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Sie hat Krebs - und trifft eine extreme Entscheidung

Annabel Nnochiri erfährt, dass sie Knochenkrebs hat. Es bleiben ihr noch zwei Jahre. Die erste Entscheidung, die sie trifft: Sie verlässt ihren Mann.

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Sie hat Krebs - und trifft eine extreme Entscheidung

Annabel Nnochiri: "Ich wollte mein Leben nicht so gelebt haben."

© Privat/Annabel Nnochiri

Wie will man sein Leben gelebt haben? Auf was möchte man zurückblicken, welche Erinnerungen sollen bleiben?

Annabel Nnochiri, Zeichenlehrerin aus Nord-London, erhielt 2016 die Diagnose, dass der Knochenkrebs bereits Stadium 4 erreicht hat. Der Krebs hat Metastasen in anderen Organen gebildet. Eine Heilung ist aussichtslos.

2010 hat sie Brustkrebs besiegt, im Juni 2012 dann ein Schmerz im Bein. Ärzte entdecken einen Tumor in ihrer Hüfte. Sie kämpft, sie hofft – und erhält drei Jahre später die niederschmetternde Nachricht: Sie ist angezählt. Ihr bleiben noch etwa zwei Jahre, vielleicht auch weniger.

Die erste Entscheidung, die Annabel trifft: Sie verlässt ihren Mann.

"Ich machte eine Liste jener Dinge, die mir in meinen verbleibenden Jahren wichtig sind. Sachen, die ich in meinem Leben noch machen möchte. Das erste, was mir einfiel: Ich will meinen Mann verlassen, mit dem ich, seit wir uns an der Universität kennengelernt haben, 28 Jahre zusammen war,"so Annabel zu KidSpot, einer Nachrichten-Seite für Eltern.

"Ich hatte ein gutes Leben, aber ich fühlte mich eingesperrt. Ich wollte endlich ausbrechen. Mit dem Wissen, dass ich nur mehr kurze Zeit zu leben habe, wollte ich den mir verbleibenden Rest nicht als Hausfrau verbringen."

Sie sprach lange mit ihren Kindern, die bereits im Teenager-Alter sind, mietete eine Wohnung und verließ ihren Ehemann. "Er dachte, es wäre nur eine Phase, ich würde schon wieder zurückkehren. Aber ich wollte nicht die letzten zweieinhalb Jahre meines Lebens in diesem Haus zubringen, ihm jeden Abend sein Essen hinstellen. Ich wollte frei sein und noch etwas erleben."

Annabel Nnochiri belegte einen Salsa-Kurs, begann wieder zu malen und reiste um die Welt. "Die Diagnose hat mich befreit. Erst war ich wütend, traurig. Ich fand es ungerecht, dass ich sterben muss. Aber dann lernte ich damit umzugehen. Wenn der Krebs mein Leben nicht bedrohen würde, hätte ich mein normales Leben weitergelebt. Langweilig, ohne Höhepunkte, ohne Abenteuer. Jetzt habe ich das Gefühl, noch einmal alles rauszuholen, was ich fast verpasst hätte."

Mit ihrem Ex-Mann versteht sie sich nach wie vor gut: "Er hat verstanden, warum ich diesen Schritt gehen musste. Wir waren 28 Jahre lang Partner, jetzt können wir die letzten Jahre meines Lebens Freunde bleiben."

Annabel Nnochiri wird im Rahmen der BBC-Dokumentation "A Time To Live" porträtiert.

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