Ressort
Du befindest dich hier:

Antibiotika-Resistenzen immer häufiger: Infektabwehr aus der Natur

In 80 Prozent aller Erkältungs-Fälle wird Antibiotika verschrieben, obwohl es sich meist um eine Virusinfektion handelt. 3 Ärzte geben Tipps zur alternativen Behandlung.

von

Antibiotikaresistenz
© iStock

Akute Infektionskrankheiten der oberen Atemwege sind oft durch Viren ausgelöst. Trotzdem bekommen viele Österreicherinnen und Österreicher Antibiotika verschrieben, obwohl dies nur bei einer bakteriellen Infektion eine sinnvolle Lösung ist. Die Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin (GAMED) geht davon aus, dass bei 80 Prozent der Fälle Antibiotika verschrieben wird, obwohl nur 5 bis 10 Prozent der Erkältungen tatsächlich von Bakterien ausgelöst werden. Um Erkältungssymptome zu behandeln gibt es aber Alternativen: Zum Beispiel aus der Phytotherapie und der medizinischen Aromatherapie.

In Österreich behandeln die meisten Menschen ihre Erkältung selbst. 38,2 Prozent fragen zumindest ihren Apotheker oder ihre Apothekerin um Rat und kaufen ein nicht verschreibungspflichtiges Medikament, während 35,1 Prozent zum Hausarzt oder zur Hausärztin gehen. Beim Pressegespräch im Wiener Billrothhaus sprachen drei Experten darüber, welche Methoden zur Symptombekämpfung bei Erkältungskrankheiten zur Anwendung kommen.

Salutogenese und Verbündete im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen

Dr. Gerhard Hubmann, Vizepräsident der GAMED: Unter dem Begriff Salutogenese versteht man die Erhaltung der Gesundheit. Dabei spielt das Immunsystem eine entscheidende Rolle. Dieses kann insbesondere durch einen gesunden Lebensstil, aber auch durch gewisse Nahrungsergänzungsmittel und Pflanzeninhaltsstoffe gestärkt werden. Dadurch wird der Körper deutlich widerstandsfähiger gegenüber Krankheitserregern, womit der Bedarf an Antibiotika maßgeblich reduziert wird.

1. Fieber ist wichtig für das Immunsystem:

Einen wichtigen Beitrag leistet auch das Fieber. Das soll insbesondere bei chronischen Krankheiten nicht zu hoch steigen, bei gesunden Menschen ist jedoch eine frühzeitige Fiebersenkung bei "banalen“ Infektionen kontraproduktiv und der so oft verbreitete Werbeslogan "Senkt Fieber und stärkt das Immunsystem“ ist grundsätzlich falsch, da Fieber das Immunsystem stärkt. Menschen, die bei Infekten kein oder nur geringes Fieber entwickeln, können ihre Körpertemperatur auch durch ein heißes Bad, Sauna oder Dampfbad erhöhen und sich damit ins Schwitzen bringen. Auf das Immunsystem wirken sich weitere Lebensstil-Maßnahmen positiv aus:

  • gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen und Spurenelementen (v.a. Zink), am besten mit einem stärkenden Frühstück und einer warmen Mahlzeit pro Tag
  • regelmäßige Bewegung im Freien und an der frischen Luft
  • Stressabbau durch regelmäßige Entspannung und Erholung
  • ausreichend Schlaf möglichst auch vor Mitternacht, insbesondere im Herbst
  • Wichtig ist auch, den körpereigenen Biorhythmus zu unterstützen, indem man eine gewisse Regelmäßigkeit in die Tagesabläufe
    bringt, beispielsweise was Mahlzeiten oder Schlafverhalten betrifft
  • Zur Prophylaxe können auch Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden

Durch die Stärkung von Selbstregulation und Immunsystem wird der Körper bei den meisten Menschen so widerstandsfähig, dass ein Einsatz von Antibiotika nur noch in Ausnahmefällen etwa bei extrem hohem Fieber, eitrigen Erkrankungen oder Sepsisgefahr erforderlich ist.

2. Die medizinische Aromatherapie

Dr. Wolfgang Steflitsch, Facharzt für Lungenheilkunde: Bei Erkrankungen der Atemwege insbesondere Infektionen kann die
medizinische Aromatherapie vielfältige positive Effekte entfalten, wie zahlreiche seriöse Studien belegen. Das Wirkspektrum ausgewählter ätherischer Öle reicht von Durchblutungsförderung über Entzündungshemmung und Schmerzlinderung bis hin zu antimikrobiellen Eigenschaften. Besonders hervorzuheben ist dabei die ausgezeichnete Wirkung gegen Viren.

»In der medizinischen Aromatherapie kommen hochwertige, zu 100 Prozent natürliche ätherische Öle zum Einsatz.«

Bevorzugt werden ätherische Öle von Nadelhölzern verwendet, z.B. Latschenkiefer, Weißtanne, Atlaszeder, aber auch Cajeput, Thymian, Oregano, Myrte oder Eukalyptus. Zahlreiche Studien belegen die positiven Effekte: Neben Durchblutungsförderung und Entzündungshemmung
sind eine regenerierende Wirkung auf geschädigte Schleimhaut, eine Erleichterung von Husten bzw. ein leichteres Abhusten von Sekret nachgewiesen.Darüber hinaus wirken sie effektiv gegen Viren, aber auch Bakterien, Pilze und andere Krankheitserreger. Wichtig ist in jedem Fall, auf eine gut verträgliche Dosierung und Anwendung zu achten, insbesondere um Reizungen zu verhindern.

3. Infektabwehr und Symptombehandlung mit der Kraft der Pflanzen

Prim. Univ. Prof. Dr. Karl Zwiauer, Facharzt für Kinder und Jugendheilkunde: Pflanzenheilmittel sind sowohl zur Prävention als auch zur Therapie in vielen Fällen sehr gut geeignet. Sie können die Infektanfälligkeit und Krankheitsschwere reduzieren und so auch den Bedarf an Antibiotika senken. Aus der alten europäischen Tradition, die durch moderne Forschungsergebnisse teilweise bestätigt wird, wissen wir, dass sich eine Reihe von Pflanzen über Jahrhunderte in der Behandlung von Atemwegsinfektionen bewährt hat. Dazu gehören u.a. Efeu, der entzündungshemmende und krampflösende Effekte besitzt und die Schleimviskosität senkt, Thymian mit seinen antiviralen, antibakteriellen,
entzündungshemmenden und bronchospasmolytischen Wirkungen sowie Spitzwegerich, Eibisch, Primel oder Enzian. Der Effekt beruht auf dem Mischwirkungscharakter. Das bedeutet, dass verschiedene Inhaltsstoffe einer Pflanze zusammenwirken.

Hier sind ätherische Öle und Tees erhältlich (einfach auf das Bild klicken):