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Nein, ich stille mein Baby nicht!

Es ist wirklich nicht einfach: In der Öffentlichkeit ist es immer noch ein Tabu und es allzu lange zu tun, wird ebenso als seltsam angesehen. Aber es gar nicht zu machen, wird noch strenger verurteilt! Daher hat sich Jen, Mutter von zwei Kindern, hier ihren Ärger über das Stillen von der Seele geschrieben, um Neu-Mamas Mut zu machen und das schlechte Gewissen zu lindern.

Kommentare: 11

Baby mit Milchflasche
© istockphoto

Anfangen sollte ich wohl mit den Fakten: Ich stille bei meinem zweiten Kind nicht. Dies hat mehrere Gründe, einer davon ist mein gesundheitlicher Zustand während der Schwangerschaft. Weiters die Tatsache, dass mir vor der Geburt vom Frauenarzt davon abgeraten wurde und außerdem hatte ich einfach keine Milch. So, nun ist es raus: Die Kuh aka die Neu-Mama hatte keine Milch. Vom Arzt vorausgesagt, wurde ich im Spital belächelt. Ich wurde in den sieben Stunden, die ich im Spital war circa 20 Mal gefragt, ob ich nicht doch stillen möchte und das von fünf verschiedenen Personen. Nein, ich möchte nicht. Nein, ich kann nicht. Ja, mein Baby überlebt auch so.

Der psychische Druck, der hier - kurz nach der Entbindung - auf einen einprallt, ist nicht zu beschreiben. Ich habe Mütter gesehen, die weinend in Ecken saßen, weil sie einfach nicht stillen konnten und Schwestern auf sie einredeten: "Aber das Kind braucht das.", "Liebst du dein Kind nicht?" oder "Willst du nicht das Beste?".

Die Still-Mafia ist überall. In Spitälern, in Wartezimmern, auf Spielplätzen. Witzigerweise hatte weder der Kinderarzt noch die Hebamme Einwände gegen das "Ich stille nicht". Denen war das irgendwie wurscht. Einzig und allein die Krankenschwester im Spital war irrsinnig erbost und danach auch wirklich sehr unhöflich und gemein. Da ich um 14:00 Uhr bereits entlassen wurde (das Kind kam um 07:09 Uhr) war mir das eigentlich recht egal. Aber nur, weil ich was das betrifft ein dickes Fell habe, heißt das nicht, das es jede Frau so locker schluckt. Ich habe viele Freundinnen, die darunter sehr litten und dadurch sogar Panik vor dem zweiten Baby hatten.

Warum Nicht-Stillen auch okay ist

So, da wir nun wissen, dass viele fürs Stillen sind, möchte ich nun allen, die nicht wollen, nicht können oder einfach wissen wollen, was am Nichtstillen (für mich) gut ist, meine positiven Aspekte aufzählen:

1

Du hast deinen Körper wieder ganz für dich:
Ja, 40 Wochen sind eine lange Zeit und ja, es gibt nichts Schöneres als seinen Körper wieder für sich zu haben. Egal, ob die Schwangerschaft schrecklich oder ein Traum war, einfach mal nur auf sich zu achten ist toll und sollte auch genossen werden. Gerade im Wochenbett muss man Energie tanken und stillen kann einen diese wirklich kosten. Ich war nach der Geburt regelrecht happy wieder nur auf mich zu schauen, mich ganz mir zu widmen und ja, auch mal einen Tag nix zu essen.

2

Jeder kann das Baby füttern:
Was eine irrsinnige Erleichterung im Alltag ist. Egal ob man wieder arbeitet, zu Hause ist, im Urlaub oder unter Freunden. Der Partner kann auch mal in der Nacht aufstehen oder tagsüber aufpassen, Tante und Omis können hier noch zusätzlich Bindung aufbauen. Das Kind ist so überhaupt nicht abhängig von Mama, denn die Milchbar kann jeder, der ein Fläschchen halten kann, übernehmen. Vor allem im Wochenbett, wo man ja meist eher geschwächt ist, aber ebenso beim ersten Friseurbesuch nach der Schwangerschaft, den man sich unbedingt gönnen sollte, ist das einfach toll.

