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Autor Franzobel und seine Verlobte Maxi
Blaha im WOMAN-Talk: "Heirat muss sein!"

Es ist Nachmittag, und Franzobel alias Stefan Griebl, 42, liegt noch im Bett. Besser gesagt: wieder. Denn in der Waagrechten fallen dem Schriftsteller mit dem markanten Gesicht die besten Satzspielereien ein. Und jetzt, wo er und seine schwangere Verlobte, Schauspielerin Maxi Blaha, 37, in freudiger Erwartung auf den ersten gemeinsamen Sohn sind (Geburtstermin ist Ende Mai), sowieso.


Autor Franzobel und seine Verlobte Maxi
Blaha im WOMAN-Talk: "Heirat muss sein!"
© Heinz Tesarek

„Hereinspaziert“, lächelt Franzobel, streicht sich sein Haar zurecht und führt ins Wohnzimmer der 80-Quadratmeter-Wohnung beim Wiener Naschmarkt. Bis auf ein kakaobraunes Sofa, einen Esstisch mit verschiedenen Stühlen und zwei selbst ge¬malten Bildern steht nichts herum. Von kreativem Chaos keine Spur. „Austoben tun wir uns in unseren Jobs, privat leben wir ziemlich bieder und lieben das!“, erklärt der Chemiearbeitersohn aus Vöcklabruck, der bereits mit Ingeborg-Bachmann-, Nestroy- und Arthur-Schnitzler-Preis ausgezeichnet wurde und am 25. Februar mit „Moser“ im Theater in der Josefstadt Premiere feiert. Wir sprachen mit dem verliebten Couple über Patchwork, Ehe und Arigona Zogaj.

WOMAN: Was hat Sie bewogen, Hans Moser, dem kleinen, kauzigen Mann mit der Nuschelstimme, ein Theaterstück zu widmen?

Franzobel: Er ist eine TV-Ikone, wie das Testbild früher. Ich habe immer Slapstick- und Stummfilme gemocht! Moser war mir früher zu bieder. Erst allmählich habe ich seine Art, wie er Wörter zerkaut, zerbeißt und ausspuckt, zu lieben gelernt. Etwas typisch Österreichisches! Moser hat erst sehr spät Karriere gemacht, war dann aber im Dritten Reich der zweitbestverdienende Schauspieler, obwohl unpolitisch und mit einer Jüdin verheiratet. Und weil der Führer ein Fan von Moser war, schrieb er an Hitler einen Brief und bat ihn darin, seine Blanca, die er über alles liebte, zu verschonen. Bevor er seine Frau traf, war Moser nämlich nur herumgetingelt. Erst sie verhalf ihm zu einer späten, aber großen Karriere. Blanca war es allerdings auch, die sich mit der gemeinsamen Tochter, die nach Buenos Aires geheiratet hatte, einen jahrelangen schmutzigen Erb-streit lieferte. Eine Woche nachdem die Tochter schließlich einen Bruchteil des Millionenvermögens zugeteilt bekommen hatte, ist sie gestorben. Tragisch, aber wahr.

WOMAN: Tragisch, aber wahr ist auch, dass Ihnen die Volkshilfe verboten hat, Arigona Zogaj auf den Opernball auszuführen!

Franzobel: Ja, aber das ist in Ordnung. In meinem Buch über Arigona („Österreich ist schön“) war es nur als Scherz gemeint, aber je länger ich darüber nachdachte, umso besser gefiel mir die Idee. Und Arigona auch! Aber ich habe den Rummel unterschätzt. So wie es ausschaut, hätten uns die Journalisten zerfleischt.

WOMAN: Hätten Sie Arigona auch ihr Ballkleid und den Friseur spendiert?

Franzobel (lacht) : Ja, das wäre sich schon ausgegangen, solange das Kleid nicht von der Preisklasse eines Mittelklassewagens ist. Aber in Österreich neidet man sich ja alles. Ich möchte nicht wissen, wie manche Arigona angefeindet hätten, wenn sie am Ball erschienen wäre. Das erspare ich ihr lieber!

WOMAN: Gute Idee, die Maskerade dort hätte sie vielleicht eh mehr als Strafe empfunden.

Franzobel (lacht) : Gut möglich! Aber sie ist eine 18-Jährige, die Glamour genauso liebt wie jede andere in dem Alter. Und sie hätte die vielen Modepüppchen und Ordenträger bestimmt mit Humor genommen. Arigona ist ja eine sehr spaßige Person!

