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Austropop? Voodoo Jürgens!

Wer auf die Austropopper Wanda abfährt, sollte ihn auch kennen: Voodoo Jürgens! Wiener Dialekt-Pop ist nämlich genau sein Ding. Und: Er steht auf Drama, Tschick und Männer-Dekolleté. Bist du bereit für diesen Mann?

von

Voodoo Jürgens

"Ich gehe in meiner Bühnenrolle immer mehr auf. Ironie und Sarkasmus dürfen dabei natürlich nicht fehlen."

© Wolfgang Bohusch

Silberketterl, weit offenes Hawaii-Hemd, Tschik. "Seawas. Ich bin der Voodoo!" Ob wir ihn gleich auch so nennen sollen? Warum nicht!? Schließlich ist er - David Öllerer, Wiener Dialektpop-Sänger - heute ja als Voodoo Jürgens unterwegs. Da passt's natürlich auch gleich gut, wenn der Herr Ober einen G'spritzten bringt. Prost!

Und dann geht's auch schon los. "Meine Eltern lernten sich auf einem Voodoo-Markt im afrikanischen Togo kennen. In derselben Nacht noch wurde ich gezeugt. Deswegen war es irgendwie klar, dass mein Soloprojekt Voodoo Jürgens heißen muss", erzählt der 32-Jährige. Zu dem "echten" Udo Jürgens sieht er aber, bis auf den Namen, keine Verbindung.

Vor gut eineinhalb Jahren gab er als Voodoo Jürgens sein erstes Konzert am Wiener Nordbahnhofgelände, gespielt hat er auf einem abgebrannten Autowrack. Am Programm standen Akustikgitarre, Silberkette und morbide Geschichten über Strizzis und gescheiterte Existenzen: "Happy-Peppi-Lieder waren noch nie meins. Drama! Das interessiert mich." So verarbeitet der aus Tulln stammende Künstler auch den Gefängnisaufenthalt seines Vaters in einem seiner Songs. Er war damals sieben. Wie das für ihn war? "Na gscheit oarsch! Der Kontakt ist dadurch für viele Jahre abgerissen. Aber man kämpft sich durch."

Und doch gab es ein Happy End: Vor ein paar Jahren gründeten Vater und Sohn eine Wohngemeinschaft. "So haben wir wieder zueinander gefunden. Und uns ausgesöhnt." Mittlerweile sind die beiden so gut, dass Voodoo senior sogar am Cover seines ersten Albums "Ansawoa" zu sehen ist, welches im Herbst erscheint: "Dem taugt meine Musik. Genauso wie meiner Tochter."

Die Siebenjährige durfte sogar schon in ein paar Musikvideos mitspielen - und ist darauf mindestens genauso stolz wie ihr Papa. Wie lässt sich die Familie mit dem prekären Künstlerdasein unter einen Hut bringen? "Es wäre leichter als Musiker, wenn man nicht ständig knapp am Existenzminimum vorbeischrammen würde. Alleine kommt man mit diversen Hilfsjobs schon irgendwie über die Runden. Aber sobald ein Kind da ist, wird 's ernst", weiß Öllerer aus eigener Erfahrung.

Seine Musikerkarriere für ein bisschen Sicherheit zu beenden, kam für den Wiener trotzdem nie infrage. Und es gibt good news: "Seit ein paar Monaten kann ich vom Musikmachen leben. Endlich! Aber schau ma mal, wohin das führt. Selbstzufriedenheit ist ja eh was Grausliches." Mit der Mutter seiner Tochter - sie ist ebenfalls Künstlerin und seit ein paar Jahren "seine Ex" - teilte er sich von Anfang an die Erziehung mit allen Rechten und Pflichten gleichberechtigt auf. "Wir haben unsere Salome gemeinsam gezeugt. Also kümmern wir uns auch beide um sie. Ich bin ja kein Macho! Und schon gar kein Aufreißertyp", lacht er. Beziehungsstatus? "Single. Das muss ich jetzt ja sagen, oder?"

Thema: Musik