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Aufwachsen ohne Kindergarten?

"Kein Kindergarten? Das muss man sich leisten können!" Die dreifache Mutter Katarina, die ihre Kinder selbst zu Hause betreut, hört diesen Satz häufiger.

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Ohne Kindergarten aufwachsen
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„Das muss man sich einmal leisten können.“ Diese Aussage höre ich fast immer, wenn es um die Tatsache geht, dass meine Kinder keinen Kindergarten besuchen. Häufig wird dann von der betreffenden Person weiter angeführt, dass sie es ja auch gerne so handhaben würde wie wir, aber das ginge nicht weil … (hier bitte individuelle Gründe einfügen, wieso man sich die Betreuung daheim wirklich nicht leisten kann).

In bestimmten Situationen ist das natürlich so. Wenn man alleinerziehend ist zum Beispiel oder in einer Großstadt mit exorbitanten Wohnraumpreisen lebt. Es gibt bestimmt noch viele weitere Ausnahmen.

Aber kann man sich das wirklich nicht leisten?

Manchmal glaube ich aber eher, dass es eine Frage des Wollens beziehungsweise des Müssens ist. Am Anfang unserer Reise mussten wir alle drei Kinder zu Hause betreuen. Inzwischen müssten wir es vielleicht nicht mehr, schließlich gibt es am neuen Wohnort einen anderen Kindergarten und der hat vielleicht andere Konditionen als der alte. Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass wir uns darüber am neuen Wohnort gar nicht mehr informiert haben, weil unser Familienleben ziemlich schön ist so wie es ist. (Übrigens lagen die Kids noch nie bei einer Untersuchung hinter ihren in den Kindergarten gehenden Altersgenossen.)

Ich komme aber ab vom eigentlichen Punkt. Dem Argument des „Es-sich-leisten-könnens". Wir wohnen zur Miete, haben nur einen Hauptverdiener und teilen uns ein Auto. Wir leben also definitiv nicht wie Krösus und haben trotzdem die Entscheidung getroffen, dass wir es uns „leisten“ können. Vermutlich weil wir auf viele materielle Dinge verzichten, was uns nicht schwer fällt - es ist einfach unsere Lebensart. Niemand von uns hat das Verlangen teure Markenkleidung oder Schuhe zu besitzen. Das eine Auto reicht uns. Generell sind wir wohl eher sparsame Menschen. Wir gehen nicht zum Essen aus und die nächsten Konzertarenen oder Opernhäuser sind 40 Kilometer weit weg. Wir zahlen kein Haus ab und machen keine teuren Reisen. Ja, wir machen Abstriche. Nein, sie sind für unser Empfinden nicht schmerzhaft.

Ich habe keine Ahnung, wie es bei anderen Familien ist, die so leben wie wir, aber ich vermute mal dass ebenso bei jenen das Geld nicht auf Bäumen wächst. Nach ein bisschen googeln weiß ich, dass das, was wir leben, „Selbstbetreuung“ heißt, dass es wohl eine „Selbstbetreuer-Szene“ gibt und dass dort so gut wie alle auch ähnliche Abstriche machen wie wir.

Aufwachsen ohne Kindergarten

Fremd sind mir dennoch jegliche Dogmen von beiden Seiten: „Kinder können nur im Kindergarten soziales Miteinander lernen.“ beziehungsweise „Kinderbetreuung gehört ausschließlich in die Hand der Eltern.“

Beides finde ich kurzsichtig und nicht unbedingt zutreffend. Dann müssten ja Generationen von Menschen soziale Volltrottel gewesen sein und es wäre ein echtes Wunder, dass wir es bis zur Erfindung des Berufs Erzieher geschafft haben. So oder so steht und fällt die Betreuung für mich immer mit den betreuenden Personen.

Auch ist eine Betreuung zu Hause nicht unbedingt gut, nur weil man Mutter oder Vater des Kindes ist. Genauso kann ein Kindergarten ungeeignet (für diese oder jene Familie) sein, wenn dort etwas grundlegend schief läuft, das Kind sich dort einfach nicht wohl fühlt oder die Eltern sogar ausgelacht werden, weil sie bindungsorientiert leben.

Im Endeffekt möchte ich euch eines mit auf den Weg geben: Sich „Selbstbetreuung“ (oder wie man den Wunsch, seine Kinder selbst zuhause betreuen zu wollen, auch immer nennen mag) nicht leisten können, ist kein k.o.-Kriterium. Es ist machbar, wenn man bereit ist, Abstriche zu machen. Es ist wie bei allem, was mit dem Kinderkriegen und Aufziehen derselben zusammenhängt: Man muss den Mut aufbringen und springen. Das Schwimmen klappt dann schon.

Macht das, was für eure Familie passt und wie ihr glücklich seid, das ist sowieso das Beste für Kinder.

Katarina Fiebelkorn

Dieser Text erschien auch auf Blogprinzessin mit vielen weiteren Beiträgen rund um das Leben mit Kindern, Familie, aber auch Mode und einfach schönen Dingen.

Themen: Eltern, Kinder

Kommentare

Anja Rath

Mich würde interessieren wie sich bei dir die Tage gestalten und wie du dir Auszeiten schaffst?!?

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