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Der Teufel trägt Chanel: Anna Wintour im Interview

Sie ist einflussreich, einschüchternd und en vogue – Anna Wintour gilt als eine der bedeutendsten Größen der Modebranche: Die gefürchtete Modezarin im Interview über ihre außergewöhnliche Karriere, ihre Reaktion auf das Buch "Der Teufel trägt Prada" und den Reiz der Imperfektion.


Anna Wintour
© Cindy Ord/Getty Images for Tory Burch

Ihr Name lässt manche zusammenzucken, den Karrieren anderer hat er allerdings schon den entscheidenden Anschub gegeben: 1988 als Chefredakteurin der amerikanischen Vogue eingesetzt, avancierte Anna Wintour das Magazin zur Modebibel und bis heute gibt sie den Ton für die weltweit billionenschwere Modeindustrie an.


Ihr Einfluss endet allerdings nicht mit ihrem Engagement bei Vogue: Unter anderem gründete sie den US-amerikanischen Modeverband CFDA (Council of Fashion Designers of America), der jungen Kreativen Mentorinnen und Mentoren zur Seite stellt, unterstützt die demokratische Partei in den USA, ist Artistic Director des Condé Nast-Verlags und seit 1995 die Co-Vorsitzende der Met-Gala, einem Wohltätigkeitsevent, das bei Stars ganz oben auf der Agenda steht.

Anna Wintours Vater, Charles Wintour, war Politikredakteur beim Evening Standard in London und inspirierte die junge Anna stark. „Ich habe es sehr genossen, in einem Haus voller interessanter und unterschiedlicher Persönlichkeiten aufzuwachsen“, erinnert sich Anna Wintour. „Mein Vater war immer sehr sozial und wollte alle Menschen um sich herum an seinem Leben teilhaben lassen. Bei uns gab es immer rege Diskussionen und viele Leute aus der Kunst- und Filmindustrie gingen ein und aus. Meine Mutter war Filmkritikerin. Dies trug auch viel zu unserer Familienkultur bei.“

Auf die Frage hin wie sie zur Modewelt fand, erklärt Wintour: „Ich bin im London der 60er Jahre aufgewachsen. In dieser Zeit konnte ich viele Veränderungen in London miterleben. Kulturelle Konventionen wurden gebrochen und die Gesellschaft wandelte sich über Nacht. Es war ein starkes visuelles Erlebnis für mich, das mich nachhaltig prägte.“


1970 startete Wintour ihre Karriere als Modejournalistin bei Harpers & Queen. „Arbeiten in London unterscheidet sich stark vom Arbeiten in New York. Ich war Mitglied eines sehr kleinen Teams und erhielt schon früh Einblicke in unterschiedliche Themen.“ Einige Jahre später wurde sie allerdings entlassen, was im Hinblick auf ihre jetzige Karriere unvorstellbar scheint. „Sie waren damals sehr klar in ihrer Entscheidung. Bei der Berichterstattung über eine Pariser Show habe ich entschieden, dass die Models mit Dreadlocks auftreten sollten. Das war wohl mehr, als das Magazin vertragen konnte.“

»Ich denke, dass Niederlagen und Erfolge zum Leben gehören und dass es für die Karriere genauso wichtig ist, einen Job zu verlieren wie einen zu gewinnen.«

Anna Wintour wird häufig nachgesagt, dass sie eine knallharte Perfektionistin sei. Macht sie jemals Fehler und welcher war ihr größter? „Jeder macht Fehler“, gesteht die Mode-Ikone. "Das Wichtigste ist, dass man von seinen Fehlern lernt, dass man sich diese eingesteht und sich nicht für sie schämt.“

»Ich habe so viele Fehler gemacht, dass ich mich kaum an alle erinnert könnte.«

Lauren Weisbergers Debütroman "Der Teufel trägt Prada" handelt von den Erfahrungen, die die ehemalige Assistentin von Anna Wintour während ihrer Arbeit mit der Chefredakteurin gemacht hat. Wintour sieht das Buch allerdings nicht als Vertrauensbruch, sondern vielmehr als Chance: „Ich denke, dass jeder das Recht auf eine eigene Meinung hat. Ich denke auch, dass die Autorin – auch wenn es ihr anfangs nicht bewusst war – in gewisser Weise Aufmerksamkeit auf Vogue und auf Mode gelenkt hat“, sagt Wintour, die während des Interviews übrigens ein Chanel-Kostüm und NICHT Prada trägt.

Anna Wintour

Kristie Lu Stout führte das Interview im Rahmen der Sendung "Leading Women", die du jeden letzten Mittwoch im Monat, um 11.30 Uhr und um 18.30 Uhr auf CNN sehen kannst.

Anna Wintour
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