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"Kein Mann ist so stark wie eine Frau!"

Nazar. Sein neuer Longplayer „Camouflage“ enterte Platz eins der heimischen Album-Charts – und auch in Deutschland ist Österreichs erfolgreichster Rapper bereits ein Star. Aber: Wie denkt der gebürtige Iraner über Frauen, Romantik & Emanzipation? Wir fragten nach.

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"Kein Mann ist so stark wie eine Frau!"
© Stefan Gergely@Steter

Es ist ein großer Tag für Ardalan Afshar, 29, der im deutschsprachigen Raum besser unter seinem Rap-Pseudonym „Nazar“ bekannt ist: Anlässlich des Goldstatus seiner aktuellen Platte „Camouflage“ zollt Universal Music seinem Schützling mit einem mehr als 211 Quadratmeter großen Plakat am Wiener Naschmarkt, auf dem das aktuelle Cover prangt, Tribut. „Krass, was?“, zeigt sich auch der gebürtige Iraner ob der Enthüllung beeindruckt. Zwei Stunden vor dem Spektakel sitzt Afshar, der als Kind mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder wegen des ersten Golfkrieges von Teheran nach Wien flüchtete, ganz entspannt beim WOMAN-Interview. Es zeigt sich schnell: Hinter der harten Schale steckt ein weicher Kern …

»Ich bin extrem schüchtern.«

WOMAN: „Camouflage“ heißt übersetzt Tarnung bzw. Täuschung. Wann setzen Sie eine Maske auf?

Nazar: Bei Businessgesprächen. Ich habe die letzten sieben Jahre ohne Management gearbeitet, mir meine Verträge selbst ausgehandelt. Da bin ich oft naiv an die Sache rangegangen. Weil ich dachte, dass man mit Ehrlichkeit punktet. Bis ich gemerkt habe, wie eiskalt dieses Business ist.

WOMAN: Und von wem wurden Sie das letzte Mal getäuscht?

Nazar: Von Frauen. Ihr beherrscht das gut.

WOMAN: Männer können das genauso gut!

Nazar: (lacht) Da möchte ich nicht widersprechen. Aber ich bin nicht so. Schon gar nicht, wenn ich es mit einer Frau ernst meine.

WOMAN: Ernst meinen Sie’s auf alle Fälle auch in Sachen Karriere. Es ist Ihr siebtes
Album. Gehen Ihnen nicht langsam die Themen aus?

Nazar: Mir ist im Leben viel Scheiße widerfahren, deshalb ist immer Inspiration da. Sonst hätte ich keine Platte mehr gemacht. Und die Fans merken, dass das, was ich mache, authentisch ist: In Österreich ist die Platte ein Riesenerfolg. In Deutschland hat mir nur diese wunderhübsche Dame da (zeigt auf Schlagerstar Helene Fischer am WOMAN-Cover), Platz eins strittig gemacht. Aber von Helene verdrängt zu werden, ist nicht schlimm.

WOMAN: Ist Helene Fischer eine Frau, die Ihnen gefällt?

Nazar: Sie ist sehr attraktiv. Aber ich könnte nicht dass ich mit einer Frau aus derselben Branche zusammen sein. Das wär ein zeitliches Fiasko.

WOMAN: Wann kann eine Frau bei Ihnen punkten?

Nazar: Wenn Sie ehrlich ist. Das ist für mich das Fundament, auf dem eine Beziehung aufgebaut werden kann. Mit meinem Beruf ist es aber gar nicht so einfach, Frauen zu finden, denen man vertrauen kann.

WOMAN: Haben Sie ein Freundin?

Nazar: (schmunzelt) Das weiß man nicht so genau …

WOMAN: Lassen wir das mal so stehen! Wie wichtig ist Ihnen Erfolg?

Nazar: Das ist mein Antrieb. Ich habe Musik immer schon geliebt. Es gibt Videos, wo ich vor meiner ganzen Familie zu Michael Jackson tanze. Wenn meine Musik nicht Jahr für Jahr erfolgreicher geworden wäre, hätte ich aber wahrscheinlich die Motivation verloren, weiterzumachen. Nur mein Bekanntheitsgrad geht mir auf die Nerven. Mir ist das sehr unangenehm. Ich fühle mich auch unwohl in Räumen, wo viele Menschen sind.

