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Angelika Niedetzky im Talk

Die heimische Ulknudel steht gerade mit ihrem zweiten Solo-Programm "Niedetzky-Marsch" auf der Bühne. Wir baten sie zum Talk über verpasste Chancen, die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft und wie Beziehungen darunter leiden.

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Angelika Niedetzky im Talk
© Dieter Steinbach

WOMAN: Angelika, was dürfen sich die Zuschauer von Ihrem neuen Programm erwarten?

Niedetzky: Einen Marsch durch Situationen des Alltages, die 100% des Publikums zu 120% kennen werden.

WOMAN: Es ist Ihr zweites Soloprogramm. Wie schwer ist es, mit dem zweiten Programm zu "bestehen", wenn man mit dem ersten erfolgreich war? Ist der Druck groß?

Niedetzky: Ich habe die letzten zwei Jahre so viele Ideen gesammelt, die wollen auf eine Bühne! Wenn ich nicht dran glauben würde, dass es mindesten so gut funktionieren würde wie beim letzten Mal, müsste ich es von vornherein bleiben lassen.

WOMAN: Von wem holen Sie sich Tipps?

Niedetzky: Von meinem Regisseur Andy Hallwaxx und von Joesi Prokopetz.

WOMAN: Laut Pressetext handelt sich's bei Ihrem neuen Streich um ein "schamloses Offenbaren vieler alltäglicher Zwickmühlen". Von welchen Zwickmühlen sprechen Sie da genau?

Niedetzky: Zum Beispiel von alltäglichen Lügen. Wir lügen uns oft selber in den eigenen Sack, wir lügen aber auch unsere Mitmenschen so gerne an. Wieso ist das so?

WOMAN: Und: Wie persönlich wird's?

Niedetzky: Es ist weniger autobiographisch diesmal. Vielmehr hab ich mich in meinem nahen Umfeld genau umgehorcht, mir viele Geschichten erzählen lassen, also viele Alltagsgeschichten gesammelt.

WOMAN: Gerade in der heutigen Zeit – scheint es – leben wir in einem Hamsterrad. Wer erfolgreich sein will, muss schneller, besser, schöner sein als die anderen. Stehenbleiben? Gibt's nicht. Kennen Sie dieses Gefühl?

Niedetzky: Klar kenne ich dieses Gefühl. Ich kämpfe immer wieder dagegen an, weil es mich in meiner Kreativität einschränkt. Schöner wird' ich nicht mehr, um die anderen Dinge kümmer' ich mich noch, aber in meinem Tempo.

WOMAN: Wie schafft man es, sich diesem Trott zu entziehen?

Niedetzky: In dem man nichts für selbstverständlich nimmt. Ich versuche, mich so oft wie möglich zu spüren. Das gelingt mir durch Grenzüberschreitungen wie Marathon laufen oder Schlafentzug in Kombination mit viel Red Bull. Ich brauche das Extreme.

WOMAN: Kamen Sie schon mal an den Punkt, an dem Sie sich sagten: Hey, es geht eigentlich um ganz andere Dinge? Wie lernt man, wieder bewusst zu leben?

Niedetzky: Ich lese viel und interessiere mich für Umweltschutz. In der Natur sind alle Antworten auf alle unsere Fragen. Drum sollten wir alles tun, um sie nicht zu zerstören.

WOMAN: Sitzt man in diesem Trott fest, verfliegt das Jahr, ohne sich wirklich über die wichtigen Dinge gekümmert zu haben. Gibt es eine Chance, die Sie verpasst haben, weil Sie sie nie rechtzeitig ergriffen haben?

Niedetzky: Nein, ich bin nicht der zögerliche Typ. Eher stürze ich mich in zu viel hinein. Aber das entspricht meinem naturell. Erst am Ende meines Lebens wird mir bewusst sein, was ich alles nicht geschafft habe. Aber dann will ich mit Würde sagen, lasst mich ziehen, mehr kann ich nicht mehr tun.

WOMAN: Welche Dinge sind Ihnen heute wichtiger, als Sie es früher waren?

Niedetzky: Ernährung, allein Sein, Tierschutz (Orang-Utans), Klarheit, Distanz, Natur.

WOMAN: Das neue Jahr ist noch relativ jung: Welche Vorsätze haben Sie sich für 2014 genommen? Und: Wie realistisch ist es, dass Sie diese auch einhalten?

Niedetzky: Ich habe mir vorgenommen, NEIN sagen zu lernen. Ich habe ja noch Zeit, es gelingt mir noch nicht so gut, ehrlich gesagt.

WOMAN: Schneller, besser und alles möglichst gleich erreichen: Verkommt unsere Gesellschaft langsam zu einer Gesellschaft voll von oberflächlichen, leistungsorientierten Egoisten, die nur auf sich schauen? Und darauf, dass sie erfolgreich sind?

Niedetzky: Solche Menschen stoße ich instinktiv ab, die haben keinen Platz in meinem Leben, die interessieren mich auch nicht. Aber: ja, es gibt viele davon! Leistung ist nichts Schlechtes, aber wenn Leute nicht authentisch sind in dem, was sie machen und zu lügen beginnen, sich als was Besseres darstellen, als sie sind, dann finde ich das nur lachhaft.

WOMAN: Diese Schnelllebigkeit des Alltags, hat auch in vielen Beziehungen Einzug gehalten. Glauben Sie, dass Beziehungen heutzutage schneller aufgegeben werden, als früher? Wird mit Partnerschaften weniger respektvoll umgegangen als früher? Woran liegt’s?

Niedetzky: Puh...schwierige Frage. Ich bin nicht der Typ, der leichtfertig was über Bord wirft. Ich such' mir ja auch keine Trotteln aus als Partner. Im Gegenteil! Wenn ich mal verliebt bin, dann so richtig. Und das auch richtig lang. Aber diese Gabe kam erst mit einer gewissen Reife. Früher hatte ich viel öfter kurze Beziehungen. Vielleicht waren die notwendig, um herauszufinden, wer ich bin und was ich will in einer Beziehung.

WOMAN: Was ist Ihnen eigentlich in Beziehungen wichtig?

Niedetzky: Das Gegenteil vom Anderen muss sich mit dem Anderen immer wieder die Waage halten. Ich suche zum Beispiel das Gespräch genau so wie die Stille. Ich will gemeinsam lachen und weinen können. Ich will mich in der Ferne, aber auch in den eigenen vier Wänden gemeinsam sauwohl fühlen. Unterm Strich: Ich brauche Abwechslung.

WOMAN: Und worauf legen Sie bei Männern wert?

Niedetzky: Auf Intelligenz und Brusthaare.

WOMAN: Sind Sie momentan liiert?

Niedetzky: Ja!

WOMAN: Hochzeit, Kinder – ein Thema für Sie? Statistiken belegen ja, dass noch nie so viele Ehen wie jetzt geschieden wurden.

Niedetzky: Recht haben diese Statistiken!!! Alles für mich kein Thema grad. Heiraten lass ich in diesem Leben sowieso zur Gänze aus – dass wusste ich schon in der Volksschule. Für Kinder hab ich ja noch ein paar Jahre Zeit...Ich habe einen Hund, auch eine Challenge. Vielleicht eine Vorübung? Was weiß ich...

WOMAN: Letzte Frage: Was würden Sie, könnten Sie noch einmal von vorne anfangen, anders machen?

Niedetzky: Ich würde als Schauspielerin beginnen, nicht als Kabarettistin, denn dann ist man in einer Schublade, aus der man schwer rauskommt. Und mir macht halt beides gleich viel Spaß.