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Wie Ayurveda dein Leben verbessert

Du willst, dass dein Verdauungssystem wieder optimal funktioniert? Die Lösung könnte Ayurveda sein. Wir haben mit der Expertin über die indische Gesundheitslehre gesprochen.

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Ayurveda Ernährung

Bereits kleine Veränderungen können Großes bewirken!

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Ayurveda wird seit mehr als 5.000 Jahren praktiziert. Seine Wurzeln kommen aus dem traditionellen Medizinsystem Indiens. War diese Ernährungs- und Lebensform hierzulande vor einigen Jahren noch fast unbekannt, so gibt es heutzutage immer mehr medizinische Ansätze daraus. Doch was ist so besonders an Ayurveda? Und kann man im westlichen Raum überhaupt nach den ayurvedischen Prinzipien leben? Wir haben mit Tamara Ranzenberger-Haider, die seit 10 Jahren als erfolgreicher Ernährungscoach arbeitet, über eine Gesundheitslehre gesprochen, die unsere Verdauung und damit unser Wohlbefinden optimieren soll.

WOMAN: Was heißt eigentlich „Ayurveda“?
Tamara: Das Wort Ayurveda leitet sich aus dem Sanskrit ab und bedeutet wörtlich „das Wissen vom Leben“. Ayurveda ist eine der ältesten Wissenschaft, die der altindischen Hochkultur entstammt und vor etwa 5000 Jahren schriftlich festgehalten wurde.

WOMAN: Kann man Ayurveda als Gesundheitslehre betrachten?
Tamara: Das Wissen der ayurvedischen Medizin beinhaltet ein komplettes Diagnose- und Therapiesystem. Der Ayurveda zählt zu den durch die WHO anerkannten medizinischen Wissenschaften. Besonders beeindruckend ist der präventive Ansatz, das heißt Krankheit durch eine typgerechte Lebensweise erst gar nicht entstehen zu lassen.

Ayurveda Ernährung

WOMAN: Ist die ayurvedische Ernährung für jeden Menschen geeignet?
Tamara: Hier würde ich sehr gerne einen Vergleich zwischen einem Feuer und unserer Ernährung bringen. Wir haben ein schön, loderndes Lagerfeuer gemacht. Nun legen wir zu viel Holz auf das Feuer. Was passiert? Es geht aus. Legen wir das auf unsere Ernährung um: Wenn wir zu viel essen, legen wir unsere Verdauung lahm, wir überfordern sie. Aus ayurvedischer Sicht löschen wir das Verdauungsfeuer. Die Ernährungsempfehlung würde lauten: nicht zu viel essen, um das Feuer weiter brennen zu lassen. Besser man legt kleine Holzstücke nach. Auf die Ernährung gemünzt meint dies, dass wir gut Kauen und den Nahrungsbrei einspeicheln sollen.
Nun kommt eine starke Windböe und unser Feuer geht aus. Wenn wir mit zu viel Hast und im Stress essen, geht unser Verdauungsfeuer aus. Würden wir viel Wasser über unser Feuer gießen, geht es auch aus. Genauso ist es bei unserem Verdaungsfeuer. Somit sollten wir vor, während und nach den Mahlzeiten nur wenig Flüssigkeit zu uns nehmen. Diese Regeln können von jedem Menschen eingehalten werden – so funktioniert Ayurveda.

Natürlich wird bei der Ernährungsberatung genau auf die individuelle Konstitution eingegangen. Die Empfehlungen sind eine Mischung aus täglichen Routinen (z.B. ein Glas warmes Wasser nach dem Aufstehen), allgemeinen Empfehlungen (z.B. Milch sollte am besten alleine eingenommen werden) und speziellen Empfehlungen.

WOMAN: Und für Kinder?
Tamara: Am Speiseplan von Kindern dürfen frische Nahrungsmittel, die leicht verdaulich zubereitet und in liebevoller Atmosphäre mit der Familie eingenommen werden, nicht fehlen. All das bieten ayurvedische Empfehlungen.