WOMAN: Warum?

Nazar: Ich bin nicht so aufgewachsen. Das Erste, was ich von meiner Mutter gehört habe, als wir als Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind, war, dass ich meinen Kopf senken und froh sein soll, dass wir hier leben dürfen. Und dass mein Bruder und ich auf gar keinen Fall negativ auffallen dürfen.

WOMAN: Was hat Ihnen Ihre Mutter außerdem mit auf den Weg gegeben?

Nazar: Den Satz: „Tu keinem Menschen etwas, was du nicht möchtest, das er dir antut.“ Wir sind in Wien Favoriten, an einem Brennpunkt, aufgewachsen, wo zu unserer Jugendzeit noch viele Nazis lebten. Da bist du mit der Straßenbahn gefahren und hast gewusst, du musst dir jetzt die Schuhe zubinden, damit du schnell nachhause rennen kannst. Bleibst du an der falschen Ecke stehen, ist das nämlich nicht so gut. Mein Bruder und ich waren die ersten Kanaken in unserem Gemeindebau. Wir hatten früher viele Schlägereien, haben uns dumm und deppert geprügelt. Ich war ein sehr aggressiver Jugendlicher, voll mit Hass und hatte oft Probleme mit der Polizei. Damit ich habe viel Schande über meine Mutter gebracht, die dabei zuschauen musste, wie ihr Sohn in eine kriminelle Richtung abdriftet. Sie hat mich immer gebeten, damit aufzuhören – und mir dann irgendwann diesen Satz gesagt. Der hat sich so krass in meinem Kopf eingebrannt, dass ich Schritt für Schritt versucht habe, mein Leben zu ändern.

WOMAN: Sie sind in einer 23 Quadratmeter Wohnung aufgewachsen, hatten wenig Geld. Mittlerweile verdienen gut. Welche Einstellung haben Sie zu Materiellem?

Nazar: Als Kind hatte ich einen violetten Mickey Maus Pullover von der Caritas. Den hatte ich drei Jahre lang durchgehend an. Meine Mutter hat ihn jeden zweiten Tag mit der Hand gewaschen. Als das mit dem Erfolg anfing, habe ich mir eine Rolex nach der anderen gekauft und unverschämt viel Geld für Designerklamotten verprasst. Mittlerweile hab ich diese Komplexe abgelegt. Heute ist es mir wichtig, dass ich meine Fixkosten bezahlen und ich im besten Fall zwei Mal im Jahr auf Urlaub fliegen kann. Außerdem habe ich das Haus meiner Mutter abbezahlt. Der Kredit wäre noch 20 Jahre gelaufen. So konnte ich ihr wenigstens eine Kleinigkeit von dem zurückgegeben, was sie für mich getan hat.

WOMAN: Was genau meinen Sie?

Nazar: Sie hat hart für uns gearbeitet und immer dafür gesorgt, dass es uns gut geht. Obwohl wir wirklich nichts hatten. Sie hatte einen Job als Tellerwäscherin und arbeitete außerdem in einem LED-Pressewerk. Dort verlor sie einen Finger. Manchmal hab ich sie in der Nacht weinen gehört. Dann bin ich aufgewacht und habe sie gefragt, was los ist. Sie hat uns dann immer erzählt, dass sie nur aus Freude weint. Was natürlich nicht gestimmt hat. Sie hat viel durchgemacht, hat vor uns aber nie gemeckert. Ich habe deshalb riesengroßen Respekt vor Frauen. Ich glaube, kein Mann dieser Welt kann diese Stärke haben, die eine Frau besitzt. Das war natürlich auch ein großer Antrieb für mich, mit meiner Musik Erfolg zu haben. Weil ich und allen – besonders aber meiner Mutter – ein besseres Leben ermöglichen wollte.

WOMAN: Stichwort Respekt: Gerade im Rap kommen oft frauenverachtende Texte vor. Muss das sein?

