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“Kein Baby braucht Superfood!”

Ein tragischer Tod im Namen der Gesundheit: Ein Baby in Belgien starb an den Folgen einer Superfood-Diät. Wir haben eine Ernährungswissenschaftlerin gefragt, welche Ernährungstrends Kindern schaden können.

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Kein Baby braucht Superfood

Pflanzliche Milch ist für Babys ausgeschlossen.

© istockphoto.com

Goji-, Acai- und Aronia-Beeren - in ihnen sollen enorme Mengen Antioxidantien schlummern, die kurz gesagt gegen Zellschäden im Körper wirken. Damit zählen sie zu der It-Gang der sogenannten Superfoods, also Lebensmittel denen fast schon magische Eigenschaften nachgesagt werden. Und obwohl die positive Wirkung von Spirulina, Ingwer und Co. sicherlich ihre Berechtigung hat, darf man diese Lebensmittel nicht unterschätzen - vor allem, wenn man sein Kind damit ernähren möchte.

So schockierte der Tod des kleinen Lucas aus Belgien besonders, als sich herausstellte, dass der sieben Monate alte Säugling an den Folgen falscher Ernährung starb. Dabei handelte es sich aber keinesfalls um einen Fall der Verwahrlosung, sondern genau dem Gegenteil: Die Überfürsorglichkeit der Eltern kostete Lucas sein Leben.

»Pflanzliche Milch ist für Babys ausgeschlossen.«
Stillen

Lucas war laut seinen Eltern ein fröhliches und normales Baby, nur mit der Ernährung hatte er so seine Probleme. Doch anstatt zum Arzt zu gehen, diagnostizierte das Paar eigenmächtig eine Gluten- und Laktoseintoleranz. Sie suchten nach einer Möglichkeit, die Mutter- und Folgemilch zu ersetzen und fanden im Naturkostladen nach etwas, das sie als perfekte Lösung sahen: Pflanzlicher Milchersatz aus Buchweizen, Quinoa und Hafer.

“Pflanzliche Milch ist für Babys ausgeschlossen", erklärt Astrid Draxler. Sie ist Ernährungswissenschaftlerin in Wien und spricht sich entschieden gegen das sogenannte Superfood als Kinderernährung aus. “Kein Baby braucht Superfood. Wichtig ist vielmehr eine abwechslungsreiche, regionale und saisonale Ernährung. Das Immunsystem eines Kindes wird maßgeblich durch das Essen geformt, deshalb sollten auch unbedingt Fisch und Fleisch auf der Speisekarte stehen. Natürlich erst, wenn der Säugling schon an Beikost gewöhnt ist.”, ergänzt die Wissenschaftlerin. Davor ist es für ein Kind immer am besten, wenn es, nach Möglichkeit der Mutter, gestillt wird.

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Eine ärztliche Meinung einzuholen kann lebensrettend sein.

“Dass ein so kleines Kind an Laktoseintoleranz leidet, kommt sehr selten vor. Vor allem bei Muttermilch ist dies wirklich nie der Fall.” Wenn in einer Familie dennoch erhöhte Anfälligkeit für Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten herrscht, kann man dem Baby auch hyperallergene, statt normaler Folgemilch geben. “In jedem Fall sollte man sich aber immer von einem Arzt beraten lassen, am besten bevor man an seinem Kind herumprobiert.”

Ins Krankenhaus fuhren die Eltern von Lucas schließlich auch, als das Baby nur noch erbrechen konnte. Doch da war es leider schon zu spät: Dehydriert und unterernährt verstarb Lucas. Den Eltern drohen nun 18 Monate Haft, jedoch verweist die Verteidigung darauf hin, dass das Paar noch drei gesunde Töchter zuhause hat. Hoffentlich wird das Ehepaar bei den Mädchen besser auf deren Ernährung achten.

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