Ressort
Du befindest dich hier:

Unperfekt macht attraktiv

Perfektion und Makellosigkeit machen eines sicher nicht: sympathisch. Wer jedoch zu seinen Schwächen steht, Selbstironie beherrscht und Schuld nicht abschiebt, den mögen die anderen. Warum auch Kaffeetrinken hilfreich ist und Langsamsprechen nicht, weiß unser Experte ...

von

Frauen
© istockphoto.com

Gedacht haben wir's ja alle schon mal: Mir doch egal, ob mich die anderen sympathisch finden! Aber aus tiefster Seele gemeint haben wir es nicht. Denn wir sind ja doch soziale Wesen. "Geliebt und akzeptiert zu werden, ist uns wichtig", bestätigt Michael Jagersbacher, gebürtiger Steirer, studierter Philosoph, Pädagoge und Coach. In seinem neuen Buch "Sympathie-Code" hat er sich auf die Suche nach jenen Zutaten gemacht, aus denen angenehme Zeitgenossen gebacken sind. Und auch, wenn man nicht unbedingt danach strebt, "everybody's darling" zu sein, so wäre es in manchen Situationen bestimmt von Vorteil, wenn man liebenswert rüberkommt. Wenn du deinem Gegenüber etwas verkaufen willst etwa, es überzeugen oder ihm gefallen wollen. Nun hat ja fast jeder von uns schon diesbezügliches Basiswissen im Köcher: freundlich lächeln, Blickkontakt halten, offene Körperhaltung, dem anderen aufmerksam zuhören. Doch dann wird's schon spezieller.

Wir haben dem Autor die besten Insider-Tipps abgeluchst:

Das Potenzial von Schwächen soll man nicht unterschätzen!

DAS RICHTIGE AUSSTRAHLEN. Sympathie, im Lexikon als "spontan sich ergebende Zuneigung und innere Verwandtschaft" definiert, ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Wenn wir glauben, dass wir gut ankommen, dann ist das auch so. Wir verhalten uns automatisch freundlicher und gelassener. Und: Scheint mich jemand sympathisch zu finden, schmeichelt mir das, und ich finde ihn auch sympathisch. Funktioniert eigentlich immer. Übrigens: Nimmt man Sympathie wahr, werden Glückshormone ausgeschüttet.

PLUSPUNKT MAKEL. Fürchten wir hingegen Zurückweisung, so verhalten wir uns reserviert und angespannt. Und das kommt nicht gut, kann sogar arrogant wirken. Die Angst vor Fehlern, Schwächen und Peinlichkeiten, die oft dahintersteckt, ist, so der Autor, weitgehend unbegründet. Denn Makel können deine besten Waffen sein! Stärken sind wichtig – aber das große Potenzial von Schwächen wird oft unterschätzt. "Sie sind menschlich. Sie verbinden. Emotionen zu haben und sie zu zeigen, ist etwas Tolles." Jemand, der immer perfekt sein will, kann gar nicht liebenswert erscheinen. Makellosigkeit schafft Distanz und schüchtert ein. Also: Gib Schwächen zu. "Ich beriet mal eine Möbelverkäuferin", gibt Jagersbacher ein Beispiel. "Die bekam bei jedem Kundengespräch rote Ohren. Es war ihr so peinlich, dass sie völlig unprofessionell wirkte. Verkaufserfolg null. Dann drehte sie den Spieß um. Sagte zu den Kunden: 'Ich bekomme jetzt gleich rote Ohren. Aber bitte schaun Sie nicht nur auf die, sondern auch auf unsere schönen Möbel.' Na, was glauben Sie, wie die Abschlussquote gestiegen ist." Ein Lehrer, der zugibt, dass er nicht alles weiß, eine Vortragende, die verrät, dass sie vor lauter Lampenfieber gleich sterben könnte, und die Fitnesskönigin, die gesteht, dass auch sie ab und an einer Heißhungerattacke erliegt Ist das nicht viel sympathischer?

Man hält sich oft für viel wichtiger, als man ist!

BLAMIERE DICH! "Man muss nur die Angst vor Peinlichkeiten verlieren", meint Jagersbacher und weiß, wovon er spricht. "Es gab eine Zeit, da blamierte ich mich fast täglich!" Einmal schüttete er sich als Student direkt vor einer wichtigen Prüfung den Kaffee aufs Hemd. Er traute sich fast nicht mehr anzutreten. Als Jagersbacher dann doch samt Fleck vorm Professor saß, ging er sofort zum Angriff über: "Reden wir bitte nicht drüber!" Der Professor schmunzelte, der Tag war gerettet.

