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Baby und Beruf – ein Ding der Unmöglichkeit?

Mamabloggerin Susanne will nicht "Head of Superwichtig" werden. Aber mit Kind erscheinen plötzlich auch die geringsten Karriereideen als Hirngespinst.

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Baby und Beruf – ein Ding der Unmöglichkeit?
© iStockphoto

Ich bin kein Mensch, der von hochfliegenden Karriere-Aussichten oder massig Geld motiviert wird. Ich will weder Head of Superwichtig werden, noch monatlich Millionen aufs Konto überwiesen bekommen. In erster Linie sollte mir mein Job halbwegs Spaß machen und die Rechnungen bezahlen. Gut, meine zahlreichen (Da)Neben-Jobs und Ferialpraktika haben mich gelehrt, dass ich weder als Berufsverpackerin von Hundekauröllchen noch als Buskartenverkäuferin am Park&Ride-Parkplatz glücklich werde, aber will sagen: Meiner Meinung nach habe ich keine übertrieben fantastischen Erwartungen an einen Job.

»Wie, Sie wollen mit Kind keine 40 Stunden arbeiten?«

Kaum hat man ein Kind, werden jedoch die scheinbar geringsten Anforderungen plötzlich zum dreisten Hirngespinst. Wie, Sie wollen keine 40 Stunden arbeiten? Und auch noch etwas machen, das Sie gelernt haben? Spontan am Wochenende nach Wladiwostok schicken dürfen wir Sie auch nicht? Also bitte, hätten Sie vielleicht auch gern noch ein Einhorn statt dem Firmenwagen?!

Viele Mamas da draußen werden jetzt wissend nicken, aber ich war ehrlich gesagt diesbezüglich lange Zeit sehr blauäugig. Schließlich hatte ich eine entsprechende Ausbildung, war halbwegs gut in dem, was ich tat und mullte (ein Zwitterwesen aus musste und wollte) bereits nach nur einem Jahr Karenz wieder arbeiten gehen – wo sollte da das Problem liegen, nur weil ich dann ein paar lächerliche Wochenstunden weniger zur Verfügung stehen würde?

Ein Jahr nach Geburt meines eigenen Kindes sah die Welt allerdings auch für mich anders aus. In meinen alten Job konnte ich nicht mehr zurück, weil dort kompromisslos keine Möglichkeit bestand, an nur zwei Tagen die Woche zu arbeiten. Und ein neuer Job schien ungefähr so unerreichbar zu sein wie ein Lotto-Sechser. Es war nicht so, dass es keine Angebote in meinem Bereich gegeben hätte, bei manchen davon passte mein Profil sogar wie die Faust aufs Auge, doch sobald ich beim Vorstellungsgespräch das Wort „Teilzeit“ in den Mund nahm, sahen mich alle an, als hätte ich gerade um einen goldenen Bürostuhl mit Discobeleuchtung gefragt. Wie, nur 15 Stunden? Und der Rest?!

Ich konnte mir den Mund fusselig reden, dass ich eine äußerst effiziente und schnelle Arbeitsweise hätte und mir sehr wohl vorstellen könnte, das veranschlagte Pensum in zwei Tagen zu schaffen – sobald das böse T-Wort ausgesprochen war, wurden bei meinem Gegenüber automatisch die Ohrmuscheln eingeklappt. Es ist nicht so, dass ich die Firmen dabei nicht auch ein bisschen verstehen könnte. Da ist eine, die ist nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit unter meiner Kontrolle, da ist dann dauernd das Kind krank oder sie muss zum Weihnachts-Krippenspiel oder, Gott bewahre, sie kommt überhaupt noch auf die Idee, dass sie auch noch einen zweiten Fratz möchte.

Mütter wissen, wie man sich nervenstark die Zeit einteilt

Wenn man wie ich jahrelang in 40-Stunden-Anstellungen gearbeitet hat, kann man aber über solche Argumente bestenfalls milde lächeln. Kein Mensch ist die 40 Stunden, die er im Büro ist, wirklich produktiv. Ich habe Kollegen erlebt, deren Verhältnis von Kaffeepause zu Arbeitszeit pro Woche bei 90:10 lag oder die sich unter dem Deckmantel der „Kreativrecherche“ stundenlang Youtube-Videos ansahen. Und da ist eine Teilzeitmutter, die auf die harte Tour gelernt hat, dass wirklich jede Minute bis zum Maximum ausgenutzt werden kann („Das Kind schläft für fünf Minuten, da kann ich locker Wäsche waschen, bügeln, duschen, das Mittagessen kochen und alle angetrockneten Keksreste von der Wohnzimmerlampe kratzen!“) und die mit einer Nervenstärke sekundenschnell gleichzeitig eine Präsentation tippen, den Kunden am Telefon davon überzeugen, dass er seinen Auftrag eigentlich viel lieber eine Woche später bekommen würde, und ihr Kind wickeln kann, sicher nicht die schlechtere Lösung.

Ich finde es traurig, dass Frauen mit Kind oft nur mehr in „klassischen“ Teilzeitberufen auf mittlerem Sekretariats-Niveau eine Anstellung finden, obwohl sie gerne mehr leisten würden. Und dabei will ich nichts gegen Sekretärinnen sagen, die haben mit ihrem Chef oft ohnehin tagtäglich eine klassische Mutter-Kind-Situation zu bewältigen („Ich will das aber!“), aber es muss doch auch die Möglichkeit geben, dass Mamas ganz einfach in ihrem „alten“ Job als Architektin, Biochemikerin, Kreativdirektorin oder weiß der Kuckuck arbeiten, nur eben ein kleines bisschen weniger? Warum fühlt man sich als Teilzeit-Mama plötzlich wie eine lästige Spendensammlerin, die Unternehmen anbetteln muss, dass sie doch bitte, bitte ihre hochwertige Spitzenarbeit für sie verrichten darf? In Zeiten, in denen Argumente wie „Frauen zurück an den Herd“ eigentlich schon lang Geschichte sein sollten, erscheinen mir solche Schwierigkeiten einfach nur lächerlich.

Nein, nicht jede Mama möchte mit Kind wieder arbeiten gehen und es ist auch beileibe nicht so, dass der 24h-Stunden-Job daheim nicht schon auslastend genug wäre. Aber diejenigen, die vielleicht arbeiten gehen müssen, weil das gemeinsame Einkommen sonst nicht reicht, oder die sich einfach nur beruflich ein bisschen selbst verwirklichen wollen – die sollten von den Unternehmen respektvoll behandelt und als das gesehen werden, was sie sein können: wertvolle Arbeitskräfte, die wissen, was es heißt, Verantwortung zu tragen. Und die mit hoher Wahrscheinlichkeit bei jedem Notfall ein Winnie Pooh-Pflaster zur Hand haben.

Über die Autorin: Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog „Hand aufs Herz“ darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt’s auf Facebook/HandaufsHerz.

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