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Autounfall: Erste Hilfe schafft zweite Chancen

Schnelle Hilfeleistung bei schweren Autounfällen kann Leben retten. Um im entscheidenden Moment richtig zu reagieren, ist es ratsam, hilfreiche Verhaltensweisen zu verinnerlichen. Hier eine To-do-Liste für den Ernstfall.


Autounfall: Erste Hilfe schafft zweite Chancen
© istockphoto.com

Allein zwischen 1. Jänner und 8. Mai 2016 gab es laut dem Bundesministerium für Inneres 122 Verkehrstote in Österreich. In den Jahren davor waren es mehr. Jeder einzelne ist gefordert, um diese Zahl auch in Zukunft weiter zu senken. Denn bei schweren Unfällen im Straßenverkehr zählt tatsächlich jede Sekunde. Rettungskräfte leisten Großes und arbeiten sich schnellstmöglich zur Unfallstelle vor. Zu oft entstehen aber Verzögerungen: wenn die Rettungsgasse zum Beispiel nicht funktioniert oder wertvolle Zeit verloren geht, bis sie überhaupt erst alarmiert werden. Selbst wenn alles wie am Schnürchen läuft, sind die ersten Minuten bis zum Eintreffen der Profis wertvolle Zeit, die über Leben und Tod entscheiden können.

Der ÖAMTC und seine europäischen Partnerclubs starteten 2012 gemeinsam mit dem Roten Kreuz eine Umfrage im Rahmen des EuroTest-Programms. Autofahrer in 14 Ländern wurden in puncto Erster Hilfe auf die Probe gestellt. Nur 15 % der Österreicher wussten, was zu tun ist. Damit liegen wir unter dem europäischen Durchschnitt mit 18 %.

Ein Erste-Hilfe-Auffrischungskurs beim Roten Kreuz ist eine kleine Aufgabe und kann so viel bewirken. Erste Hilfe für die Erste Hilfe gibt’s hier mit unserer To-do-Liste zu den wichtigsten Punkten.

To-do 1: Hol Hilfe!

Die oberste Priorität besteht darin, die Rettungskette möglichst schnell in Gang zu setzen. Der Euro-Notruf 112 ist in allen EU-Mitgliedstaaten der direkte Draht, um schnelle Hilfe für den Notfall anzufordern. In Österreich wird der Euro-Notruf von der Polizei betrieben. Die 144 verbindet hingegen direkt mit der Rettung.

Ideal sind an dieser Stelle moderne Telematik-Systeme. Ab 2018 wird der eCall verpflichtendes Tool für alle Neuwagen sein. Schon jetzt statten Automobilclubs und servicestarke Versicherungen ihre Kunden mit smarter Technik aus, die im Ernstfall viel bewirkt. So stehen mit Allianz Drive oder Uniqa SafeLine Telematik-Lösungen zur Verfügung, die per Notfall-Knopf eine schnelle Verbindung zur jeweiligen Service-Zentrale herstellen. Der Emergency Button kann manuell betätigt werden, bei einem Aufprall wird die Verbindung zur Zentrale automatisch hergestellt. Bei ausbleibender Entwarnung wird dann sofort Hilfe entsendet – und zwar zur exakt lokalisierten Unfallstelle. Wer also ein entsprechendes System in seinem Auto hat, nutzt es und spart sich so die oft uneindeutige Ortsangabe. Die Rettungskette wird durch die exakte Ortung per GPS deutlich beschleunigt.

To-do 2: Sichere die Unfallstelle!

Die Wichtigkeit dieser Aufgabe darf nie unterschätzt werden. Denn was bleibt, wenn ein Unfallopfer zwar wiederbelebt wurde, aber bei einem Auffahrunfall gemeinsam mit dem Helfer und weiteren Involvierten ums Leben kommt. Diese Rechnung möchte niemand von uns zu Ende führen. Deshalb gilt es, zunächst die Unfallstelle per Warndreieck abzusichern – vorausgesetzt natürlich der Wagen oder Trümmer davon befinden sich auf der Fahrbahn. Erst dann kümmern wir uns um die Verletzten.

To-do 3: Starte die Herz-Druck-Massage!

30-mal Druck auf den Brustkorb ausüben, 2-mal Luft in die Lungen blasen und das im Wechsel bis der Bewusstlose wieder zu sich kommt. Das ist zu tun, wenn Verletzte nicht mehr von alleine atmen. Ob dies der Fall ist oder ob doch noch schwache Atmung vorhanden ist, checkt man am besten, indem die eigene Wange an Mund und Nase des Verletzten gehalten wird. Ist die Atmung aufrecht, das Bewusstsein aber getrübt, dann profitiert die Person von der stabilen Seitenlage. So kann sie beispielsweise nicht an Erbrochenem ersticken.

To-do 4: Versorge stark blutende Wunden!

Befindet sich die Wunde an Armen oder Beinen sollte das entsprechende Körperglied hochgelagert werden. Das mindert die Blutung. Worauf es nun in erster Linie ankommt: Druck ausüben auf die Wunde. Ein lasch gewickelter Verband hilft wenig. Wenn eine feste Bandage nicht gelingt, presst der Helfer am besten das Verbandszeug mit der Hand fest auf die Wunde. Wenn professionelle Hilfe unterwegs ist, ist das Drücken auf die Wunde mit sauberem Verbandszeug per Hand ohnehin die erste Wahl. Durchhalten und Leben retten!

To-do 5: Zeig deine menschliche Seite!

Beruhigende Worte sind Balsam auf der Seele und mindern die psychische Belastung. Von einer besonnenen Stimme zu erfahren, dass jemand da ist und Rettungskräfte unterwegs sind, tut immer gut. Niemand ist gern allein – schon gar nicht in einer Notlage. Zeigt das Unfallopfer Anzeichen eines Schocks, dann gilt es, die Beine hochzulagern, damit lebenswichtige Organe mit Blut versorgt werden. Auch eine Decke ist hilfreich, da Personen im Schockzustand oft rasch auskühlen.

Erste Hilfe zu leisten, ist eine gesetzliche Verpflichtung – zum Glück darüber hinaus auch ein inneres Bedürfnis. Wir müssen uns nur trauen!

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