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Anti-Aging dank Hormonen?

Sie galten lange als DAS Anti-Aging-Mittel. Doch viele Frauen sind verunsichert, weil synthetische Hormone Krebs auslösen können. Gute Nachricht: Neue bioidente Hormone wirken ohne Gefahr.

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Anti Aging mit Hormonen

Hormone? Ja, aber bitte bio!

© istockphoto.com

Es beginnt mit Anfang 30: Erste feine Linien zeigen sich rund um die Augen, die Haut neigt auf einmal zu Unreinheiten oder fühlt sich trockener an. Dazu können Stimmungsschwankungen durch das Prämenstruelle Syndrom (PMS) und erste Zyklusveränderungen kommen. Willkommen im Club: Das Älterwerden schlägt mit ersten Anzeichen zu. Schuld daran sind die (Sexual-)Hormone. Denn genau in diesem Alter beginnt die Produktion von Östrogen, Progesteron, Testosteron und DHEA nachzulassen. Das verändert langsam unseren Zyklus und damit die Fruchtbarkeit, die allgemeine körperliche Gesundheit und auch das äußere Erscheinungsbild. Kommt dann die Menopause mit Haarausfall, Osteoporose und Wechselbeschwerden, war die ärztliche Antwort lange: Hormonersatztherapie. Doch nicht erst seit heute ist die Gabe von künstlichen Östrogenen in Verruf geraten. Studien haben gezeigt, dass die Therapie einige negative gesundheitliche Folgen hat. Im Besonderen steht sie im Verdacht, das Brustkrebs-,Herzinfarkt-und Schlaganfallrisiko zu erhöhen. Arzt und Patientin mussten also abwägen. Doch nun gibt es für Frauen mit Beschwerden neue Hoffnung: sogenannte bioidente Hormone. Das sind Botenstoffe, die biochemisch völlig gleich mit jenen sind, die unser Körper selber produziert und die deshalb keine negativen gesundheitlichen Folgen haben.

Wir haben mit dem Hormonexperten Prof. Johannes Huber über diese neue wissenschaftliche Entwicklung gesprochen. Dermatologin Dr. Sabine Schwarz berichtet über ihre Behandlungserfahrungen als Haut-und Beauty-Ärztin bei äußerlichen Problemen (Interviews unten). Zusätzlich erklären wir, welche Hormone speziell für die optische Alterung verantwortlich sind, was sie bewirken, wie man selbst mit Ernährung gegensteuern kann und wie die richtige Kosmetik die ästhetischen Auswirkungen mindert.

SO BEEINFLUSSEN DIE HORMONE DAS ALTERN.

Hormone sind biochemische Verbindungen, die als Botenstoffe in unserem System dienen. Rund 150 davon hat die Wissenschaft bisher entdeckt, wahrscheinlich produziert der Körper aber um ein Vielfaches mehr. Ihre Wirkung ist sehr komplex und ineinander verflochten. Doch es gibt einige, deren Einfluss auf den Alterungsprozess besonders groß ist, sowohl innerlich wie äußerlich. Allen voran steht das Östrogen. Es lässt Brustdrüsen und Gebärmutterschleimhaut wachsen, bindet die Feuchtigkeit in der Haut, ist Grundlage der Kollagenproduktion, beeinflusst den Fettstoffwechsel und stärkt die Knochendichte. Gemeinsam mit dem Progesteron steuert es hauptverantwortlich den weiblichen Zyklus. Progesteron stoppt als Gegenspieler des Östrogens den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und löst die Regelblutung aus, es ist ein extrem wichtiges Gute-Laune-Hormon, hemmt den Kollagenabbau und damit die Hautalterung. Die männlichen Hormone, allen voran das Testosteron, stärken die Libido, stoppen Haarausfall (wenn man nicht zu viel davon hat) und sorgen für Festigkeit von Haut und Gewebe. Sie sind auch ein gutes Anti-Cellulite-Mittel. DHEA schließlich ist eine Art "Mutterhormon", die Vorstufe für viele weitere der Botenstoffe. Außerdem schützt es die Zellen vor freien Radikalen, das bremst die Hautalterung und senkt das Risiko für Arteriosklerose und Diabetes.

WARUM BIOIDENTE STOFFE OHNE GEFAHR IM KÖRPER WIRKEN.

Die abnehmende Produktion all dieser Hormone kann gesundheitliche und ästhtische Folgen haben und bei einigen Frauen auch für depressive Verstimmungen sorgen. Deshalb scheint es nur logisch, die fehlenden Botenstoffe zu ersetzen. Jahrzehntelang griffen Frauen auf Anraten ihrer Ärzte zur - inzwischen umstrittenen - Hormonersatztherapie. "Wechselbeschwerden können zu schweren Einbußen in der Lebensqualität führen, und das ist natürlich alles andere als befriedigend", weiß Prof. Huber. Der Endokrinologe setzt deshalb auf die Behandlung mit bioidenten Hormonen. Sie werden vorwiegend aus Soja (Östrogen) und Yamswurzel (Progesteron) gewonnen. Die synthetische Variante aus dem biochemischen Labor hat nämlich nicht die exakt gleiche Struktur wie die körpereigene Variante. Der Organismus merkt den Unterschied nicht, da der Rezeptor, also der Schlüssel zur Aufnahme, gleich ist. Die bioidente Variante hat außerdem den Vorteil, dass sie in Cremen über die Haut verabreicht wird. So können die Stoffe genau dosiert werden und müssen nicht die Leber passieren. Dort würden sie ansonsten verstoffwechseln, was ihre Wirkung verändern würde.