3

Du rinnst nicht aus...
Dinge, die einem niemand sagt: Man rinnt, wenn man stillt sozusagen ständig aus. Stilleinlagen sind hierbei der beste Freund, ich hab meine damals aber oft (wirklich oft) vergessen. Egal, ob mit oder ohne, es rinnt. Entweder, weil die Brüste voll sind und das Baby gerade schläft oder aber ein fremdes Baby oder eine Katze schreit (true story). Ich bin nicht nur einmal im Kino mit nassem Top gesessen, weil im Film ein Baby vorkam.

4

Wenn das Baby alles wieder auskotzt, ist es dir wurscht:
Ehrlich, als mein erstes Kind meine mit Liebe und viel Kraft produzierte Milch wieder auskotzte, machte mich das fertig. Erstens weil man nicht so schnell nach produziert und zweitens war es ja echt viel Arbeit. Beim zweiten Kind machen wir einfach ein neues Flascherl, leere Milchbar gibt's nicht. Es ist immer genug da, es ist immer schnell fertig.

5

Du musst in der Öffentlichkeit nicht blank ziehen:
Ja, stillen ist vollkommen natürlich. Ja, es gibt Stillräume. Aber ich weiß aus Erfahrung, irgendwann kommt der Moment, wo jeder Raum zu weit weg ist, dein Kind einfach Hunger hat, du rinnst wie ein Wasserfall und es dir einfach egal ist! Auch wenn man das nicht als negativen Aspekt des Stillens sehen sollte, es nicht tun zu müssen oder gar in die Situation zu kommen, ist ein klarer Vorteil.

6

Du kannst dein Kind wirklich überall füttern:
Es heißt zwar, man kann sein Kind beim Stillen überall füttern, aber wenn man es nicht tut, funktioniert das wirklich. Auto? U-Bahn? Kein Problem. Man muss nicht stehen bleiben und mit viel Glück ist man bevor man ankommt bereits fertig mit dem Füttern.

7

Deine Nippel bleiben heil:
Stillen schmerzt. Wenn auch nicht immer, wenn auch vielleicht nicht lang, aber am Anfang tut es wirklich wirklich sehr weh. Selbst wenn es ein tolles Gefühl ist, einfach nur so sein Baby im Arm zu halten und zu füttern, ist es genauso toll und verläuft doch meist ohne Tränen!

8

Du musst NIE eine Milchpumpe benutzen:
Das wohl Erniedrigenste am Stillen war für mich das Abpumpen der Milch. Dies geschah meist, wenn wir gerade allein unterwegs waren oder ich zu viel hatte und war wirklich kein Glanzmoment in meinem Leben. Ich saß am Klo im Restaurant oder Kino. Sogar im Auto musste ich zur Pumpe greifen. Leider gibt's keine Alternative, denn selbst wenn es rinnt, lindert es die Schmerzen nicht. Ich weiß nicht wieso, aber ich hab mich noch nie so wie ein Tier, wie eine Maschine, die einfach nur dazu da ist, um einen Menschen zu ernähren, gefühlt. Es dauert irrsinnig lange und wenn man mal sieht, wie viel da dann raus kommt, fragt man sich ob das wirklich alles wert war.

9

Du hast mehr Zeit:
Stillen dauert. Lange. 30-40 Minuten irgendwo sitzen und ein kleines Wesen füttern kann sehr langweilig sein und eben viel Zeit kosten. Und ja, die gewonnene Zeit investiere ich lieber in Kuscheleinheiten mit beiden Kids, Spielen oder Blödeln. Und ja, im Alltag mit zwei Kindern und Job sind 4 Stunden alleinige Fütterungszeit für ein Baby schwer unterzubringen.

