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Antibiotikaresistente Keime in fast jedem günstigen Hühnerfleisch entdeckt

Da vergeht einem doch ziemlich der Appetit auf ein leckeres Backhendl! Eine aktuelle Analyse von Hühnerfleisch in Supermärkten in bringt besorgniserregende Ergebnisse: Mehr als jede zweite Probe des getesteten Billig-Hühnerfleischs ist mit antibiotikaresistenten Keimen kontaminiert.

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Antibiotikaresistente Keime in fast jedem günstigen Hühnerfleisch entdeckt
© iStockphoto.com

Genauer gesagt ist das Fleisch aus Discountern zu 56 Prozent mit Keimen kontaminiert, die resistent gegen das so wichtige Medikament Antibiotika sind. Infizieren wir Menschen uns also mit diesen Krankheitserregern, dann würde uns das lebensrettende Medikament nicht mehr helfen können.
Zudem ist mehr als jedes dritte Hähnchen mit Keimen belastet, die Resistenzen gegen Reserveantibiotika aufweisen. Das ergab eine Stichprobenuntersuchung im Auftrag der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Germanwatch in Deutschland.

Antibiotikaresistente Keime im Fleisch in Österreich

Es gibt zwar derzeit in Österreich keine Studien über antibiotikaresistente Keime auf Fleisch, aber die Agentur für Ernährungssicherheit (Ages) zieht regelmäßig Stichproben in Schlachthöfen und untersucht die Bakterien im Darm der Tiere. Je nach Antibiotikum und Bakterienart zeigt sich, dass bei Hühnern 26 bis 73 Prozent der Keime resistent sind.

Nicht nur bei Hühnerfleisch - dasselbe Problem gibt es auch bei anderen Tieren. Bei Schweinen liegt der Anteil von resistenten Keimen laut Ages bei 17 bis 59 Prozent, bei Rindern zwischen zwei und 39 Prozent.

Welche Gefahren birgt das für die Gesundheit der Menschen? Antibiotikaresistente Bakterien lassen sich durch diese Wirkstoffe nicht mehr bekämpfen. Bei Infektionen mit multiresistenten Keimen gehen der Medizin immer mehr die Waffen aus, die Forschung kommt mit der Entwicklung neuer Wirkstoffe nicht nach.

Was ist eine Antibiotika-Resistenz?

Das Medikament wird in einer bestimmten, zumutbaren Konzentration dosiert. Es soll ja den Krankheitserreger bekämpfen, aber nicht dem Menschen schaden. Wenn die für PatientInnen zulässige Konzentration nicht mehr greift, spricht man von Resistenz.

Warum entsteht eine Antibiotika-Resistenz?

Erstens durch Antibiotikaeinnahme. Jedes Mal, wenn man Antibiotika einnimmt, kommt ein in mir lebender Keim damit in Berührung. Irgendwann lernt er, das zu tolerieren. Macht er dann einmal Probleme, wirken die gängigen Rezepturen nicht mehr. Die zweite Möglichkeit ist die spontane Mutation. Ein Erreger wird durch eine grundlose Veränderung im Erbgut resistent. Er bekommt so einen Vorsprung gegenüber anderen Keimen und kann sich ausbreiten. Das passiert meist in Krankenhäusern mit schlechten Hygienestandards oder in Gegenden, wo es wenig oder keine Antibiotika gibt. Die dritte Entstehungsart kommt in der Landwirtschaft vor, durch massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht

Dort wird das Medikament in großen Mengen ins Wasser oder Futter gegeben, die Tiere nehmen es auf, ein Keim wird resistent. Liegt dann zum Beispiel ein belastetes Huhn in deiner Küche, kann er auf den Menschen übergehen. Denn das Huhn wird zwar erhitzt, aber der daneben liegende Salat nicht. Von dort wandern die Keime dann in den Darm. Solange man gesund ist, ist das kein Problem. Aber wenn man krank wird, eine Blinddarminfektion bekommen, eine Entzündung der Gallengänge oder sogar eine ganz banale Blasenentzündung, greifen herkömmliche Medikamente nicht mehr.