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Psychologie der Anziehungskraft: So mag dich jeder!

Wie man den sozialen IQ steigert und mit (fast) jedem auskommt, erklärt das neue Buch von Verhaltensforscherin Vanessa Van Edwards. Hier ihre wichtigsten Tools.

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psychologie der anziehungskraft
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Da war doch die eine Beneidenswerte in der Klasse. Everybody 's Darling. Jeder wollte in der Pause ihre Geschichten hören, beim Ballspielen wurde sie immer als Erste in die Mannschaft gewählt, und nach der Schule riss man sich darum, ihr Mathe beibringen zu dürfen. Sie war einfach beliebt. Und genau das wollen wir eigentlich alle sein. Egal in welchem Alter. Beliebte Menschen sind ja nachweislich optimistischer, fröhlicher und glücklicher. Aber was macht sie aus? "Forscher von der Columbia University stellten fest, dass Beliebtheit nicht mit körperlicher Schönheit, Sportlichkeit, Intelligenz oder Humor zusammenhängt, sondern mit bestimmten Mustern im Gehirn", weiß Vanessa Van Edwards.

Die renommierte Verhaltensexpertin aus Los Angeles hat es nämlich nach jahrelanger Forschung geschafft, die geheimen Codes des menschlichen Verhaltens zu entschlüsseln. In ihrem Buch "Die Psychologie der Anziehungskraft" gibt sie eine Gebrauchsanweisung zum Umgang mit anderen, sagt, wie man die eigene soziale Kompetenz steigert, und verspricht: "Das wird Ihr Leben verändern!" Beruflich und privat. "Denn Sie gehen selbstbewusster in soziale Interaktionen, können diese besser steuern und haben mehr Charisma!"

In ihrem Buch "Psychologie der Anziehungskraft" (mvg, € 20,60) erläutert Verhaltensforscherin Vanessa Van Edwards Feinheiten der menschlichen Mimik und Gestik.

Okay, wir waren bei den Mustern im Gehirn und dem, was die Wissenschaft dazu weiß: Populäre Menschen sind deshalb beliebt, weil sie ein feines Gespür für soziale Signale haben, sich auch besser in Gedanken und Emotionen ihrer Mitmenschen einfühlen können. Erhöhte soziale Einstimmung nennt man das. "Wir mögen Menschen, die uns mögen", schreibt Edwards. "Wir spüren das Bedürfnis, die Freundlichkeit der anderen zu erwidern. Wenn uns jemand anlächelt, lächeln wir zurück. Wenn jemand uns Fragen stellt, haben wir den Drang, ebenfalls Fragen zu stellen, und wenn uns jemand Verletzlichkeit eingesteht, möchten wir auch von unserer Verletzlichkeit erzählen. Reziprozitätseffekt nennt man das." Und auf diesem beruhen so ziemlich alle Strategien im richtigen Umgang mit Menschen.

"Wir alle sehnen uns danach", so die Verhaltensforscherin, "verstanden zu werden. Wir möchten das Gefühl haben, jemand stünde auf unserer Seite, eine Gruppe wolle uns als Mitglied. Einstimmung heißt, Menschen genau dieses Gefühl zu geben. Das ist eine der am wenigsten genutzten sozialen Fähigkeiten!" Aber man kann ja alles lernen -und den Reziprozitätseffekt setzen wir am besten gleich mal ein. Sagen Sie Dinge wie: "Ich bin ja so froh, dass du angerufen, dass du mir gemailt hast". Oder: "Ich genieße es, Zeit mit dir zu verbringen". Oder auch: "Wollen Sie sich nicht neben mich setzen?" Und am Ende einer Zusammenkunft: "Danke für Ihre Zeit!""Aber Sie müssen es aufrichtig meinen", verdeutlicht die Wissenschafterin. "Ein falsches Lächeln etwa wird gleich erkannt."

Etwas vorzuspielen, bringt gar nichts: Unaufrichtigkeit nervt uns am meisten bei anderen. Ehrliche, glückliche Menschen machen uns glücklich!