Nazar: Ich beschäftige mich wenig mit Rap, der frauenfeindliche Texte beinhaltet. Meiner Meinung nach ist es aber keine Beleidigung, wenn man im Hip Hop Wörter wie „Fotze“, „Nutte“ und „Schlampe“ benutzt oder Frauen in Dessous in seinen Videos zeigt. Ich selbst versuche, die Frauen nicht abwertend rüberzubringen. Ich verstehe schon, dass sich manche Menschen dadurch angegriffen fühlen. Aber man sollte nie vergessen, dass Rap von der Straße kommt. Man spricht dort nicht so wie in der Politik.

WOMAN: Es ist also okay, Frauen auf ihr Äußeres zu reduzieren?

Nazar: Ich werde von vielen Frauen ja auch nur auf mein Äußeres reduziert. Aber das freut mich ja (lacht).

WOMAN: Sie sind also gerne Sexsymbol!

Nazar: Ich freue mich schon, wenn ich Kommentare von Frauen über mich im Netz lese, die schreiben, dass ich ihnen gut gefalle. Aber man muss auch als Mann viel dafür tun, um halbwegs wie ein Mensch auszusehen.

WOMAN: Die Augenbrauen sind zumindest schon mal sehr akkurat gezupft.

Nazar: Ich verliere jetzt wahrscheinlich jeden Respekt (lacht): Ich geh zwei Mal in der Woche zum Friseur. Wenn ich nicht ein bisschen was von meinen Augenbrauen wegnehmen würde, wäre da ein schwarzer Balken. Und das wäre eher weniger attraktiv.

WOMAN: Worauf achten Sie bei Frauen?

Nazar: Bei mir geht es nicht um eine Haar- oder Hautfarbe, um eine Körbchengröße oder ihren Hintern. Sie muss Präsenz und Selbstbewusstsein haben. Eine Frau kann 150 Kilo haben und hat, wenn die mit sich selbst glücklich ist, mehr Selbstbewusstsein als 40 Nazars zusammen.

WOMAN: Wie gehen Sie auf eine Frau zu, die Ihnen gefällt?

Nazar: Ich spreche Frauen nur an, wenn ich vollkommen betrunken bin. Ich bin extrem schüchtern.

WOMAN: Dabei wirken Sie so taff. Was werden Sie an Frauen nie verstehen?

Nazar: Dass sie permanent denken, dass sie übergewichtig sind. Und dass sie das auch ständig zu ihrem Mann sagen.

WOMAN: Das nervt?

Nazar: Frauen nerven ja prinzipiell, wenn sie viel mit einem Mann reden (lacht). Ich glaube, Frauen müssen einfach eines verstehen: Wenn ein Mann lange mit seiner Partnerin zusammen ist, wird das Aussehen irgendwann komplett egal.

WOMAN: Selbst wenn sie 50 Kilo zunimmt?

Nazar: Ein Beispiel: Wenn ich eine Frau habe und die bekommt Kinder – in der Schwangerschaft nimmt sie 50 Kilo zu, ihre gesamte Haut reißt und sie tut sich schwer damit, abzunehmen: Was wäre ich für ein Mensch, der sich davor ekeln würde? Ich liebe meine Frau ja aufgrund ganz anderer Dinge und nicht nur, weil sie gut aussieht. Ich liebe den Mensch dahinter. Und ich glaube, auch anderen Männern geht es so. Frauen sollten diesen Komplex unbedingt ablegen. Das ist doch eine Qual für sie selbst. Und: Sie quälen uns Männer mit dem Gemeckere über ihren Körper ja auch.

WOMAN: Was ist Ihnen in einer Beziehung wichtig?

Nazar: Dass man sich Gegenseitig mit Respekt behandelt und sich Freiräume lässt. Man darf den Partner nicht eingrenzen. Ich habe mich in der Hinsicht auch sehr verändert: Als ich jünger war, war ich so ein Typ der versucht hat, seine Freundin zu kontrollieren: Ich wollte nicht, dass sie bestimmte Dinge anzieht, wollte nicht, dass sie ausgeht. Aber nicht einmal aus Eifersucht heraus, sondern weil ich dachte, dass das in unserer Mentalität normal ist. Bis ich gemerkt habe, dass ich meiner Partnerin dadurch eigentlich ein Stück ihrer Persönlichkeit nehme. Mittlerweile weiß ich, dass man jeden so sein lassen muss, wie er ist.

