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Aufgeben? Niemals! WOMAN über Karina Hollekim - das Porträt einer Kämpferin!

Karina Hollekim sprang von Bergen und Hochhäusern – am Rücken nur einen Fallschirm. Vor drei Jahren wäre sie fast tödlich verunglückt. Das Porträt einer Kämpferin.


Aufgeben? Niemals! WOMAN über Karina Hollekim - das Porträt einer Kämpferin!
© 20 Seconds of Joy

Es ist kurz vor Sonnenuntergang. Karina Hollekim steht auf der Spitze einer 600 Meter hohen Felswand im afrikanischen Mali. Der Aufstieg hat zwölf Stunden gedauert. Mitten in der sengenden Hitze. „Doch der Ausblick von hier oben ist die ganze Anstrengung wert“, schwärmt die gebürtige Norwegerin. Kaum oben angekommen, will Karina nur eines: wieder hin unter! Sie wirft einen prüfenden Blick auf ihre Ausrüstung, checkt Gürtel und Halterungen. Dann nimmt sie Anlauf und springt mit einem Satz in die Leere. In der Luft breitet sie Arme und Beine aus – wie ein Vogel seine Flügel. Jetzt fühlt sie sich frei. Jetzt ist sie glücklich. Das Gefühl, das gerade durch ihren Körper geht – unbeschreiblich. „Waren Sie schon mal verliebt? Dann wissen Sie, wie man sich dort in der Luft fühlt. Es ist überwältigend.“ Nach einigen Sekunden zieht sie an einem Schnürchen an ihrer rechten Körperseite – der Fallschirm öffnet sich und bringt Karina sicher auf den Boden zurück. „Yeah“, ruft sie laut und freut sich über den gelungenen Basejump.

So war es in der Vergangenheit. Heute ist die 33-Jährige froh, dass sie selbständig durch ihr Haus gehen kann. Ohne Rollstuhl oder Krücken. Schritt für Schritt findet sie wieder zurück in ein normales Leben, denn ein Unfall vor drei Jahren hat alles schlagartig verändert. Es passierte im August 2006 auf einer Veranstaltung im schweizerischen Lausanne. „Der Morgen war regnerisch, mittags durchbrach die Sonne leicht die Wolken. Im Flugzeug sind wir vorbei an verschneiten Gipfeln und grünen Tälern geflogen. Ich weiß noch, dass ich mir gedacht habe: Ich muss die glücklichste Frau auf der Welt sein“, erinnert sich Karina Hollekim zurück. „Wir konnten es gar nicht mehr erwarten, aus dem Flugzeug zu springen und dem Publikum eine tolle Skydive-Show zu bieten. Wir hatten so viel Spaß in der Luft! Es war perfekt! Die Leute am Boden haben laut geklatscht und uns angefeuert.“ Doch als Karina ihren Fallschirm öffnen will, merkt sie, dass etwas nicht stimmt: „Da war ein Knoten, den ich nicht lösen konnte.“ Sie dreht sich immer schneller in der Luft, der Fallschirm funktioniert nicht, sie verliert die Kontrolle und knallt mit 100 km/h gegen eine Felswand. „Zuerst wusste ich nicht: ,Bin ich tot oder am Leben?‘ Doch als ich plötzlich die schrecklichen Schmerzen in meinen Beinen spürte, war mir klar: Es kann noch nicht aus sein!“ Aber ihr Leben hatte sich für immer geändert – binnen 18 Sekunden.

LESEN Sie alles über Karinas unermüdlichen Weg zurück ins Leben in WOMAN 16/09!