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Corona-Pandemie: Psychologische Tipps für den Umgang mit Arbeitslosigkeit

Die Coronavirus-Pandemie führt weiter zu extrem hohen Arbeitslosenzahlen in Österreich. Fest steht: Für Betroffene kann ein (plötzlicher) Jobverlust Stress, Zukunftsängste und Hilflosigkeit hervorrufen und enorme psychische Belastungen zur Folge haben.

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Corona-Pandemie: Psychologische Tipps für den Umgang mit Arbeitslosigkeit

Ohne Job – und jetzt?

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Die Corona-Pandemie hat dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaftslage und somit auch auf das Leben hunderttausender Menschen, die in Österreich leben. Die Arbeitslosenzahlen haben im Jahr 2020 in Österreich einen historischen Höchststand erreicht. 52,5 Prozent mehr Arbeitslose wurden Ende März 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnet. Insgesamt waren somit 562.522 Personen ohne Beschäftigung.

Um Betroffene bestmöglich zu unterstützen, hat der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) praktische Tipps zusammengefasst. Diese können zwar nicht die meist nun dringend notwendige finanzielle Unterstützung leisten, aber zeigen, wie man in diesen herausfordernden Zeiten trotz Arbeitslosigkeit auf das psychische Wohlbefinden achten und dieses verbessern kann.

Arbeitslosigkeit: 8 Tipps, wie du mit den Unsicherheiten & Belastungen besser umgehen kannst

1. Halte eine normale/reguläre Tagesstruktur aufrecht

Gerade jetzt ist es wichtig, soviel Struktur wie möglich beizubehalten. Struktur und Rituale geben Sicherheit und Halt in Stresssituationen. Stehe morgens wie immer auf, ziehe dich an, halte die üblichen Essens- und Schlafenszeiten ein. Nimm die Auseinandersetzung mit der beruflichen Zukunft wie beispielsweise Recherche oder Aktualisierung der eigenen Bewerbungsunterlagen in deine tägliche Tagesordnung auf. Erledige den Haushalt wie auch sonst.

2. Lass deine Gefühle zu

Arbeitslosigkeit und Unterbrechungen der Arbeitstätigkeit können jede/n treffen und gehören bei den meisten Menschen zum beruflichen Werdegang dazu. Sollten bei dir Gefühle von Angst, Hilfslosigkeit, Trauer oder auch Scham auftreten, so sind diese ganz normale Begleiterscheinungen der Arbeitslosigkeit. Diese geht an niemandem spurlos vorbei und ist auch unabhängig von der Branche, in welcher man arbeitet. Lasse die Gefühle zu, anstatt sie zu verdrängen und sprich offen darüber. Manche Menschen schreiben diese gerne auf oder nehmen sich bewusst Zeit, darüber nachzudenken.

3. Nimm die außergewöhnliche Situation wahr

Hunderttausende Menschen haben ihren Job verloren, oft obwohl sie sehr gute Arbeit geleistet haben. Diese spezielle Situation ist plötzlich und gänzlich von außen, durch die Pandemie bedingt, herbeigeführt worden. Eine der größten Herausforderungen ist es, die Zeit der Unsicherheit und des Wartens bis zum Ende der Corona-Pandemie auszuharren. Rufe dir in Erinnerung, dass die Krise unweigerlich vorübergehen wird und anschließend Maßnahmen gesetzt werden, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

4. Informiere dich

Der Kontrollverlust und die oft empfundene Hilflosigkeit sind für viele Menschen besonders belastend. Jetzt ist es besonders wichtig, im Rahmen der Möglichkeiten aktiv zu werden. Informiere dich, welche Maßnahmenpakete die Regierung laufend schnürt und welche Förderungen angeboten werden. Wende dich zum Beispiel ans AMS oder die WKO, um aktuelle Informationen zu erhalten. Informiere dich, welche Angebote für Fortbildungen bereits bestehen und nutze diese. Nutze auch deine Netzwerke! Ziehe dich nicht zurück, sondern gehe proaktiv auf Menschen zu, um dich zu informieren. Kommuniziere offen, dass du derzeit noch ohne Arbeit und auf Jobsuche bist. Hin und wieder ergeben sich dadurch Gelegenheiten oder Empfehlungen, die du vielleicht vorher gar nicht in Betracht gezogen hättest.

5. Sei offen für Neues

In jeder Krise steckt auch eine Chance. Überdenke deine bisherige Arbeitssituation: Was hat dir gefallen, was hat dir gefehlt? Wie könntest du die Arbeit zukünftig gestalten? Mache eine Liste, in die du deine Stärken einträgst. Überlege, wie du diese zukünftig in der Arbeit einsetzen könntest. Was würdest du gerne machen? Vielleicht kam dir schon vorher der Gedanke, dich beruflich zu verändern. Nütze die Zeit, dir zu überlegen, welche Ausbildungen oder Umschulungen dich interessieren würden. Überarbeite / erarbeite dir dein Jobprofil.

6. Tu dir etwas Gutes

Obwohl die dazugewonnene Zeit keine "Freizeit" ist, kannst du diese auch nutzen, um dir auch einmal etwas Gutes zu tun. Mache bewusst einmal am Tag etwas, was du gerne tust und dir guttut. Dies können Kleinigkeiten sein. Manche Menschen führen beispielsweise gerne eine Entspannungsübung durch (zum Beispiel diese). Setze dich an einen sonnigen Platz in der Wohnung, zünde dir eine Duftkerze an, koche dir dein Lieblingsessen. Es ist wichtig für den Selbstwert, sich regelmäßig selbst zu verwöhnen! Du kannst auch Menschen anrufen, mit denen du schon länger keinen Kontakt gehabt hast, weil du aufgrund der Arbeit keine Zeit dazu hattest. Bleibe körperlich fit und ernähre dich gesund!

7. Vertraue auf deine Erfahrungen

Manchen Menschen hilft es, sich ihrer ganz persönlichen Stärken bewusst zu werden und darauf zurückzublicken, wie sie in der Vergangenheit mit herausfordernden Situationen umgegangen sind. Erinnere dich an schwierige Lebenssituationen, die du bewältigt hast, wie du es geschafft hast, weiterzumachen und das Beste aus Herausforderungen zu ziehen. Dies kann das Vertrauen in deine Fähigkeiten stärken und auch dabei helfen, diese schwierige Situation gut zu überstehen.

8. Hole dir rechtzeitig Hilfe

Solltest du starke Existenzängste haben, massive psychosoziale Belastungen verspüren oder nicht mehr aus dem Grübeln herauskommen, dann zögere nicht, dir rechtzeitig Hilfe zu holen. Diese findest du bei Arbeits- und OrganisationspsychologInnen, klinischen PsychologInnen, die jetzt auch Online-Beratungen anbieten, und diversen Hotlines. Weitere Informationen und FachexpertInnen dazu findest du auf psychologiehilft.at und psychnet.at.