Ressort
Du befindest dich hier:

Arabella Kiesbauer im WOMAN-Interview
über Job, ihr Familienleben und Alltag

20 Jahre lang war die Talkqueen ein top-bezahlter Workaholic. Seit sie Mutter ist, pfeift sie auf Karriere und Ego-Befriedigung. WOMAN zeigten sie und Ehemann Florens Eblinger ihr größtes Glück: Tochter Nika und deren Babybruder Neo!


  • Bild 1 von 10 © WOMAN
  • Bild 2 von 10 © WOMAN

Noch nie hat Arabella Kiesbauer, 42, mehr gestrahlt als jetzt. Zwei Jahrzehnte lang war sie DAS Fernsehgesicht für quotenstarke
Nachmittags-und Abendshows – und nun ist sie hauptberuflich Mutter. Bewusst. Und mit ganzem Herzen. „Ich habe früher bis zum Anschlag gearbeitet und mehr Zeit auf Flughäfen verbracht als zuhause. Was nutzt einem der ganze Erfolg und das Geld, wenn man keine Zeit mehr für Familie, Freunde, Hobbies und die Erfüllung seiner privaten Träume hat?!“, sagt Kiesbauer und zieht Baby Neo, 8 Mon., und Tochter Nika, 3, zärtlich an ihre Brust. Mit Ehemann und Unternehmer Florens Eblinger hat die Wienerin mit den afrikanischen Wurzeln den idealen Partner gefunden, mit dem sie ihre innigsten Wünsche verwirklichen konnte: „Ich bin so dankbar, dass mir das Leben diese zwei Kinder geschenkt hat...“

WOMAN: Wie war Neos Geburt vor acht Monaten?

Arabella: Wie aus dem Bilderbuch - eben noch im Gespräch und plötzlich war er schon da! Wir waren am Tag der Geburt, dem 19. Dezember, am Vormittag noch rodeln und stapften mitNika durch den Schnee. Mittags schlief die Kleine dann und wir wollten etwas essen. Im Moment, wo ich mich mit dem Teller hinsetzte, spürte ich die ersten Wehen. Für die Fahrt ins Krankenhaus haben wir bis 19 Uhr zugewartet - schließlich gab es abends mein Leibgericht, Kalbsbraten, und das wollte ich unbedingt noch zuhause essen. Doch danach ging es los. Drei Stunden späterhatten wir Neo im Arm.

Florens: Es war wieder ein Sonntag und wir waren sehr gelassen, denn wir konnten uns auf das gleiche medizinische Team von Nikas Geburt verlassen - unser Arzt und unserer Hebamme Michaela, mit denen wir stets im Kontakt blieben. Insofern wussten wir: DieGeburt wird sicherlich wieder ganz problemlos.

Arabella: Michi ist eine entzückende Person, fürsorglich und
mütterlich, was mir als Gebährende sehr half. Sie hat sogar ihre
Amerikareise so getimt, dass sie bei Neos Geburt dabei sein kann. Wir
haben so dahingeplaudert, als sie plötzlich meinte: Jetzt solltest dich besser hinlegen - da kommt schon das Köpfchen! Unser Arzt wollte gleich in zehn Minuten da sein, doch er verpasste die Geburt um 2 Minuten. Neo war klein und zart, aber gesund. Und er gedeiht prächtig.

WOMAN: Wie läuft nun der Alltag zwei Kindern? Doppelt Stress und Sorgen?

Arabella: Es ist zwar laut bei uns zuhause - aber es ist einfacher,
weil das Sich-finden als Mutter oder Vater wegfällt. Nika ist schon sehr selbständig für ihr Alter und auch eine Unterstützung. Sie füttert Neo und unterhält ihn bestens. Wenn ich sage: „Schatzi, ich komme gleich, schau kurz auf deinen Bruder“, dann unterhält sie ihn, herzt ihn und das liebt Neo heiß!

Florens: Am Anfang hat sie ihn auch ganz selbstverständlich genommen und herumgetragen. Wir ließen das gern zu, denn es war uns lieber, dass sie gleich Verantwortungübernimmt, als dass sie eifersüchtig wird. Sie war von Beginn an die große, stolze Schwester und hat von Anfang an ihre Besitzansprüche geltend gemacht: für sie war Neo fast mehr ihr Bruder, als unser Kind!

