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Anhedonie: Von der Unfähigkeit, Freude zu spüren

Anhedonie ist eine psychische Störung, die das Erleben von positiven Emotionen einschränkt. Befriedigung zu empfinden, ist den Betroffenen unmöglich.

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Traurigkeit
© unsplash.com/Ramdan Authentic

Dass du deinen Lieblingsaktivitäten nicht immer mit demselben Enthusiasmus gegenüberstehst, ist ganz natürlich. Letzte Woche hast du jeden Tag frisch gekocht und dich dabei großartig gefühlt. Diese Woche würdest am liebsten den Kochlöffel in den Mistkübel schmeißen. Ganz normale Gefühle sind das! Doch Anhedonie steigert diesen Verlust ins Unermesslich.

Betroffene können kaum oder gar keine positiven Emotionen empfinden. Weder bei Musik, bei Sex, beim Essen noch bei Konversationen mit Freunden. Sie sind unfähig, Befriedigung zu erleben. Und wenn dies lang anhält, dann kann das zu schweren psychischen Folgen führen.

Niemals Befriedigung, immer nur gedämpftes Empfinden.

Das Wort Anhedonie kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus "an", also "nicht" und "hedonie", also "Lust" zusammen. Die Nicht-Lust ist eine Symptomatik, die mit verschiedenen psychischen Störungen Hand in Hand geht. Bei Psychosen, Schizophrenie, Parkinson und vor allem bei einer Depression zählt Anhedonie zu einer der stärksten Symptome.

In der Gehirnforschung untersuchen ForscherInnen den Zusammenhang zwischen Anhedonie und dem Belohnungssystem. Wenn ich eine leckere Schokolade esse, dann schüttet mein Gehirn wahrscheinlich Endorphine oder andere Glückshormone aus. Es belohnt mich also dafür, dass ich mir was Gutes getan habe.

Das Gehirn sagt kann nicht belohnen, nicht mehr motivieren.

Man geht davon aus, dass bei Betroffenen das Belohnungssystem eingeschränkt oder gar nicht funktioniert. Sie essen also die leckere Schokolade und das Gehirn sagt: "Okay, das hast du jetzt halt gemacht." Kaum Endorphine und kein befriedigendes Gefühl.

Eine noch bessere Beschreibung hat Medical News Today: Stell dir vor, es gibt eine neuartige Süßigkeit. Du kostest sie, befindest sie als gut und willst mehr davon haben. Wenn sie auf dem Tisch neben dir liegt, nimmst du sie und isst sie. Wenn du sie nur im Supermarkt ums Eck besorgen kannst, dann überlegst du dir vielleicht zweimal, ob du die Süßigkeit brauchst. Wenn sie in der nächsten Stadt zu kaufen ist, dann wirst du wahrscheinlich vom Kauf absehen. So würde ein Mensch ohne Anhedonie denken.

Ein Mensch mit Anhedonie würde nicht einmal die Motivation aufbringen, die Süßigkeit zu nehmen, wenn sie als ultragesund gilt, neben der Person liegt und gratis ist. Anhedonie drückt also auch die Motivation eines Menschen. Behandeln lässt sie sich am besten in einer Psychotherapie und mit Antidepressiva. Wichtig ist, dass Außenstehende verstehen, dass eine Person, die an Depressionen leidet nicht einfach "faul" ist, sondern das Gehirn den natürlich Antrieb und die Motivation blocken kann.