helfen, sich zu beruhigen. Sie werden auch dazu ermutigt Schritt für Schritt nachzuerzählen, weshalb sie in den Raum geschickt wurden. So erkennen sie ihr Fehlverhalten selbst.

Der Meditationsraum wurde in Zusammenarbeit mit der „Holistic Life Foundation“, einer lokalen gemeinnützigen Organisation geschaffen. Seit mehr als zehn Jahren bietet die Stiftung auch die außerschulische Aktivität „Holistic Me“ an, wo Kinder vom Kindergarten bis zur fünften Klasse Achtsamkeitsübungen und Yoga erlernen.

Kirk Philipps, Holistic Me Koordinator der Robert W. Coleman Elementary School, ist überrascht über den Erfolg des Programms. So hätte er sich niemals gedacht, dass kleine Kinder in Ruhe meditieren könnten: „Für ein Kind ist es schwer still zu sitzen und nicht zu reden“, erklärt er.

Eltern seien vom Projekt ebenfalls begeistert. So würden die Kinder die Übungen sogar mit nach Hause bringen und den Eltern nach einem langen, stressigen Arbeitstag Atemübungen zum entspannen beibringen.

Die Schule ist begeistert. Die Kinder seien viel konzentrierter und würden auch nachvollziehen können, warum ihr Verhalten in vielen Fällen nicht korrekt war. Manche würde sogar freiwillig meditieren.

An der Robert W. Coleman Elementary gab es im vergangenen Jahr und in diesem Jahr null Auseinandersetzungen zwischen Schülern und Lehrern. Die nahegelegene Patterson Park High School, die ebenfalls das Meditationsprogramm der Hollistic Life Foundation implementiert, stellt sinkende Störfaktoren im Unterricht und eine steigende Mitarbeit fest.

Ob die Fortschritte allein der „Mindfulness“-Übungen zu verdanken sind, ist schwer zu sagen. Dass das Feedback allerdings durchwegs positiv ist, kann nicht geleugnet werden. Nun wollen auch andere Schulen in den USA das Projekt in den Schulalltag aufnehmen und statt Nachsitzen Meditations- und Atemübungen anbieten.