Mit einem falschen, aufgesetzten Lächeln sollte man sich nicht den ersten Eindruck versauen, den man macht. Denn innerhalb von Sekunden wird entschieden, ob man das Gegenüber mag und ihm vertraut. Und es geht ja vielleicht um einen spannenden Job, einen möglichen neuen Partner oder einen interessanten Kollegen. Wichtig sind hier, laut der Forscherin, unter anderem drei Dinge: Gestik, Haltung und Blickkontakt. Viel Gestikulieren kommt gut, weil es unsere Absichten unterstreicht. Und wir zeigen dabei die Hände her. Das ist wichtig! Der Höhlenmensch schaute bei einem Fremden immer zuerst auf die Hände. Es konnte ja ein Speer oder ein Stein darin sein. Also Hände raus aus den Hosentaschen, auch nicht unter Tischplatten oder hinter Laptops verstecken. Unser zweiter Check will ausloten: Bist du ein Gewinner oder ein Verlierer? Wir wollen Siegertypen in der Mannschaft haben, mit Siegern assoziiert werden. Signalisieren Sie daher Selbstbewusstsein mit der richtigen Haltung. Und drittens wollen wir die Antwort auf die Frage: Verbündeter oder Gegner?

Hier kommt Blickkontakt ins Spiel. Wir sehen diesen erstens als Zeichen guten Willens, zweitens wird dabei Oxytocin ausgeschüttet. Das wunderbare Nähehormon. Circa 60 Prozent der Zeit sollte man Blickkontakt halten. "Vermitteln Sie Ihrem Gegenüber nonverbal: Du kannst mir vertrauen, ich bin ein Sieger, will dir helfen!", fasst Van Edwards zusammen und: "Lassen Sie den Namen des anderen ins Gespräch einfließen, jeder liebt den Klang des eigenen Namens!"

"Wir erinnern uns an Menschen, die machen, dass wir uns wohl in unserer Haut fühlen", so die Verhaltensforscherin. "Erhöhen Sie andere, indem Sie ihnen zuhören und deren Vorzüge herausstreichen." Etwa so: "Sie kennen ja Gott und die Welt, Sie müssen ein großartiger Netzwerker sein." "Ich bin beeindruckt, wie Sie sich für Ihr Unternehmen reinknien. Es hat Glück, Sie zu haben!""Sie kennen sich ja wahnsinnig gut aus, Gott sei Dank sind Sie hier!" Van Edwards: "Versuchen Sie nicht, andere Menschen zu beeindrucken, erlauben Sie ihnen, Sie zu beeindrucken!"

Die Suche nach Gemeinsamkeiten.

Und wenn Sie im Gespräch jetzt auch noch nach Gemeinsamkeiten suchen, ist Ihre sympathische Wirkung kaum mehr zu stoppen. Vergessen Sie das Sprichwort: Gegensätze ziehen sich an. Was wirklich zählt, ist: Gleich und Gleich gesellt sich gern! "Wir halten ständig Ausschau nach anderen, die uns ähneln", so Van Edwards. "Facebook-Likes, Instagram-Herzen oder Twitter-Retweets sind alle ein digitaler Ausdruck des Ähnlichkeits-Anziehungseffekts. Mit ihnen sagen wir den Urhebern: Mir gefällt das auch. Genau deswegen checken wir ja ständig unsere sozialen Netzwerke -wir möchten uns vergewissern, dass Freunde und Follower uns mögen und wie wir ticken." Während guter Gespräche würde man Sätze wie:"Wow, dir gefällt 'Orange is the new Black'? Ich bin ganz süchtig danach!" hören. Andererseits begingen viele Menschen in gerade erst auf keimenden Beziehungen "den fürchterlichen Fehler", Unterschiede zu betonen: "Ich nicht!" würgt alles gleich ab. "Hm, ich kann 'Orange is the new Black' nichts abgewinnen. Ich finde es ziemlich langweilig" oder "Sport? Nein, danke! Ich lese lieber ein Buch!" Das heißt nicht, so die Autorin, "dass Sie allem beipflichten müssen, was der andere sagt. Aber Sie müssen sich schon Mühe geben, echte Gemeinsamkeiten und gemeinsame Interessen aufzuspüren."