WOMAN: Die beiden ähneln sich optisch total. Auch vom Temperament?

Florens: Stimmt. Neo ist wie Nikas Abziehbild. Doch er ist viel sensibler als sie war. Nika war als Baby von Ruhe oder klassischer Musik umgeben. Ruhe hat er nicht: er hat eine große Schwester (lacht) ! Um ihn ist immer Lärm, weil Nika herumwirbelt und ihn gleich in der Früh mit ihrer Liebe zuschüttet.

WOMAN: Managen Sie immer noch alles ohne Kindermädchen?

Arabella: Ja, aber mit Hilfe meiner Mama, die schon vor Nikas Geburt extra aus Deutschland ganz in unsere Nähe zog. Sie ist unter der Woche jeden Tag einige Stunden bei uns und spielt mich ein bisschen frei. Sie liebt ihre Enkerln über alles und geht darin echt auf.

Florens: Bei meinen Eltern müssen wir uns dagegen wegen Babysitten rechtzeitig anmelden. Sie genießen mehr ihr eigenes Leben, Konzerte, Museen, Ausflüge und natürlich Golf. Aber es passt ja auch meine 17jährige Nichte Anna ab und zu auf, oder unsere liebe Freundin Kim.

WOMAN: Arabella, sind Sie enttäuscht, dass auch Neo wieder nicht nach Ihnen schlägt?

Arabella: Bei Nika war ich es, weil ich dachte, die dunklen Gene sind stärker. Bei Neo hab ich mich damit abgefunden, dass die Kinder meinem Mann ähneln (lacht) . Wobei: wenn ich Neos Haare, Lippen und Nase so betrachte, dann sehe ich noch Potenzial!

Florens: Reden wir uns das mal ein (lacht) !

WOMAN: Basteln Sie weiter, bis ein dunkles Baby kommt?

Arabella: Drei oder vier Kinder wären natürlich toll! Und sehr gern, wenn ich jünger wäre. Aber man soll es nicht ausreizen. Jetzt sind wir komplett.

WOMAN: Geben Sie Ihren Kindern auch etwas von der afrikanischen Kultur mit?

Arabella: Nika weiß, auch wenn sie ihn nie kennenlernte, von Opa Afrika, meinem verstorbenen Vater. In der Wohnung gibt es afrikanische Masken und Bücher zum Thema „Wir entdecken die Welt“ und dass man am Globus sehen kann, wo seine Heimat, Ghana, liegt. Und sie weiß, dass sie die schöne Karamell-Haut von der Mami hat – aber auch vom Opa Afrika.

WOMAN: Wie wichtig sind fixe Rituale?

Florens: wichtig für die Kinder - wir haben fixe Schlafzeiten und einen klaren Ablauf am Abend. Neo schätzt den Rhythmus sehr, auch wenn die große Schwester nicht immer pünktlich ins Bett will und mitunter verzögert. Wahre Wunder wirkt aber der vertraute Geruch, den beide seit der Geburt kennen...

Arabella: Dabei handelt es sich um ein ätherisches Öl, das „Gentle
Baby“ heißt, also entspanntes Baby. Das tropfen wir auf eine Stoffwindel und die Kinder sind selig. Ich rieb damit schon während der Schwangerschaften meinen Bauch ein. Diesen feinstoffliche Geruch hat uns unsere Hebamme empfohlen, wurde unser ständiger Begleiter und so schlafen die Kinder auch an fremden Orten gut ein. Denn sohaben sie den vertrauten Geruch, der ihnen Sicherheit gibt.

Florens: Wir schlafen nämlich in der Woche mitunter an drei verschiedenen Orten. Unser Leben spielt sich zwischen unserer Wohnung in Wien, unserem Haus in Seebenstein und Baden ab, wo beide Großeltern ein Domizil an einem See haben. Im Sommer sind wir viel draußen. Ich pendle dann nach Wien ins Büro, während die Kinder am See, oder im Garten spielen können.

WOMAN: Haben Nika und Neo ein gemeinsames Kinderzimmer?

Florens: Ja. Aber gespielt wird meist im Wohnzimmer, somit geht es nur ums Schlafen. Und selbst wenn Neo in der Nacht mal weint, schläft Nika brav weiter. Solange das so gut funktioniert, wollen wir das so beibehalten.

