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An dieser Universität in China wird Frauen beigebracht "weiblicher" zu sein

Ein Kurs an einer chinesischen Universität soll Frauen "weibliche Tugenden" lehren - unter anderem, wie man sitzt, sich kleidet und Make-up richtig aufträgt.

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Frau aus China
© iStockphoto.com

Wie man als Frau richtig sitzt? Das erklärt die 21-jährige Studentin Duan Fengyan der Washington Post: "Sie müssen auf den vorderen zwei Dritteln des Stuhls sitzen - Sie können nicht den ganzen Stuhl einnehmen. Bauch einziehen, Schultern entspannen, Beine zusammen halten und Schultern hoch."

Das lernen Frauen unter anderem gerade an der Universität im chinesischen Zhenjiang in der Klasse für "weiblichen Tugenden": wie man sitzt, sich kleidet und Make-up richtig aufträgt oder - präziser gesagt, wie man in der Zeit von Präsident Xi Jinping sich als Frau verhalten soll.

Ziele dieses Kurses sei es, "weise", "sonnige" und "perfekte" Frauen hervorzubringen, wobei Weisheit aus dem Studium der chinesischer Geschichte und Kultur entstehen soll, Sonnigkeit aus Ölmalerei und Etiketteunterricht und Perfektion aus der Anwendung von - aber bitte nie zu viel - Make-up.

Diese Lerninhalte sind allerdings nur ein Teil im weitaus breiter angelegten Kurs der Xi-Präsidentschaft, Frauen wieder in alte, überholte Geschlechterrollen zurückzudrängen. Einen gleichwertigen Kurs für Männer gibt es natürlich nicht.
Während seiner bisherigen Amtszeit wurden zahlreiche feministische Ansätze sowie Aktionen stillgelegt und beispielsweise auch der #MeToo-Hashtag zensuriert. Der Rang des Landes im weltweiten Gender Gap-Index des Weltwirtschaftsforums ist unter der Präsidentschaft von Xi von 69 auf Rang 100 gefallen.

Stattdessen wird von offizieller Seite immer wieder die Wichtigkeit der Frau im Haushalt und in der Familie betont. Oder wie die Autorin Leta Hong Fincher es sehr plakativ formuliert: "Die Kommunistische Partei reduziert Frauen auf ihre Rolle als reproduktive Werkzeuge für den Staat als pflichtbewusste Ehefrauen, Mütter und Gebärmaschine im Haushalt, um soziale Unruhen zu minimieren und zukünftige Generationen von Facharbeitern zur Welt zu bringen."

Dabei erscheint dieser neue Uni-Kurs noch regelrecht bescheiden, wenn man auf andere Klassen für Frauen blickt, die beispielsweise letztes Jahr von einer chinesischen Firma angeboten wurden: In dieser "traditionellen Kulturschule" sollen Frauen dazu aufgefordert worden sein, den Mund zu halten, mehr Hausarbeit zu machen und sich vor ihren Ehemännern zu verbeugen. Darüber hinaus wies man Frauen an, sich nicht zu wehren, wenn sie geschlagen werden, und - in den Worten eines Ausbilders - "einfach auf der untersten Stufe der Gesellschaft zu bleiben und nicht nach mehr zu streben".

Denn es gibt laut der Washington Post in China Bedenken, dass "gebildete Frauen beschließen, keine Männer mehr zu heiraten und keine Kinder zu haben, was den aktuellen Überschuss an Männern - verursacht durch die offizielle Ein-Kind-Politik und das daraus folgende jahrzehntelange Abtreiben von weiblichen Kindern -, erhöht und das Land so potenziell destabilisiert."

Und Himmel hilf - wer weiß, was dann noch passieren würde, wenn Frauen tatsächlich die gesamte Sitzfläche eines Stuhles nur für sich beanspruchen würden!