AUCH PHYTOHORMONE AUS DER NAHRUNG KÖNNEN HELFEN.

Bei jüngeren Frauen kann, wie anfangs erwähnt, vor allem PMS die Lebensqualität beeinträchtigen. Jede dritte Frau im gebärfähigen Alter leidet darunter. Das diffuse Krankheitsbild äußert sich mit Brustspannen, Wasseransammlungen im Gewebe, Hautunreinheiten, Kreislaufbeschwerden und mehr. Es tritt verstärkt ab Mitte 30 auf und hängt mit dem Abfall des Progesteronspiegels zusammen. Auch hier gibt es einen natürlichen Heilungsansatz: Phytohormone. Das sind Pflanzenstoffe, die zu den Hormonrezeptoren passen wie ein Schlüssel ins Schloss. Sie können also, langfristig angewendet, den Hormonhaushalt auf natürliche Weise ins Gleichgewicht bringen. Ein weiterer Vorteil: Sie sind reich an Antioxidantien und Vitaminen, die die Haut-und Zellalterung verlangsamen. Phytohormone können Sie direkt über die entsprechenden Lebensmittel (die wichtigsten Nahrungsmittel findest du am Ende des Artikels) zu sich nehmen oder als Tropfen oder Kapseln (z. B. Agnukliman-Tropfen, rezeptfrei in der Apotheke, € 7,99). Die Einnahme sollte mindestens über drei Monate gehen. Verändert sich in dieser Zeit nichts, kann eine leicht dosierte Creme mit bioidenten Hormonen helfen. Das Rezept dafür muss nach Untersuchung ein Arzt verschreiben.

DIE HAUT FREUT SICH ÜBER NATÜRLICHE SUBSTANZEN.

Da sich die Hormonveränderungen eben auch auf die Haut auswirken, ist es nur logisch, dieses Problem lokal mit Cremen anzugehen. Phytohormone helfen auch hier, die Zeichen der Zeit hintanzuhalten. Wir haben die besten und wirksamsten Anti-Aging-Produkte aus diesem Bereich gesammelt (siehe unten).

Anti-Aging Produkte mit Hormonen

SO STOPPEN WIR DIE HAUTALTERUNG!
Die (pflanzlichen) Inhaltsstoffe wirken ähnlich wie Hormone.
1_Das Metacel Renewal B3 von SkinCeuticals stärkt die Feuchtigkeitsbarriere. Apotheke, 50 ml €99,-.
2_Das Retinol Face Serum von Judith William Cosmetics wirkt gegen freie Radikale. hse24.at, 120 ml €79,90.
3_Wirkt mit Wachstumsfaktoren gegen das Dünnerwerden der Haut: EGF 30 Day Treatment von Bioeffect. Nägele &Strubell, 15 ml €250,-.
4_Die Nachtkerze wirkt wie Progesteron, hemmt den Kollagenabbau. Nachtkerze Festigendes Aufbaukonzentrat von Weleda, 30 ml €27,90.
5_Die Neovadiol-Tagespflege von Vichy imitiert das Jugendhormon DHEA. Apotheke, 50 ml €33,-. 6_Kosmetik zum Essen: Das Konzentrat mit Grüntee in den Time-Block-Kapseln wirkt östrogenbildend. timeblock.com, 120 Dragees €269,-.
7_Die Hormonsalbe wirkt mit bioidentem Östrogen und Progesteron. Nur mit ärztlicher Verschreibung, bei Dr. Sabine Schwarz. cremen.at, 50 ml €50,-.

Hier kannst du das Experten-Interview mit Prof. Johannes Huber (Endokrinologe) lesen: So gibt Hormontherapie neue Lebenskraft

Hier kannst du das Experten-Interview mit Dr. Sabine Schwarz (Dermatologin) lesen: Cremen mit Hormonen wirken positiv auf Haut und Gemüt.

Östrogen

Hormone aus der Natur
Diese Lebensmittel sind natürliche Östrogene. Wer unter Östrogenmangel leidet, kann es mit Phytohormonen (das sind Pflanzenstoffe, die hormonähnlich wirken) probieren.
1) Soja ist besonders reich daran.
2) Grüner Tee verlangsamt zudem die Zellalterung.
3) Brokkoli enthält auch den Anti-Aging-Stoff Chlorophyll.
4) Cranberries haben zusätzlich viele Antioxidantien und helfen gegen Blasenentzündung.

Cranberrie-Saft

Progesteron

Pflanzenstoffe als Anti-Aging von Innen
Mit der Kraft der Natur zum geregelten Progesteron-Haushalt. Ist der Progesteronspiegel zu niedrig, werden die Kollagenfasern der Haut schneller zerstört. Das Hormon ist zudem ein natürliches Psychopharmakum und hilft z. B. bei Prämenstruellem Syndrom (PMS).
1) Papaya stärkt neben seiner progesteronbildenden Wirkung die Darmflora.
2) Mönchspfeffer als Tee oder in Tropfenform hilft bei PMS.
3) In der Yamswurzel sind besonders viele Phyto-Progesterone.
4) Die Feige wirkt zusätzlich leberentgiftend.

Papaya