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Anleitung, wie man zu einer Feministin wird

Hanna Herbst ist Feministin. Und sagt das auch laut. Das finden wir großartig! Wie sie dazu wurde, darüber hat sie jetzt ein Buch geschrieben.

von

Hanna Herbst
© Pertramer/Brandstätter Verlag

Feministin wird als Schimpfwort benutzt. Auch noch im Jahr 2018. Ein bisschen ironisch wird es oft hingeworfen, gepaart mit einer gewissen unterschwelligen Aggression. Nach dem Motto: „Ach, so ernst ist das doch gar nicht gemeint.” Aber Fakt ist, dass Frauen damit in ein bestimmtes Eck gestellt werden. Genau das spiegelt auch der Titel des neuen Buchs der Journalistin Hanna Herbst wider: Feministin sagt man nicht (Brandstätter Verlag , € 20,–).

Das 136 Seiten starke Werk versteht sich unter anderem als Leitfaden für junge Menschen, die sich bis jetzt noch nicht mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Neben den eigenen Erfahrungen und Prägungen, die Hanna Herbst sehr offen und schonungslos beschreibt, zitiert sie in leicht verträglicher Zusammenstellung bekannte Feministinnen, beschreibt die historische Entwicklung des Feminismus von den Sufragetten bis zum aktuellen Frauenvolksbegehren, das sie mitinjiziert hat, und nimmt Stellung zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Und auch der Feminismus selbst bleibt nicht ungeschoren. Herbst ist es extrem wichtig, klarzustellen, dass diese Bewegung für sie kein „Kampf gegen die Männer“ ist, sondern ein Miteinander von Frauen und Männern für eine Welt, in der Frauen eben nicht mehr darum kämpfen müssen, die gleichen Rechte zu haben wie die Männer.

Alles in allem liest sich das Buch flüssig, locker und unterhaltsam. Allerdings stellt es sich streckenweise ein bisschen zu sehr wie die publikumsträchtige Aufarbeitung eines persönlichen Werdegangs dar. Durchaus nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass das Zielpublikum vor allem jungen Menschen sind, die auf keine feministischen Rollenbilder zurückgreifen können. Erhellend ist es sicher auch für viele Erwachsene, die dem Thema bisher (zu) wenig Aufmerksamkeit gewidmet haben. Auf die historischen und gesellschaftlichen Fakten kann man gut zurückgreifen, wenn man sich das nächste Mal in einer Diskussion wiederfindet, in der man erklären muss, warum der Feminismus so unglaublich wichtig ist (was leider immer noch viel zu oft der Fall ist). Nett zu lesen, aber insgesamt etwas zu dünn ist es, wenn man seinen persönlichen (feministischen) Platz in der Gesellschaft schon gefunden hat.

Insgesamt ist das Buch auf jeden Fall lesenswert. Ob politische Lieder auf der Kärntner Straße singen, wie Herbst es bei der Präsentation ihres Werks im Wiener Schikaneder-Kino angeregt hat, tatsächlich zu mehr Feminismus führt, da sind wir uns nicht so sicher. Aber schaden kann es auf jeden Fall auch nicht.

Buchcover Hanna Herbst, Feministin sagt man nicht
Hanna Herbst, Feministin sagt man nicht, Brandstätter Verlag, € 20
Thema: Feminismus