WOMAN: Wie wirkt sich die Ernährungsweise auf den Körper und Geist aus?
Tamara: Jeder Konstitutionstyp (Welcher Dosha-Typ bist du?) neigt zu bestimmten Beschwerden und hat damit spezifische Eigenschaften und Neigungen, die sich im Lebensstil und in den Ernährungsgewohnheiten widerspiegeln.
Sehr luftige Menschen, die leicht den Boden unter den Füßen verlieren und leicht aus dem Konzept zu bringen sind, haben nach ayurvedischer Sicht viel Trockenheit und Kälte im Körper und können symptomatische Störungen wie Nervosität, Blähungen, Immunschwäche oder Beschwerden des Bewegungsapparats zeigen. Warme, gekochte und feuchte Nahrungsmittel – wie sämig gekochte Suppen, Reisgerichte oder süße Früchte werden hier zum Ausgleich empfohlen.
Menschen, die unter Dauerstress stehen, und fast „abbrennen“ neigen zur Ansammlung von Hitze und Säure im Körper. Sodbrennen, Durchfall, Hautbeschwerden und Entzündungen aller Art können die Folge sein. Hier helfen alle süßen und bitteren Speisen wie Wurzelgemüse und Salat sowie Gewürze (Kurkuma, Kardamom und Koriander).

Neben wertvoller Vitalenergie schenken Nahrungsmittel dann auch physische Gesundheit, eine zufriedene Seele und einen klaren Geist.

WOMAN: Heißt Ayurveda automatisch vegetarisch oder vegan?
Tamara: Oft wird ayurvedisches Essen als eine vegetarische oder auch vegane Ernährung, die vor allem aus Reis, Dal und Gemüse besteht, gesehen. Tatsächlich zählen saftig gekochte Reisgerichte, Hülsenfrüchte und fein gewürzte Gemüsecurrys zu den Lieblingsmenüs der Ayurveda-Küche.
Eine ausgewogene ayurvedische Mahlzeit zeichnet sich durch möglichst große Vielfalt und gute Verträglichkeit aus. Die Zutaten werden entsprechend der individuellen Konstitution ausgewählt, wobei neben Früchten, Gemüse und Getreide auch Milch oder Fleisch aufgeführt werden. Dementsprechend ist die ayurvedische Ernährung nicht automatisch mit einer vegetarischen oder veganen Kost gleichzusetzen.
Und doch essen die meisten Ayurveda-Anhänger rein vegetarisch, da der Verzicht auf Fisch, Fleisch und Eier eine sehr positive Wirkung auf das psycho-mentale Gleichgewicht und auf die spirituelle Entwicklung hat.

WOMAN: Was, wenn man nur wenig Zeit hat zum Kochen? Kann man sich trotzdem nach Ayurveda ernähren?
Tamara: Die ayurvedische Ernährung ist nicht dogmatisch, was die Auswahl an Nahrungsmitteln betrifft. Fast alle Speisen können mit der richtigen Zubereitung und zur passenden Zeit gegessen werden.
Gewisse Nahrungsmittel-Kombinationen sollten vermieden werden. Milch sollte am besten alleine eingenommen und keinesfalls mit Fisch, Fleisch, Eiern, Wurst, sauren Früchten, Rettich oder Wassermelone kombiniert werden, da das Verdauungsfeuer diese Kombinationen nicht aufspalten kann. Genauso ist es bei der Kombination von Käse und fermentierte Milchprodukte mit Zitrusfrüchten, Tomaten, Beeren oder Banane.

Ein entscheidendes Thema ist die Menge. Um die richtige Menge angemessen abzuschätzen, müssen wir auf die individuelle Stärke des Verdauungsfeuers achten: Je schwächer der Stoffwechsel arbeitet, umso kleiner sollten die Mahlzeiten ausfallen, da sonst das Verdauungsfeuer erlischt. Als Orientierungshilfe für die richtige Menge: unser Magen kann ungefähr so viel aufnehmen, wie in zwei Hände passt.

Das um und auf ist ein regelmäßiger Essrhythmus von zwei bis drei Mahlzeiten am Tag. Gegessen wird erst wieder, wenn die vorhergehende Mahlzeit vollständig verdaut ist. Zwischenmahlzeiten sollten vermieden werden.

WOMAN: Welches Frühstück empfiehlst du uns?
Tamara: Morgens haben wir ein schwaches Verdauungsfeuer. Somit empfehle ich ein kleines und leichtes Frühstück. Das kann ein warmer Getreide(milch)brei mit gedünsteten Obst oder getoastetes Brot mit Butter und Honig oder Marmelade sein.

Im Gegensatz dazu sollte Mittags die Hauptmahlzeit eingenommen werden, da dann die Verdauungskraft am stärksten ist.