Manchmal, tja, da scheint aber jeder gute Wille vergebens. Manche Menschen gehen uns einfach auf den Hammer. "Haben Sie sich je gewünscht, Ihr Kollege wäre besser organisiert? Je probiert, Ihren Partner von der Stubenhockerei zu kurieren? Haben Sie je einen Freund zu beschwichtigen versucht, der sich ständig Sorgen macht? Das funktioniert nie", weiß Van Edwards. Denn 35 bis 50 Prozent unserer Persönlichkeit sind genetisch vorbestimmt. Unsere Erziehung, ein weiterer Faktor, auf den wir keinen Einfluss hatten, prägt uns ebenfalls erheblich. Die Natur des Menschen lässt sich, so die Expertin, nicht ändern. Wir haben also nur die Möglichkeit, Verhalten zu entschlüsseln und bestmöglich zu reagieren.

Die Psychologie kennt das Modell OCEAN, demzufolge es fünf Wesenszüge der Persönlichkeit gibt. In der deutschen Übersetzung: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Jeder Mensch hat in jeder Dimension einen hohen oder einen niedrigen Wert. Offenheit beschreibt, wie neugierig, kreativ und aufgeschlossen gegenüber neuen Ideen Sie sind, wie sehr Sie Vielfalt und Originalität schätzen. Gewissenhaftigkeit steht für die Art, an Aufgaben heranzugehen, wie verlässlich, ordentlich und diszipliniert Sie arbeiten. Unter Extraversion versteht man, wie Sie mit anderen umgehen. Empfinden Sie soziale Kontakte als belebend oder anstrengend? Das wirkt sich auch auf Ihren Optimismus, Ihre Gesprächigkeit aus. Der Wesenszug Verträglichkeit beschreibt Ihr interpersonelles Verhalten. Arbeiten Sie gern mit anderen zusammen? Empfinden Sie Empathie? Vergeben Sie rasch? Achten Sie darauf, wie andere sich fühlen? Und Neurotizismus lotet aus, wie Sie mit negativen Gefühlen umgehen und wie stark Sie emotional auf Ihre Umwelt reagieren. Ob Sie sich häufig Sorgen machen und ob Ihre Stimmung gelegentlich stark schwankt. Versuchen Sie, so Van Edwards, sich anhand dieser fünf Faktoren selber einzuschätzen. Dann erstellen Sie jeweils eine Matrix für Ihnen wichtige Menschen (Anleitung im Buch). Klar ist, dass verschieden gepolte Leute, die alles nur aus ihrer Perspektive sehen, schwer einen Draht zueinander finden. Auf Van Edwards' Website, auf der es einiges an digitalem Bonus-Material gibt, finden Sie auch einen Persönlichkeitstest.

Wenn man eine andere Sprache spricht.

Wir Menschen sprechen -das auch noch!-verschiedene Sprachen der Liebe und Wertschätzung. Sie haben bestimmt schon in eigenen Beziehungen erlebt, dass Sie etwa Ihre Liebe durch Liebeserklärungen und liebe Worte ausdrücken, er aber, indem er etwas für Sie tut. Etwas Handwerkliches zum Beispiel. Weiß man nichts von den "Fünf Sprachen der Liebe", die US-Psychologe Dr. Gary Chapman aufstellte, kommt es leichter zu Missverständnissen. Sie fühlt sich missachtet, weil er nicht "Ich hab dich so vermisst" sagt. Und er, weil sie nicht anzuerkennen scheint, dass er gekocht und Besorgungen erledigt hat. Die fünf Sprachen sind: Anerkennende Worte, Geschenke, Gefälligkeiten, Berührungen, Zweisamkeit. Lässt sich auch ins Berufsleben übertragen. Der eine Mitarbeiter drückt Wertschätzung am liebsten durch E-Mails mit positivem Feedback aus, der andere bringt Souvenirs fürs Büro mit, der Dritte ist bereit, jede Office-Party zu organisieren, der Vierte schüttelt gern Hände oder tätschelt Arme. Spricht einer die Sprache "Zweisamkeit", möchte er vielleicht gemeinsam etwas essen oder trinken gehen. Immer, wenn Sie fremde Entscheidungen nicht kapieren, wenn sich auch geliebte Menschen oft unvorhersehbar verhalten, dann deshalb, weil Ihnen andere Werte wichtig sind. Versuchen Sie herauszufinden, welche.