Blaha: Ich kann mich noch erinnern, als sie bei uns war. Ich habe Speckknödel gekocht. Anfangs war sie zurückhaltend. Sie schaut halt auf ihre Figur. Dabei ist sie wunderschön! Aber dann hat sie eh ordentlich zugelangt, ist sechs Stunden geblieben und hat uns erzählt, dass sie so gern Eis läuft, welche Buben super sind und dass sie für ihr Bauchpiercing extra zunehmen musste, weil sie zu dünn war. Sie hat sich damals sehr wohl gefühlt bei uns.

WOMAN: Franzobel, bald steht bei Ihnen und Ihrer Verlobten Nachwuchs an! Nach Laurenz, 12, Ihrem Sohn aus erster Ehe mit der Künstlerin Carla Degenhardt: Was folgt jetzt?

Franzobel: Wieder ein Sohn! Und wenn das Timing passt, kommt er an Laurenz’ Geburtstag zur Welt! Der Zweitname für den Kleinen – Nepomuk – ist schon fix. Als erster Name stehen momentan Anton und Oskar ganz oben auf der Liste.

WOMAN: Sind Sie bei der Geburt dabei?

Franzobel: Nein. Ich war bei Laurenz dabei, habe also keine Angst vor Blut und Plazenta. Aber es kommt nicht von ungefähr, dass die Entbindung in allen früheren Gesellschaften Sache der Frauen war. Für das Sexleben ist es nicht das Beste, wenn der Mann das sieht.

Blaha: Das sehe ich auch so. Stefan kann eh gleich zum Kleinen, sobald er da ist. Die beiden haben jetzt schon ein inniges Verhältnis. Und dem Ultraschallbild zufolge das gleiche Profil (lacht) !

WOMAN: Wie hat Laurenz auf sein Brüderchen reagiert?

Blaha: Er freut sich riesig, hat gesagt, er wird ihn erziehen! Er ist zweimal die Woche bei uns, und das Patchwork klappt gut. Für mich war es nie ein Problem, dass Stefan ein Kind aus einer vorigen Beziehung hat.

WOMAN: Wollen Sie heiraten?

Franzobel: Ja, standesamtlich noch vor der Geburt und im Sommer kirchlich. Das gehört dazu!

WOMAN: Was für ein Mann!

Franzobel: Danke! Ich will mich vor Familie und Freunden bekennen. Ich brauch nicht cool auf Heiratsverweigerer machen, ich steh zu dieser Frau (lacht Maxi an) . Das mit „lebenslang“ ist wieder eine andere Sache (grinst) . Aber ich finde, dass man im Leben Rituale braucht. Die werde ich auch unserem Sohn vermitteln. Zum Beispiel Religion: Der Glaube an Schutzengel ist für Kinder eine gute Sache. Unser Bub soll christlich aufwachsen, wenn er sich später davon distanzieren will, kann er das eh tun. Aber übertriebene Benimmregeln werde ich ihm ersparen. Er wird also nicht bei Tisch warten müssen, bis alle fertig gegessen haben. Ich esse manchmal auch lümmelnd auf der Couch (lacht) . Uns ist wichtig, dass er eine gewisse Toleranz und den Glauben an sich selbst entwickelt. Nur dann wird er zu einer echten Persönlichkeit! Ich freu mich schon sehr auf ihn! Auch wenn er mich aus meiner Gedankenwelt beim Schreiben rausreißen wird...

WOMAN: Maxi, nervt es manchmal, wenn sich Stefan zuhause so abgrenzt?

Blaha: Nein, es ist ja nicht so, dass er sich wochenlang in ein verrauchtes Kämmerchen zurückzieht, hinterm Stehpult die Schreibfeder schwingt und mir befiehlt „Weiche!“, wenn ich reinkomm (lacht) . Stefan weiß von allein, wenn’s genug ist.

Franzobel: Spätestens wenn ich eine Schreibblockade habe. Dann inspiriert mich Maxi. Es ist fantastisch, was ständig an Wortkreationen aus ihr rauspurzelt.

WOMAN: Sie kennen sich vom Theater. Haben sich aber aus den Augen verloren und bei einer Lesung wieder getroffen. Was ist dann passiert?

Franzobel: Ich habe Maxi gefragt, ob wir uns in der Schweiz treffen. Ich reiste von Polen an, sie von Linz. Und ich war extrem erstaunt, als sie trotz Sturm Emma nach 18 Stunden Anreise tatsächlich vor mir stand. Denn dazwischen hatte sie mir immer Nachrichten geschickt wie „Zwei Stunden Verspätung, aber ich komme trotzdem... vier Stunden Verspätung...“

Blaha: Das macht man auch nur, wenn’s einen ordentlich erwischt (lacht) .

Franzobel: Dann haben wir Champagner getrunken. Und auch wenn das Küssen wegen der Aufregung und Müdigkeit nicht auf Anhieb klappte: Ab diesem Zeitpunkt waren wir zusammen. Ganz ohne Worte.

Interview: Petra Klikovits