WOMAN: Sie sind Geschäftsführer einer Personalberatung. Wie viel Zeit bleibt Ihnen für die Kinder?

Florens: Familie hat für mich oberste Priorität. Ich versuche Nika, so oft es möglich ist, in den Kindergarten zu bringen, wo sie Arabella nach dem Mittagessen abholt. Dann schickt Nika ihre Mama aber wieder heim, weil sie noch mitten im spielen ist und erst drei Stunden später abgeholt werden will. Ich versuche möglichst Tages-Randtermine im Büro zu vermeiden und achte darauf, dass ich möglichst zeitgerecht zuhause bin, um gemeinsam Abend zu essen und die zwei ins Bett zu bringen.

WOMAN: Auch wenn es hart klingt: welche „Opfer“ muss man bringen für so ein intaktes Familienleben?

Florens: Von Opfer kann man beim besten Willen nicht sprechen. Vor fünf Jahren sagten wir zwar: „Wenn wir keine Kinder haben, wäre es auch nicht so schlimm“. Aber dass wir diese Aussage mal getroffen haben, scheint uns heute so was von absurd. Wir können uns das Leben ohne die beiden nicht mehr vorstellen. Klar ändert sich das Leben und man stimmt sein Programm auf die Kinder ab. Wir wollen am Wochenende auch nicht mehr bis in der Früh Party machen. Ein Jahrmarkt in Kitzbühel oder ein Ausseer Kirtag sieht halt für uns nun so aus, dass wir früher hingehen und nur bis 20.30 Uhr bleiben. Dann sind wir froh, wieder zuhause zu sein, die Kinder im Bett zu wissen und am Sofa zu entspannen...

WOMAN: Haben Sie beide lang an den Babys gebastelt?

Florens: Ja, speziell Nika hat sich lange Zeit gelassen. Das ist übrigens ein Thema, das selbst im Freundeskreis leider oft totgeschwiegen wird. Wenn’s nicht gleich klappt wird der Kinderwunsch meist runtergespielt. Niemand redet darüber oder geht zum Arzt, um zu checken, ob man überhaupt Kinder kriegen kann? Man sollte offener darüber reden, sich Tipps holen - mit Freunden aber auch die Partner untereinander. Oft sagen Männer nicht, dass sie sich wünschen, Vater zu sein, weil sie ihre Lebensgefährtin nicht unter Druck setzen wollen. Und die Frauen thematisieren es nicht, weil sie vielleicht Angst vor einer Enttäuschung haben. Und plötzlich sind Jahre vergangen – und dann es ist womöglich zu spät!

Arabella: Ich ging, bevor ich erstmals schwanger wurde, auf ein Meditations-Retreat nach Spanien. Dort wurde eine Woche nur meditiert und wir machten viel Körperarbeit in kleinen Gruppen. Ich wollte mich bewusst mit unserem Kinderwunsch auseinandersetzen - und auch, was es bedeutet, wenn ich keine Kinder kriege? Wie würde mein Leben dann aussehen und welche Auswirkungen hätte das für unsere Ehe? Da ging der Knoten auf und zwei Monate später war ich schwanger.

WOMAN: Pfeifen Sie aus Dankbarkeit, dass Sie nun doch Mutter wurden, auf Ihre Karriere?

Arabella: Es gibt Frauen, die das Kinderthema wie auf einer To-Do-Liste abhaken und einen Monat nach der Entbindung wieder zurück in den Job hetzen. So wollte ich nie sein. Als ich sehr jung war, wollte ich immer bis 30 arbeiten und dann aufhören. Ich begann ja schon mit 18. beim Fernsehen, und war mit 30 grad am Höhepunkt meiner Karriere. Nach 20 Jahren TV war es dann genug – und das hatte mit meinem Kinderwunsch nur peripher zu tun. Der reine Akt des Moderierens macht mir bis heute Spaß, aber das Rundherum, das System, der Quotendruck, die Formate störte mich schon lange. Ich hatte es wirklich übertrieben, powerte mich regelrecht aus. Das nahm mir den Spaß! Es ist nicht lustig, wenn man mehr Zeit am Flughafen verbringt, als zuhause, weil ich einfach jeden zweiten Tag in einer anderen Stadt moderierte. Damals arbeitete ich in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

WOMAN: Gab es ein Aha-Erlebnis, bevor Sie umdachten?