Jetzt kommen wir noch zu einem echten Beziehungskiller: der Perfektion -die laut der Verhaltensforscherin ein "merkwürdiges Ding" ist, denn: "Wir selbst bemühen uns um Perfektion, damit andere uns mögen, mögen aber selbst keine Leute, die allzu perfekt wirken. Das Streben nach Perfektion steht uns nicht nur dabei im Weg, echte Verbindungen zu Menschen aufzubauen, es macht uns auch unattraktiv." Zeigen Sie daher doch mal Schwäche. Zugeben, dass man unrecht hatte, zugeben, dass man die Band nicht kennt, um Vergebung bitten, "ich weiß nicht" sagen. Fehler wirken, wissenschaftlich nachgewiesen, anziehend, Verletzlichkeit wirkt sexy. "Sie zeigt, dass wir nahbar, ehrlich und echt sind." Zögern Sie also nicht, betont die Expertin, Verletzlichkeit und Schwäche einzugestehen. Fragen Sie andere um Rat und Unterstützung. "Wir reagieren oft ablehnend, wenn jemand ungefragt Ratschläge erteilt. Dabei ist das eine Gelegenheit für eine Beziehung. Zeigen Sie sich dankbar, fühlt sich Ihr Gegenüber bestätigt, nützlich und angenommen." Tatsache ist, wenn mir jemand einen Gefallen tut, mag er mich danach lieber. Probieren Sie's aus!

Jeder hat so seine Gremlins.

Zum Schluss noch mal ganz ehrlich: Wovor fürchten Sie sich im Umgang mit Menschen am meisten? Wir alle, so Van Edwards, haben unsere Ängste, unsere Gremlins, die sich dann irgendwie verkleiden. "Ich fürchte vor allem", so die Autorin, "dass Leute mich dafür ablehnen, wie ich bin. Meine Angst verkleidet sich als Unbeholfenheit. In sozialen Stresssituationen verkrampfe ich mich total, reiße beleidigende Witze und plappere zwanghaft. Und was passiert dann? Genau das, wovor ich mich am meisten fürchte. Die anderen halten mich für seltsam und schließen mich aus." Menschen fürchten, verurteilt oder nicht gemocht, ausgeschlossen oder ausgelacht zu werden, die Kontrolle zu verlieren und vieles mehr. Aus Angst kann ein Mensch herrisch auftreten oder es allen recht machen wollen, er kann andere meiden oder langweilen, sich bedürftig, egoistisch oder auch kontrollsüchtig verhalten. Wenn Sie die Angst hinter dem Verhalten (auch dem eigenen) benennen können, funktioniert 's auch mit schwierigen Leuten besser, weiß Van Edwards. "Allerdings gibt es Menschen, in denen die Angst so tief steckt, dass es unmöglich ist, mit ihnen auszukommen. Ich nenne sie toxisch." Sie verletzten Grenzen, untergraben das Selbstwertgefühl anderer. Hände weg, rät die Verhaltensforscherin. Schenken Sie Ihre Empathie lieber den vielen, die es verdienen. "Helfen wir anderen, dass sie sich so akzeptiert fühlen, wie sie sind. Das ist das größte Geschenk, das wir einem Menschen machen können."

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