WOMAN: Schon mal wegen einer Frau geschlägert?

Nazar: Oft. Deswegen geh ich so ungern mit Frauen in Clubs. Weil die dann von irgendwelchen besoffenen Typen angemacht werden. Und da bin ich sehr allergisch drauf.

WOMAN: Im Song „Borderliner“ zeigen Sie sich aber auch von Ihrer weichen Seite. Wie viel Romantiker steckt denn wirklich in Ihnen?

Nazar: Ich bin der unromantischste Mensch, den es gibt. Das ist mir eh oft unangenehm, weil ich weiß, dass eine Frau das braucht. Obwohl ich auch schon Briefe geschrieben habe. Aber immer erst, als es vorbei war. Hat allerdings nie was genutzt.

WOMAN: Woran sind Ihre vergangenen Beziehungen gescheitert?

Nazar: Die Frauen haben mich verlassen. Es kam meist der Vorwurf: „Du bist der langweiligste Mensch der Welt.“ Und es stimmt. Ich sitz am liebsten mit Freunden zuhause. Ich fahre auf Urlaub, okay. Kino lasse ich mir auch einreden – aber Discos und Partys sind gar nicht mein Ding. Ich könnte nie mit einer Frau zusammen sein, die ein Partytier und permanent unterwegs ist. Wenn man in einer Beziehung ist, sollte dir die Partnerschaft so viel geben, dass du gern bei deinem Partner bist.

WOMAN: Wie gut ist der Kontakt zu ihren Ex-Freundinnen heute?

Nazar: Ich habe keinen. Ich finde es krass, wenn Leute das schaffen. Ich habe großen Respekt dafür! Für mich wäre das nichts.

WOMAN: Aber manche begleiten einen doch sehr lange. Ist das nicht schade drum?

Nazar: Finde ich nicht. Wenn du die Beziehung zu jemandem beendest, sehe ich keinen Grund mehr, darüber hinaus noch weiter Kontakt zu halten. Ich will mit dem Menschen dann auch einfach nichts mehr zu tun haben.

WOMAN: Haben Sie eigentlich viele Frauen in Ihrem Freundeskreis?

Nazar: Ich habe keine einzige weibliche Freundin. Als Jugendlicher schon, aber es hat immer dazu geführt, dass einer von beiden Sex wollte (lacht). Ich habe auch, ehrlich gesagt, nicht die Zeit und die Nerven dafür, mich mit einer Freundin zu treffen, die mir dann ihre Sorgen und Nöte einer Singlefrau erzählt.

WOMAN: Wie sieht’s eigentlich aus, wenn sie in einer Beziehung sind: Wird im Haushalt Halbe-Halbe gemacht?

Nazar: Ganz ehrlich: Ich würde nie auf die Idee kommen, den Abwasch zu machen. Es ist aber nicht so, dass alles an der Freundin hängenbleibt. Die Lösung ist eine Putzhilfe.

WOMAN: Wie stehen Sie eigentlich zu den „Töchtern“ in der Bundeshymne?

Nazar: Ich habe die Diskussion in den Medien mitbekommen. Wenn es sehr viele Frauen verletzt hat, ist es doch okay, dass das geändert wurde.

WOMAN: Und wie stehen Sie zur Angleichung der Löhne?

Nazar: Da bin ich sofort dafür! Alle meine Ex-Freundinnen waren Arbeitstiere. Aber mussten sich fünf Mal mehr beweisen, sich hübsch machen, ständig nett lächeln – dem Klischee gerecht werden. Dann verdienen sie auch noch weniger. Ich find das sehr, sehr krass.

WOMAN: Was, wenn eine Frau mehr verdient als Sie?

Nazar: Ist sogar so.

WOMAN: Jetzt haben Sie sich verraten!

Nazar: (lacht) Ich bleib’ dabei: Das weiß man nicht so genau.

Themen: Musik, Society