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Veronika, der Lenz ist da!

Ostern ist sprichwörtlich Schnee von gestern. Und während die einen noch am Grübeln sind, wie sie ihren Osterspeck - ohne den es, zur Verteidigung, dieses Jahr auch ziemlich kalt gewesen wäre - schnellstens wieder von den Hüften wegrationalisieren könnten, warten die anderen auch schon geduldig auf das verzögerte österliche Wunder: Die Auferstehung der sagenumwobenen Frühlingsgefühle.

von

Veronika, der Lenz ist da!

Und ewig lockt der Frühling!

© Corbis. All Rights Reserved.

Kaum haben sich die ersten Sonnenstrahlen hinter der schier endlosen Winterfront hervorgekämpft, klopft es auch schon verheißungsvoll an heimischen Türen. Wer ist denn das schon wieder? Vielleicht die hübsche Nachbarin, die den Blickkontakt meidet, seit der Postmann für sich beschlossen hat, die Rechnungen für mein Playboy-Abo fortan in ihr Postkästchen zu werfen? Oder gar die Sternsinger, die mich dieses Jahr mal mit dem Datum überraschen wollen?
Weit gefehlt. Es ist der Lenz - und der hat mir gerade noch gefehlt.

Wenn ich so mit meiner Katze durch die blühende Grazer Stadtpark-Flora schlendere, dauert es keine fünf Minuten ehe ich in die erste Pfütze trete, die mir eines dieser happy-peppi- Frühlings-Pärchen vor die Schuhe geturtelt hat. Dabei - Pfui, Bonnie, wirst du da weggehen – fühle ich mich fast schon ein bisschen hintennach weil mich dieser Hormon-Trend bis heute immer noch nicht richtig mitreißen hat können. Wenn ich mich dann auf ein Parkbankerl setze und die Katze beobachte, wie sie sich willenlos-rollig am Boden herumwälzt, überlege ich kurz, ob ich mich nicht dazulegen soll – lass es dann aber doch lieber bleiben.
Ich hoffe auch, dass mich an dieser Stelle niemand falsch versteht. Ich finde das ganze Bussi-Bussi ja auch ganz nett, stelle mir jedoch jedes Jahr die selbe Frage: Wohin verpufft die rosa Weichspül-Wolke wenn der Winter den Frühling schließlich wieder zur Tür hinausbefördert?

Ich bin ja der Meinung, dass es nicht der Frühling ist, der unter den Jahreszeiten eine hormonelle Sonderstellung einnimmt. Vielmehr scheint der Winter als eine Art Libido-Kläranlage zu fungieren, was eigentlich ziemlich unpraktisch ist. Denn wann benötigten wir das „Aneinander-picken“ dringender als in der kalten Jahreszeit? Irgendwo ist der Wurm drin. Mangelndes Freizeitangebot rührt die Zweisamkeit zum Einheitsbrei, Diskussionen wie „Germany's Next Topmodel oder Man vs. Wild“ arten schnell mal zur Existenzfrage aus. Wozu bringen wir eine ganze Jahreszeit dafür auf, Herzchen-Luftballons aufzublasen, nur um sie in einer anderen blindlings mit Dartpfeilen zu bewerfen?
Zumindest in einer Hinsicht könnten wir uns ruhig mal ein Beispiel an den reiferen Generationen nehmen. Diese scheinen diese Probleme nämlich nicht mehr zu haben; Liebesgschicht'n und Heiratssachen läuft schließlich das ganze Jahr über.

In welchem Lager bettest du dich? True Love oder wetterabhängig?? Schreib mir unter: andreas.mbinder <AT> gmail.com

Redakteur:
Andreas Binder ist 24 und studiert Deutsch und Psychologie/Philosophie auf Lehramt in Graz.

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