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Die Anti-Vergewaltigungs-Unterwäsche

Dank integriertem GPS, Kommunikations- als auch Selbstverteidigungs-System soll das "Society Harnessing Equipment" vor Übergriffen schützen

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Die Anti-Vergewaltigungs-Unterwäsche

Finger weg!

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Die tragische Geschichte der 23-jährigen Studentin, die in Indiens Hauptstadt Delhi nach einer brutalen Gruppenvergewaltigung sowie Misshandlung verstarb, berührte die ganze Welt. Jedoch war diese in Wirklichkeit nur die winzige Spitze eines massiven Eisbergs: In Indien alleine spricht man von mehreren tausend Vergewaltigungen täglich - weltweit könnte man dann wohl in Größen einer Landesbevölkerung rechnen. Dank dem Fall der indischen Studentin wurde diesem Drama jedoch ein Gesicht gegeben und die Menschen gingen auf die Straße um auf die Situation der Frauen in Indien, die weiterhin täglich mit brutalen Übergriffen leben müssen, aufmerksam zu machen.

Eine Möglichkeit diese Anzahl zu reduzieren, kommt nun ausgerechnet von drei Automobil-Ingenieurinnen: Sie kreierten Unterwäsche, die einerseits mit einem GPS-Ortungssystem versehen ist, einem automatisierten Kommunikationssystem als auch integrierter Selbstverteidigung. Dank eingebauter Druck-Sensoren werden bei einer Attacke sofort Polizei sowie eine vorher definierte Kontaktperson verständigt, mit dem genauen Aufenthalt der Trägerin. Darüber hinaus vergönnt das sogenannte Society Harnessing Equipment (SHE) dem Angreifer bis zu 82 Elektroschocks pro Minute.

So positiv der Ansatz für diese Anti-Vergewaltigungs-Unterwäsche auch gewesen sein mag, so ist diese bedauerlicherweise natürlich keine Lösung des Problems. Denn egal ob aufreizende Dessous oder Quasi-Keuschheitsgürtel, egal ob man nackt und mit Schokolade beschmiert oder jeden Zentimeter seiner Körpers verhüllend durch die Straßen wandelt - theoretisch sollte dies keinen Unterschied ausmachen. Kein Kleidungsstück oder koketter Augenaufschlag dieser Welt ist eine Aufforderung zur gewaltsamen Misshandlungen.

Darum sollten wir nicht unsere Unterwäsche überdenken, sondern vielmehr die Frage stellen, warum die Prävention denn den Frauen überlassen wird. Nicht die Frauen sind schuld an Vergewaltigungen, Vergewaltiger sind schuld and Vergewaltigungen. Sollte es daher nicht vielmehr Aufgabe der gesamten Gesellschaft sein, sich endlich dahingehend weiter zu entwickeln, dass sexuelle Erniedrigung keineswegs ein vernachlässigbares Kavaliersdelikt darstellt, sondern ein strafrechtlich verfolgbares Verbrechen an Körper und Geist? Und ein Umdenken darf auch schon im sprichwörtlichen Kleinen beginnen - im offenen Umgang und in der aufklärenden Erziehung mit unseren Kindern.

Thema: Sexismus