Arabella: Ja. Meine Miles-and-more-Abrechnung: da hatte ich den Wahnsinn schwarz auf weiß! Ich hatte ein so schönes Haus in München – doch genießen konnte ich das nie. Ich habe meine Zeit im Studio, in der Maske, bei Proben verbracht. Ich sah keine Freunde mehr, war nur zweimal in der Woche zuhause – immer nur Nachts. Der Kühlschrank war sowieso immer leer. Und in meinem eigenen Haus in München war ich nur zu Gast. Um Mitternacht schlich ich hinein und um sechs Uhr Früh wurde ich vom Chauffeur schon wieder abgeholt und zum Flughafen gebracht. Das war kein Leben, sondern ein Funktionieren! In dem Rad war ich jahrelang gefangen und wusste nicht, wie ich da raus sollte... Eines Tages fiel mir ein:
„Hey, du hast doch ein Klavier zuhause. Aber Jahre lang nicht mehr
gespielt...“ – Ich suchte mir einen Lehrer und begann wieder damit. So
fing ich wieder an zu leben. Ins Theater zu gehen... Und während dieses Prozesses lernte ich Florens kennen. Und ab da habe ich beschlossen, mein Tempo im Job sukzessiv herunterzufahren.

Florens: Ich war offenbar der Wegweiser zurück zur Wiener Gemütlichkeit! (lacht)

Arabella: Ja! Das tut jedem gut. Im Sommer habe ich bewusst drei Wochen lang keine emails gelesen. Dutzende Nachrichten trudelten ein: „Bitte melden Sie sich dringend!“ oder „Sie müssen sofort zurückrufen“. Wegen meiner email-Auszeit habe ich’s nicht gemacht und was war das Resultat? Es war kein einziger Fall dabei, der nach drei Wochen noch gebrannt hätte. Eine unglaubliche Erkenntnis!

WOMAN: Dass Sie jetzt nicht arbeiten müssen, liegt an Ihrem privilegierten finanziellen Background.

Arabella: Ich habe in den 20 Jahren sehr viel geleistet und sehr gut verdient. Das Geld habe ich größtenteils in Immobilien angelegt und bin dadurch in der glücklichen Situation, mir über Geld keine Gedanken machen zu müssen. Auch beruflich muss ich mir nichts mehr beweisen, Bücher schreiben oder sonst etwas tun, um mein Ego zu befriedigen. Ich kann mich ganz auf mein Familienleben konzentrieren. Ich kann sagen: „I’ve seen it, I’ve done it, I’ ve been through!“ Viele Leute, besonders, die auf der Bühne stehen glauben, sie seien nicht ersetzbar. Die denken: „Ich muss das machen, weil die Welt, mein Publikum, meine Fans verlangen nach mir!“ So ein Blödsinn. Wenn ich nicht mehr moderiere, dann übernimmt ein anderer - mal besser und mal schlechter als ich. Das muss man entspannt sehen. Du bist nur eine Projektionsfläche! Joopie Heesters ist das seit über 100 Jahren (lacht) .

WOMAN: Wollen Sie nie wieder Fernsehen machen?

Arabella: Ich habe die Goldenen Zeiten der Privatsender erlebt. Erinnere mich noch, als ich eines Morgens am Parkplatz zufällig Gerhard Kofler, den damaligen Sendungschef von PRO7 traf und ihm von meiner Idee für einen Nachmittagstalk erzählte. Er: „Flieg nach Amerika, schau dir ein ähnliches Format an, trommle ein paar gute Leute zusammen, habt's Spaß und schaut, was dabei rauskommt!" Damals war viel Geld da und es den Verantwortlichen wert, in neue Formate zu investieren. Das braucht’s um kreativ, gut arbeiten und neue Formate machen zu können. Heute wird nur noch kopiert und gespart. Das Ergebnis ist dann dementsprechend - wenig Neues und kaum Aufwendiges.... Somöchte ich kein Fernsehen mehr macht. Dennoch prüfe ich jede Anfrage, denn es könnte ja was Spannendes dabei sein...

Interview: Petra Klikovits