10

Du kannst essen, was du willst:
Gerade beim Stillen muss man irrsinnig darauf achten, was man isst. Zeitweise sogar noch mehr, als in der Schwangerschaft. Das kleine Wesen bekommt von fast allem Blähungen. Dieser Faktor fällt total weg. Ich weiß nicht, ob es beim zweiten Kind ein Einzelfall ist, aber sie hat fast gar keine Koliken. Mein erstes Kind hat darunter sehr gelitten, obwohl ich extrem auf meine Ernährung geachtet habe.

Auch wenn Stillen für mich bei Baby Nr. 1 eine tolle Erfahrung war, die ich nicht missen möchte, sehe ich jetzt, da ich nicht stille, die Welt klarer. Der Alltag ist einfacher, machbarer. Man stinkt nicht nach ranziger Milch, man hat weniger Flecken auf der Kleidung. Man ist mehr eine eigenständige Person, als jemand der an 60 Zentimeter Baby gebunden ist. Es klingt vielleicht für viele egoistisch, aber ich bin froh, auch diese Erfahrung machen zu dürfen, um einfach beide Seiten zu entdecken und zu verstehen.

Ich hoffe, ich habe mit diesen Gedanken der einen oder anderen geholfen - habt kein schlechtes Gewissen: Jedes Baby wird groß, egal ob mit oder ohne Muttermilch. Gönnt euch eine Portion Sushi und relaxt!

Mehr von Jen liest du auf ihrem Blog Goldmarie und Co.

Thema: Eltern

Kommentare

Autor

Der Artikel hilft nicht stillenden Müttern (aus welchem Grund auch immer), kurz das schlechte Gewissen, dass sie dank militanter Stillverfechterinnen haben, auszublenden und auch mal die Vorteile des Nichtstillens zu geniessen. So what?

Autor

Ich bin generell und war auch in der Schwangerschaft und während der Geburt nicht zimperlich, aber Stillen war 6 Wochen der Horror für mich - Abgesehen von den blutenden Brustwarzen und der immer wieder kehrenden Mastitis, fühle ich mich entblösst unwohl. Ein Kind spürt das. Nun sind wir beide glücklicher. Das IST ein Argument.

Autor

Es ist eine leider nicht zu selten vorkommende Anmaßung an der Liebe nicht stillender Mütter zu ihren Kindern zu zweifeln oder an ein Desinteresse an deren Gesundheit mitzumassen.
Für ein glückliches Kind braucht es aber nun mal eine glückliche Mutter.

El Sa

Soll jeder machen wie er/sie will. Aber ich finds doch bedenklich, dass sie sich freut mal einen Tag nichts essen zu müssen!

Nina von Lindern

Himmel, Herrgott, ich habe mich immer für tolerant bei dem Thema gehalten und mir ist es völlig schnuppe wer, wie, wann, wo, wie lange oder auch nicht stillt. Aber diese Auflistung von Vorteilen kommt mir doch ein wenig an den Haaren herbeigezogen vor. Möchte mal die Autofahrern sehen, die ne Flasche während der Fahrt gibt. Und die Formulierung zum Thema klarer sehen ist ziemlich daneben.

Nina Abel

Ganz ehrlich? Wenn man nicht stillen will, ist es eine sache und jedem selbst überlassen! Wenn man aber so einen (sorry) bullshit verbreitet, anstatt sich wenigstens ein bisschen xu erkundigen eine ganz andere!

Nina Abel

Mal abgesehen davon, dass gründe wie: den körper wieder für sich haben, jeder kann das baby füttern und wenn das baby alles auskotzt ist es dir wurst, einfach nur egoistisch sind und sich die frage aufträngt, wofür man da kinder in die welt setzt!

Nina Abel

Man kann essen was man will! Es ist längst widerlegt, dass eine frau wenn sie stillt auf bestimmte lebensmittel verzichten muss. Selbst alkohol wäre in humanen mengen erlaubt!

Nina Abel

Man muss keine milchpumpe benutzen. Wozu? Wegen zuviel milch? Je mehr die brust stimuliert wird, desto mehr milch wird produziert. Pumpen ist also eher kontraproduktiv!
Stillen dauert lediglich anfangs etwas länger. Wenn das baby etwas größer ist, sind 5 min keine seltenheit!

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