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Ausgewandert: Eigentlich wollte sie nur reisen, aber dann blieb sie einfach dort

Der eigentliche Plan: eine fünfmonatige Reise um den halben Globus. Wir haben 2016 über den Traum von Gudrun Achatz berichtet, fragten nach und staunten: Die 31-Jährige hat ein neues Zuhause in Neuseeland gefunden. Sie erzählt von Heimweh und dem Mut, das alte Leben komplett hinter sich zu lassen.

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© privat

Neuer Job, neue Liebe, neues Leben. Im Juni wanderte Gudrun Achatz, 31, nach Marlborough, Neuseeland, aus. Eine Flugstrecke von 18.261,42 Kilometer beziehungsweise zwölf Stunden Zeitunterschied trennen sie seither von ihrer Heimat Österreich. "Manchmal hadere ich mit meiner Entscheidung, frage mich, was ich hier eigentlich mache. Dann sehne ich mich nach meinem alten Daheim, meiner Familie und meinen Freunden. Gleichzeitig musste ich einfach auf mein Herz hören und es versuchen", so die Steirerin.

Aber erzählen wir von Anfang an: Im Jänner 2016 ging Gudrun auf Weltreise. Guter Grund außer Fernweh: eine internationale Recherche über Weinevents für die Abschlussarbeit ihres Tourismus-Lehrgangs. In WOMAN erzählte sie damals von ihren Plänen: "Kanada, Hawaii, Fidschi, Neuseeland, Australien & Bali sind schon fix gebucht. Den Rest werde ich während der Tour planen."Und dann hatte sie noch einen ganz speziellen Wunsch: "In den letzten Jahren hat es mit der Liebe nicht wirklich geklappt, also wäre es 2016 auch wieder an der Zeit für Schmetterlinge im Bauch."

Was wurde aus den Plänen? Nach vier Reisewochen besuchte sie das Marlborough Wine & Food Festival in Neuseeland. Zig Weingüter präsentieren dort einmal im Jahr ihre Produkte. "Ich bin auf das Team von Wiaru River Wines gestoßen, das mich zur Afterparty eingeladen hat. Hier habe ich auch Pip und ihre Kinder kennengelernt. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, und ich habe gesagt, ich werde ihre Nanny, sollte ich ein Working-Holiday-Visum bekommen."

Pro Jahr werden insgesamt 100 dieser Aufenthaltsgenehmigungen an Österreicherinnen und Österreicher vergeben. "Ich war tatsächlich eine der Glücklichen, also habe ich beschlossen, im Oktober ein halbes Jahr dort anzuhängen. Ich habe Pip kontaktiert und einen Job auf ihrem Weingut bekommen." Die Freundin organisierte für Gudrun auch eine Unterkunft - und zwar im Haus ihres Bruders Sam. "Wir haben abends öfter zusammen gekocht, und tja, dann ist es einfach passiert. Nach zwei Monaten waren wir offiziell ein Paar und haben gemeinsam mit seiner Familie Weihnachten und Silvester verbracht."

Und schon bald war für Gudrun klar, dass sie ihr gesamtes Leben nach Neuseeland verlagern wollte. Vor sieben Monaten übersiedelte sie mit ihrem gesamten Hab und Gut. Seither lebt sie mit Sam zusammen, hat ein Arbeitsvisum für ein weiteres Jahr in der Tasche und jobbt als Marketing-Assistentin auf dem familieneigenen Weingut. "Es war ein bürokratischer Wahnsinn, der mich etliche Hundert Dollar gekostet hat bisher."

Dann war da noch die emotionale Komponente: "Mir hat die Entscheidung viel Mut abverlangt. Viele Freunde waren unglücklich darüber, manche auch ziemlich enttäuscht. Meine besten stehen hinter mir, auch wenn wir uns gegenseitig sehr vermissen. Auch meine Mama unterstützt mich in vielerlei Hinsicht. Sie hat mich auch schon besucht und kann verstehen, warum es mir hier so gut gefällt."

Neues Leben und Heimweh: In den vergangenen zwei Jahren hat sich bei Gudrun viel verändert: Wohnort, Beziehungsstatus, Job. Aber auch in ihrer Persönlichkeit ist sie gewachsen: "Ich bin lockerer und harmonischer geworden. Die Kiwis, so nennt man die Neuseeländer, haben eine Whatever-Haltung. Sie planen nicht viel und leben einfach in den Tag hinein. Die Menschen sind viel zufriedener, jammern nicht so viel und sind nicht so getrieben.

In Österreich war ich's gewohnt, alles im Voraus und bis ins Detail festzulegen: den Tag, die Urlaube, die Zukunft. Davon versuche ich mich mehr und mehr zu lösen, weil es das Leben wirklich einfach macht." Nicht so leicht fällt es ihr hingegen, auf anderes zu verzichten: "Meine Familie und Freunde fehlen mir. Und dann sind da noch diese vielen Kleinigkeiten: Unsere Bräuche und Traditionen wie Krampus, Nikolo, Weihnachten und Ostern. Das Flanieren durch die schönen historischen Städte Österreichs, das Aprés-Ski in Obertauern im Winter und das Fürstenfelder Freibad im Sommer. Nicht zu vergessen die steirische Buschenschankjause, Schwarzbrot, Schnaps und Marillenknödel."

Trotz einiger Herausforderungen ist Gudrun aber überzeugt, mit ihrer Auswanderung die richtige Entscheidung getroffen zu haben: "Ich mag die Menschen hier, alle sind offen und freundlich, und landschaftlich ist die Gegend ein Traum: Weinreben, wohin das Auge reicht, umgeben von Bergen und dem Meer. In Sam habe ich einen wunderbaren Partner gefunden. Er steht mir immer zur Seite, wenn ich ihn brauche, sorgt und kümmert sich liebevoll um mich." Im kommenden August wird das Paar zusammen nach Österreich reisen, damit er ihre Freunde kennenlernt. "Der Rest wird sich zeigen", ist Gudrun entspannt. Kiwi-Lifestyle eben.

Ausgewandert
Die Wochenenden verbringt man gern am Meer.
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In Weinbauer Sam hat sie eine neue Liebe gefunden.
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"Landschaftlich ähnelt Neuseeland Österreich sehr", sagt sie über ihre Wahlheimat, Bonus: Meerblick.
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In der großen Familie ihres Partners wurde sie von Anfang an herzlich aufgenommen.
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Gudrun jobbt als Marketing-Assistentin auf dem Weingut "Wiaru River Wines".

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