WOMAN: Wie sieht dein Tagesablauf aus?
Tamara: Mit meinem Mann und unseren zwei kleinen Söhnen ist der Alltag schon recht turbulent. Allerdings gibt es ein paar ayurvedische Routinen, die ich täglich durchführe:
1. Nach dem Aufstehen und noch vor dem Zähne putzen, trinke ich ein Glas warmes Wasser und schabe meine Zunge mit einem umgedrehten Esslöffel ab.
2. Ich frühstücke mit meinen Kindern meist ein getoastetes Brot mit Butter und Marmelade. Bis Mittags trinke ich 3-4 Gläser Wasser.
3. Zu Mittag wird warm und reichlich gegessen. Wenn ich nicht selbst kochen kann, habe ich Gewürze in der Tasche, um das Essen im Restaurant für mich verdaulich zu machen.
4. Am Nachmittag gönne ich mir einen Milchkaffe
5. Abends gibt’s eine Suppe oder eine kleine Speise – wenn möglich warm. Und wenn der Tag sehr aufreibend war, mache ich mir eine Gewürzmilch, um erholsam schlafen zu können.

Ayurveda Tagesablauf

WOMAN: Welche Produkte sollten in der Küche niemals fehlen?
Tamara: Einer der Klassiker der ayurvedischen Küche ist Ghee (geklärte Butter).
Frisches Obst und Gemüse nach der Saison dürfen in keiner Küche fehlen.

Kräuter und Gewürze immer griffbereit halten:
Basilikum (verdauungsanregend und Schleim reduzierend), Zimt (regt die Verdauung an), Thymian (krampflösend und hustenreizlindernd), Pfefferminze ( beruhigende, klärende Wirkung, entspannt und erfrischt), Oregano (verdauungsfördernd), Ingwer (verdauungsanregend), Kurkuma (blutreinigend), Kreuzkümmel / Cumin (nimmt Blähungen).

Da der Sommer vor der Tür steht, gebe ich ein noch ein paar Tipps für kühlende Nahrungsmittel):
Gurken, Kokosnüsse, Melonen, bittere Gemüsesorten und Kräuter wie Artischocken, Chicorée oder Blattspinat, frische Minze, Koriander, Kardamom, Fenchel und Kurkuma

Goldene Milch ist gesund - Rezept

WOMAN: Bekommt man die Produkte auch im normalen Supermarkt?
Tamara: In gut sortierten Supermärkten erhält man mittlerweile alle Gewürze und Produkte.
Frischere Ware und das schönere Einkaufserlebnis hat man natürlich beim Einkauf am Markt oder direkt beim Produzenten.

WOMAN: Welche Rolle spielt dabei Bio-Qualität?
Tamara: Grundsätzlich empfiehlt Ayurveda, regionale Nahrungsmittel zu bevorzugen. Ich interpretiere das so: Regionalität vor Bio – Bio vor konventioneller Ware.

WOMAN: Wann ist die beste Zeit für das Abendessen?
Tamara: In etwa drei Stunden vor dem Schlafengehen, eine leichte, warme Mahlzeit.

WOMAN: Gibt es in Wien eigentlich ayurvedische Restaurants?
Tamara: Ein rein ayurvedisches Restaurant kenne ich nicht. Aber gerade in vegetarischen Restaurants werden viele ayurvedische Gerichte angeboten. Und natürlich haben die indischen Restaurants viele Gerichte à la Ayurveda.

Tamaras Lieblingsrezept: Khichari mit Gemüse

Zutaten:
100g Basmatireis
50g Mungbohnen
1 Karotte
½ Fencheknolle
2 TL Ghee
1 dünne Scheibe frischen Ingwer
1 TL Cuminsamen
1 MS Chili
½ TL Koriander gemahlen
½ TL Kurkuma
½ TL Salz
frisches Basilikum

Zubereitung:
Ghee in Topf erhitzen und Gewürze anrösten. Gemüse kurz anbraten und Reis-Dal-Mischung zufügen. Mit 500 ml Wasser aufgiessen und zum Köcheln bringen (rühren). Salz hinzufügen und in geschlossenem Kochtopf 30 Minuten sanft köcheln. Dann Basilikum dazu.

Weitere Infos findest du auf der Seite von Ernährungscoach Tamara Ranzenberger-Haider: www.ernaehrungsbewusstsein.at

Thema: Ernährung