ANDERE WAHRNEHMUNG. "Die eigenen Peinlichkeiten kommen einem immer viel ärger vor als dem Umfeld", so der Coach. Die Psychologie kennt das als Spotlight- oder Barry-Manilow-Effekt. Das Experiment dazu: Eine Gruppe von Studenten wurde in urpeinlichen Barry-Manilow-T-Shirts in einen Raum mit fremden Menschen – die alle Richtung Tür blickten – geschickt. Von den Studenten war sich jeder Einzelne sicher: Alle haben mich angestarrt. Tatsächlich hatten aber nur 20 Prozent der Fremden, das stellte sich danach heraus, die uncoolen Shirts überhaupt bemerkt ...

»Schwächen sind menschlich. Sie verbinden. Emotionen zu haben und sie auch zu zeigen, ist etwas Tolles.«

Senke deinen Status, das ist ein Wundermittel!

ÜBER SICH SELBST LACHEN. Ganz sicher ist Ihnen die Sympathie aller, wenn Sie die Kunst der Selbstironie, die Königsdisziplin, beherrschen. "Voraussetzung ist: Man nimmt sich selbst nicht zu wichtig." Jagersbacher zitiert dazu gerne Arnie Schwarzenegger, der, als er ein Ehrendoktorat erhielt, in seiner Rede sagte: "So viel Applaus habe ich das letzte Mal bekommen, als ich ankündigte, mit der Schauspielerei aufzuhören!" Sofort hatte er das Publikum auf seiner Seite.

KAFFEE TRINKEN. Ein wenig Understatement tut uns im Umgang mit anderen gut. Wenn ich meine eigene Statusposition etwas senke, steigt die Chance emotionaler Nähe enorm an. Wie mache ich das? "Trinken Sie einen Kaffee", rät Jagersbacher. Hä? "Wenn Menschen Kaffee trinken oder eine Zigarette rauchen, führen sie die Hand zum Mund", erläutert der Experte. "Damit signalisieren Sie der Umwelt, dass Sie keine Gefahr darstellen." Der Grund: Berührungen am eigenen Kopf oder im Gesicht wirken statussenkend, ein Erbe aus der Steinzeit. Bei anderen darf man das genau deshalb nicht machen. Wie hat man es als Kind gehasst, wenn einem die Tante in die Wange kniff Jedenfalls: Vorm Kaffeeautomaten oder in Raucherrunden herrscht meist kooperative Wohlfühlstimmung. Und nicht umsonst werden viele gute Geschäfte beim Essen finalisiert. Kaffee, oder überhaupt ein warmes Getränk in der Hand, kann noch mehr: "Mit warmen Händen steigt das Wohlbefinden. So entsteht eine gute Grundlage für das Entwickeln von Sympathie für das Gegenüber." Also drücke auch dem Gesprächspartner schnell ein Tässchen in die Hand!

Wer zu viel Raum einnimmt, den mag ich nicht!

DISTANZ WAHREN! Kein Kaffee der Welt kann jedoch helfen, wenn du folgende Fehler machst: Zu viel Raum einnehmen. Statt breitbeinig mit den Zehen nach außen dazustehen, halten Sie die Füße eng beieinander und die Zehenspitzen nach innen. Wenn du die Arme eng an den Körper legst und nur mit kleinen Gesten agierst, signalisiere einen tieferen Status. Rücke dem anderen nicht auf die Pelle. Halte beim Gespräch genügend Distanz, mindestens eine Armlänge. Sprich nicht bewusst langsam. Langsamsprecher nehmen stimmlich mehr Zeit und Raum für sich in Anspruch. Das zwingt andere, etwas von ihrem Raum abzugeben. Mag keiner!

SCHULD AUF SICH NEHMEN. Und: Ehe du das nächstes Mal die Schuld für irgendetwas jemand anderem zuweist, überlege, was es bringt. Suche lieber nach Ansätzen, auf die du selbst Einfluss hast. Das bringt dich in deiner Entwicklung weiter und macht dich viel liebenswerter. Entschuldige dich auch für deine Fehler! Übrigens: Wolltest du schon immer einen süßen Hund? Argument dafür: Mit ihm schnellt dein Sympathiewert noch mal in die Höhe!

In seinem Buch "Sympathie-Code" (Goldegg) ist Michael Jagersbacher (michael-jagersbacher.at) der Kunst, andere für sich zu gewinnen, nachgegangen. € 19,95.
WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .