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Herr Sippel und sein Plastik-Traum

FPÖ-Politiker Armin Sippel spielt sich in einem Video als Verteidiger der Frauen vor übergriffigen Asylbewerbern auf. WOMAN-Chefredakteurin Euke Frank ist irritiert.

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Herr Sippel und sein Plastik-Traum

Sehr geehrte Herren Österreicher,

einer von Euch, ein ganz ein Lustiger aus Graz, trat gestern gemeinsam mit einer langhaarig-blonden Schaufensterpuppe in einem Video auf.

Die vollbusige Plastikdame war – wie Frauen „in unserem Kulturkreis“ – etwas „freizügiger angezogen“. Ganz bestimmt war sie gerade am Weg ins Freibad.

Gestoppt wurde der Traum aus Kunststoff mit Perücke dann aber eben von Armin Sippel, dem FPÖ-Chef der steirischen Landeshauptstadt. Der flinke Finger tatschte der Armen am Busen und am Po herum. Diese machte gute Miene zum bösen Spiel und verharrte ... regungslos.

Sehr geehrte Herren Österreicher,

was der Geschlechtsgenosse da demonstrierte, war einzig und allein an „die Herren Asylanten“ adressiert.

Was mich persönlich ziemlich irritierte – denn der Löwenanteil der grapschenden, belästigenden, sexuell übergriffigen, unverschämt agierenden Männern in Österreich sind: Österreicher.

Nehmen wir doch einfach mal Zahlen aus 2011 – also fünf Jahre BEVOR der Herr Sippel aus Graz den „Herren Asylanten“ heimische Gepflogenheiten im Umgang mit Frauen näherbringen möchte:

  • Jede 5. Frau in Österreich erlebte oder erlebt schwere sexuelle Gewalt.
  • Fast 30 Prozent waren oder sind mit sexuellen Übergriffen konfrontiert.
  • Jede dritte Frau in Österreich berichtet von einer versuchten Vergewaltigung.
  • Drei von vier Frauen waren bereits von sexuellen Belästigungen betroffen.

Für praktisch alle haben diese Erlebnisse negative psychische oder körperliche Folgen.

Im Vergleich dazu werden weniger als zwei Prozent der sexuellen Gewalttäter vor Gericht zitiert. Und nicht einmal ein Prozent der Täter erhalten eine unbedingte Freiheitsstrafe.

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO geht davon aus, dass in der EU zwischen 40 und 50 Prozent der Frauen zumindest einmal Ziel von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz waren.

Und noch eine Zahl für Sie, Herr Sippel: Über 80 Prozent aller Fälle von sexuellem Missbrauch passieren in den Familien.

In den heimischen Familien. Bei den Österreichern, Herr Sippel, bei denen, die Ihnen munter zuprosten, wenn Sie sie im Bierzelt treffen, beim Frühshoppen, in den Discos, beim Wirten hinter der Schank, am Schreibtisch in den Büros, hinter den Wänden von Einfamilienhäusern, in den Kinder- und Schlafzimmern dieses Landes.

Ich würde daher vorschlagen, Herr Sippel, dass Sie den Anstands- und Wertevortrag mit Ihrer Plastikpuppe im Spaghetti-Bluserl an jene adressieren, bei denen das Problem nachweislich am allergrößten ist: den österreichischen Männern.

Anmerkung der Redaktion: Armin Sippel hat das Video mittlerweile von seiner Facebook-Seite entfernt. Die Diskussion sei "aus dem Ruder gelaufen" schreibt er in einem Statement.

Themen: Report, Sexismus