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Was kostet deine Welt? Eine Anästhesieschwester über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient man als Anästhesieschwester? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine Anästhesieschwester über ihren Kontostand
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"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im 18. Teil der Serie haben wir eine Anästhesieschwester mit Kleinkind zum Interview gebeten.

Io Laetitia Meadows lebt in Innsbruck und hat nach der Matura die Ausbildung zur Diplomkrankenpflegerin mit der Sonderausbildung für Anästhesie- und Intensivpflege absolviert. Ihr Sohn ist zweieinhalb Jahre alt. Nach zwei Jahren Karenz ist Io Laetitia mit 33,3 Prozent Anstellung, also 13,5 Wochenstunden eingestiegen, die sie aufgrund der Öffnungszeiten der Kinderkrippe von 7 bis 13 Uhr abarbeitet.

Was passiert in deinem Job?

In der Anästhesiepflege betreue ich gemeinsam mit dem Arzt die Patienten vor, während und nach der Operation. Manchmal bin ich im Aufwachraum, den wir auch mitbetreuen. Wir sind für alle Fachgebiete eingelernt, das heißt, ich bin manchmal an einem Tag in der Gynäkologie im OP, am nächsten Tag im Kinder-OP und am übernächsten Tag im Herz-OP. Es ist ein toller Beruf, da er vielseitig und fachlich sehr spannend ist.

Wie viel verdienst du monatlich?

Ich verdiene 1113 Euro brutto, das sind 933 Euro netto.

Wie hoch sind deine Fixausgaben?

Wir wohnen bei den Schwiegereltern im Haus, wodurch wir fürs Wohnen Gott sei Dank wenig brauchen. Die Fixkosten fürs Wohnen, Versicherungen, Auto und Handy betragen ca. 500 Euro. Dazu kommen dann noch Lebensmittel, Ausflüge, Aktivitäten mit dem Kleinen - und die Kinderkrippe kostet pro Monat um die 270 Euro für drei Tage pro Woche inklusive Essen. Geöffnet hat sie von 7:30 bis 14:30 Uhr - ich bekomme aber die Hälfte vom Land Tirol subventioniert, da wir so wenig Einkommen haben.

Hast du eine private Pensionsvorsorge?

Nein.

Sparst du Geld, wenn ja wie viel, wie legst du es an?

Es bleibt momentan leider quasi nichts zum Sparen übrig, aber meinen Bausparer habe ich noch. Ich zahle hier 20 Euro pro Monat ein – besser als nichts.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?

Nichts.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?

In dieser Steuerklasse mit 33,3 Prozent Anstellung finde ich den Verdienst okay. Allgemein finde ich, sollte man in der Pflege mehr verdienen. Als Vollzeitkraft inklusive vier Nachtdiensten und einem Wochenenddienst habe ich damals nach 10 Dienstjahren im Beruf 2100 Euro verdient. Das ist leider wenig, wenn man bedenkt, wie viel Verantwortung man hat und wenn man sich die Arbeitszeiten ansieht. Pro Nachtdienst bekommt man insgesamt ca. 39 Euro brutto und zwei Ausgleichsstunden zusätzlich. Für jede Sonn- und Feiertagsstunde 3,70 Euro brutto zusätzlich. Reich wird man damit leider nicht.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?

Ja, im Haus haben wir von der Pflege ein Lohnschema das man anschauen kann.

Wofür gibst du gern Geld aus?

Für Aktivitäten mit der Familie und für gutes Essen.

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?

Ich würde gerne mehr reisen.

Redest du mit deinem Freundeskreis übers Geld?

Klar. Wir haben da alle keine Geheimnisse und reden sehr offen drüber!

Gibt es sonstige Einnahmen?

Mein Lebensgefährte studiert noch. Er macht gerade den Master in Chemie. Wann immer es geht arbeitet er als Tutor oder stundenweise bei Veranstaltungen. Da er jedoch fast immer Anwesenheitspflicht hat (z.B. im Laborpraktikum), bleibt dafür nicht viel Zeit. Alles was er verdient, kommt in die Haushaltskasse. Wenn es mal ganz knapp ist, helfen unsere Eltern aus. Das ist sehr beruhigend. Wir haben beide sehr großzügige und verlässliche Eltern.

Was ist dein größter Luxus?

Ganz ehrlich? Dass ich "nur" 33 Prozent arbeiten gehe. Dadurch habe ich viel Zeit für meinen Sohn, was mir das wichtigste ist, solange er noch klein ist.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst oft auf was verzichten?

Momentan ist nicht so viel Luxus drin. Aber ich habe alles, was ich brauche und habe selten das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen.

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger haben?

Nur 33 Prozent zu arbeiten war eine bewusste Entscheidung. Zeit ist, finde ich, wertvoller als viel Geld. Und wenn mein Freund das Studium abgeschlossen hat, verdient er ja auch etwas. Bis dahin schaffen wir das auch mit wenig Geld.

Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?

Ich genieße die Stunden in der Arbeit sehr, weil ich den Beruf und unser Team sehr gerne mag. Insofern ist mir die Arbeit sehr wichtig. Auch wenn sich das Leben primär um unseren Sohn dreht.

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