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"Ich war jahrelang arbeitslos"

Konkurs, Krankheit, ein Leben am Existenzminimum Nach über 1000 Bewerbungen und vielen Ups & Downs hat Alleinerzieherin Katalin Majer-Gödri, 40, endlich ihr Jobglück gefunden. Eine Geschichte mit Vorbildwirkung!

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Ich war jahrelang arbeitslos

In einer Kaffeepause hat Katalin Majer- Gödri (r.) WOMAN-Redakteurin Angelika Strobl (l.) von ihrer zermürbenden Jobsuche erzählt.

© ERNST KAINERSTORFER

"Es kam irgendwann mal der Punkt, an dem ich einfach genug hatte. Ich wollte nicht mehr alle paar Monate bei meiner AMS-Betreuerin um einen neuen Job betteln müssen. So auf: Entschuldigung, bin leider schon wieder bei euch. Habt's was für mich?", erinnert sich Katalin Majer-Gödri, 40, an die letzten Jahre.

Über 1000 Bewerbungen in der Gastro- und Hotelleriebranche hat die Alleinerzieherin aus Niederösterreich abgeschickt. "Ab einem gewissen Alter ist es einfach nicht mehr so leicht, wo fix reinzukommen, so ganz ohne Ausbildung!" Und mit einer abgebrochenen "Knödelakademie", wie uns Majer-Gödri in ihrer Kaffeepause erzählt, konnte man bei Firmenchefs auch keine Extrapunkte einsammeln. Genauso wenig wie mit einem Konkurs, vielen Schulden, einer Krebserkrankung und zu vielen Job-Stationen.

Heute aber ist die 40-Jährige endlich happy: Der Krebs ist besiegt, sie ist in ihrem Traumjob "angekommen, um zu bleiben". Im Mai hat sie bei der Firma KFP Austria Five Star Conference Service die Lehre zur Veranstaltungstechnikerin erfolgreich abgeschlossen und wurde sofort als einzige Frau fix ins Team aufgenommen. Jackpot!

LEBEN AM EXISTENZMINIMUM. Der Weg bis zum fertigen Lehrabschluss war für die Mutter einer 20-jährigen Tochter allerdings alles andere als einfach. "Nach der Schule ging ich in die Gastronomie. Das war immer mein Traum. Ich machte mich sogar als Heurigenwirtin selbstständig." Aber der Traum platzte, sie schlitterte in den Konkurs und wurde zur Job-Hopperin. Sie arbeitete im Seniorenheim, als Security, Rezeptionistin, Gärtnerin oder als Pizzalieferantin.

"Es gab kaum Phasen, wo ich neben meiner echten Arbeitssuche nicht mehrere Aushilfs-Geschichten parallel laufen hatte, um mit meiner Tochter überhaupt überleben zu können", erinnert sich die Schwechaterin. "Durch den Konkurs war ich ja hoch verschuldet." Irgendwann einmal konnte sie die Miete ihrer 48 Quadratmeter-Bleibe nicht mehr zahlen und musste sogar ihr Wohnzimmer untervermieten.

"Aber auch das ging vorbei. Genauso wie meine Erkrankung, die ich heute gut im Griff habe." Nach der Diagnose Gebärmutterhalskrebs waren immer wieder aufwändige Behandlungen notwendig gewesen. "Ich lernte jedenfalls, mich auf das Notwendigste zu reduzieren." Kleidung wurde von Freundinnen geerbt, das Essen kam aus dem Gemüsegarten ihrer Mutter. "Ich kann mich noch gut erinnern, wie sehr ich mich in dieser Phase über mehrlagiges, parfümiertes Toilettenpapier freute. Das war für mich ein echter Luxus." Nur: Eine richtige Ausbildung konnte sie mit Ende 30 noch immer nicht vorweisen.

