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Literaturpreisgewinner: Asylwerber schreibt Roman per SMS

Während er auf seinen Asylantrag wartete, schrieb Behrouz Boochani einen Roman. Aber nicht auf dem PC oder auf Papier, sondern via SMS.

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© Photo by Gilles Lambert on Unsplash

Sein Roman sei voller Poesie und ein erstaunliches Erstlingswerk. Deshalb wurde Behrouz Boochanis Roman "No Friends But the Mountains" für zwei Kategorien des Victorian Prize for Literature vorgeschlagen - und hat sie auch gewonnen. Das Preisgeld des wichtigsten australischen Literaturpreises beträgt in Boochanis Fall über 88.000 Euro.

Doch der Iraner ist kein Literaturstudent, kein Dichter und kein Künstler, der in einer australischen Großstadt lebt und arbeitet. Boochani ist ein Flüchtling und Asylwerber, der eigentlich nach Australien gehen wollte, aber nie dort angekommen ist.

Denn Australien hat seine eigene Art mit den Flüchtlingen umzugehen, die mit Booten versuchen auf das Festland zu kommen. Sie werden vor der Ankunft abgefangen und auf eine Außeninsel Papua-Neuguineas gebracht. Die Insel Manus wird auch "Manus Prison" genannt, weil die Menschen dort wie Gefängnisinsassen leben. Sie dürfen Manus schon verlassen, aber nur in ihr Heimatland, aus dem sie ja geflohen sind.

Und deshalb lebt auch Boochani seit 2013 auf Manus. Dort schrieb er auch seinen Roman, aber nicht auf Papier oder auf einem Computer - er schrieb die Zeilen per SMS in Farsi nieder. Dies tat er, weil er immer davor fürchtete, dass ihm seine Habseligkeiten genommen werden. Er schickte die Nachrichten an einen Freund in Australien, der für ihn alles übersetzte. So entstand schließlich "No Friends But the Mountains".

Vorbestellbar: Das Buch von Behrouz Boochani erscheint am 1. Oktober 2019.

Ein Buch, für das er sich den Literaturpreis gar nicht abholen darf, weil er Manus ja nur verlassen dürfte, wenn er wieder in den Iran reisen würde. Doch dort will Boochani nicht mehr hin. Der Iraner arbeitete als Kurde bei einer kurdischen Zeitung und begann nach einer Verhaftung im Jahr 2011, um sein Leben zu fürchten.

"Vor 6 Jahren kam ich in Australien an. Man sagt mir, dass ich nach Manus versetzt werde. Ich meinte, dass ich ein Schriftsteller bin, doch ich wurde nur ausgelacht." , erzählte Boochani in seiner Dankesrede zur Ehrung durch den Literaturpreis. Seine Rede sandte er per Video-Link an das Komitee. "Ich glaube wirklich daran, dass Worte stärker sind als die Zäune dieses Ortes (Anm. Manus Prison). Und das ist nicht nur ein leerer Slogan. Dies sind die Worte eines Menschen, der seit 6 Jahren ein Gefangener ist. Eine Person, die außerordentliche Tragödie beobachtet hat, die sich auf dieser Insel entfaltet hat."

Der Journalist kritisierte mit seiner Rede nicht zum ersten Mal die Politik Australiens in Hinsicht auf die Flüchtlinge. Per SMS klärt er seit Jahren die Welt darüber auf, wie es auf Manus Prison wirklich aussieht. Für The Guardian schrieb er sogar einige Artikel zu diesem Thema. Das Traurige dran: Nachdem 2017 das Gericht beschlossen hatte, Manus schließen zu lassen, wurde dies nicht in die Tat umgesetzt.

Doch mit seinem Buch will Behrouz Boochani weiterhin versuchen, ein Licht auf die Machenschaften der australischen Regierung zu werfen. "Mein Ziel war es immer, den Menschen da draußen und in Australien zu zeigen, wie das System unschuldige Menschen auf Manus und Nauru gefoltert hat. Ich hoffe dieser Award bringt mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema und hilft dabei, es zu beenden."

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