»53% der jobsuchenden Frauen über 40 haben nur einen Pflichtschulabschluss. Je niedriger die Ausbildung, desto schwieriger ist die Jobsuche.«

WEIBLICH, 40, ARBEITSLOS? Je schlechter diese aber ist, desto schwieriger wird die Jobsuche. Das bestätigt auch AMS-Chef Johannes Kopf: "Aktuell haben 53% der arbeitslos vorgemerkten Frauen über 40 nur die Pflichtschule besucht. Ende November waren rund 88.700 Frauen über 40 beim AMS vorgemerkt." Um ihnen wieder eine Chance zu geben, investiert das AMS vor allem in ihre Ausbildung. Auch bei Majer-Gödri war genau dieser Schritt der Schlüssel zum Erfolg. "Ich bekam beim ZIB (Anm: bildet im Auftrag des AMS Jobsuchende aus) einen Folder in die Hand gedrückt. Und als ich das mit der Veranstaltungstechnik-Lehre las, war ich sofort Feuer und Flamme. Gut, ich konnte zwar gerade mal eine Kaffeemaschine bedienen, aber hey, ich stand früher schon mal als Background-Sängerin auf einer Bühne! Das kann ich, war ich überzeugt! Ich mach das!", resümiert sie voller Begeisterung und schnippt dabei mit den Fingern.

ANGEKOMMEN. Als sie sich bei den Veranstaltungsfirmen, die Lehrstellen vergaben, vorstellte, war die Verwirrung groß: "Die dachten anfangs immer, dass ich für mein Kind eine Stelle suche. Darauf sagte ich: Ja, genau. Das Kind ist 37 und steht Ihnen gerade gegenüber. Hallo, darf ich mich vorstellen?" Bei der Firma KFP sprang der Funke dann endlich über: Die resolute Niederösterreicherin überzeugte ihren Boss nach ein paar Probetagen, und bekam die Zusage für einen Ausbildungsplatz zur Veranstaltungstechnikerin.

"Ich wusste sofort: Dort bleib ich. Auch, wenn es bedeutet, dass ich noch weitere zwei Jahre am Existenzminimum leben muss. Aber ich war schon immer eine Kämpferin", erzählt Majer-Gödri, die nach Lehrabschluss in der Firma fix übernommen wurde. Das Sofitel ist ihr Arbeitsplatz am heutigen Tag. Gleich mehrere Hotels betreuen die Angestellte und ihr Team in puncto Technik. Und der sperrige Projektor gehört da genauso dazu wie Licht, Ton und sonstige Multimedia-Technik. "Das alles zu lernen, war wirklich nicht leicht. Kurz vor der Lehrprüfung war ich körperlich und nervlich am Ende. Mir fehlte einfach diese jugendliche Unbefangenheit. So auf: Ach, ich schau einfach mal, was rauskommt. Ich machte mir selber viel Druck, hatte enorme Selbstzweifel und dachte: Wenn ich das jetzt nicht schaffe, werden alle enttäuscht sein. Aber meine Freunde unterstützten mich sehr, die zweifelten keinen Moment an meinen Fähigkeiten. Auch meine Kollegen waren eine gute Stütze. Die trauten mir mehr zu als ich mir selbst," sagt sie und schraubt an einem Videobeamer herum.

HAPPY MONDAYS. Heute steht die Durchstarterin auch an Montagen gern auf, sie liebt ihren Job. Der dunkelblaue Anzug mit der bunten Krawatte - ihr Arbeitsoutfit - steht der Technikerin gut. "Eines können Sie mir glauben: Ich kenne den Unterschied zu Jobs, die man nicht mag. Schließlich hab ich wirklich viel ausprobiert in den letzten Jahren."

Majer-Gödris Tochter ist vor ein paar Monaten ausgezogen, die 40-jährige Single-Frau lebt jetzt allein. Für einen neuen Mann war bis jetzt noch kein Platz in ihrem Leben. "Ich war so beschäftigt mit meiner Jobsuche, der Lehre und jetzt meiner Arbeit als Veranstaltungstechnikerin. Und mit einem Job in der Eventbranche ist es mit Familie und Beziehung sowieso schwierig. Weil du jedes Wochenende am Hackeln bist. Aber heiraten wollt ich eh nie. Wichtiger war's mir, meinen Traumjob zu finden. Wenn auch spät, aber doch."

Ich war jahrelang arbeitslos
Katalin Majer-Gödri ist als Veranstaltungstechnikerin in Hotels die Herrin über alles, was mit Technik zu tun hat.
Thema: Karriere