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Nanny-Cam: Darf ich den Babysitter überwachen?

Kümmert sich der Babysitter lieb um den Nachwuchs, wenn die Eltern nicht da sind? Darf man die Nanny überwachen? Rechtsanwältin Carmen Thornton:


Nanny-Cam: Darf ich den Babysitter überwachen?
© iStockphoto

Ein guter Babysitter ist extrem schwer zu finden. Und wer weiß schon, ob sich die Nanny wirklich so lieb um die Kinder kümmert, wenn sie unbeobachtet ist...

Für Eltern, bei denen nicht immer die Großeltern einspringen können, wenn sie sich mal einen Abend ohne Kinder nehmen möchten, stellt sich die Frage, wie man den Babysitter am besten kontrolliert.

Nanny Cams: Diese Nachteile gibt es

Eine Möglichkeit sind private Überwachungskameras (sogenannte Nanny Cams). Vor allem Eltern, denen es schwer fällt, einer fremden Person ihre Kinder anzuvertrauen, vermittelt die Überwachungskamera oft ein Gefühl von Sicherheit. Außerdem kann man durch eine Überwachungskamera leicht überprüfen, ob der Babysitter auch wirklich motiviert ist und sich mit den Kindern beschäftigt oder die Kleinen einfach vor den Fernseher setzt. Immerhin kostet ein Babysitter eine Menge Geld und man will sich natürlich sicher sein, dass die Kinder wirklich in guten Händen sind.

Allerdings haben Nanny Cams auch einige Nachteile. Leider können Überwachungskameras ein Fehlverhalten des Babysitters nicht verhindern, sondern nur dokumentieren. Oberste Priorität für Eltern ist es aber, Gewalttaten oder Missbrauch durch den Babysitter zu verhindern. Gerade in solchen Fällen hilft eine Nanny Cam daher nur bedingt.

Überwachungskameras liefern auch immer ein eingeschränktes Bild. So kann es für die Eltern unerträglich sein, zuzusehen, wie ihr Kind weinend im Bettchen liegt, wenn sie nicht sehen können, dass der Babysitter ohnehin gerade in der Küche ein Fläschchen zubereitet oder sich um das andere Kind kümmern muss. Außerdem zeugen Überwachungskameras nicht gerade von Vertrauen und können daher das Arbeitsklima belasten.

Offen positionierte Kameras geben dem Babysitter ständig das Gefühl, bei jedem Handgriff kontrolliert zu werden und werden daher die Suche nach einem geeigneten Babysitter nicht gerade erleichtern. Auch wenn es verständlich ist, dass die Eltern wissen wollen, dass es ihren Kindern gut geht, wird niemand gerne permanent bei der Arbeit gefilmt, und zwar unabhängig davon, ob man etwas zu verbergen hat oder nicht.

Versteckte Kameras können - wenn sie dann doch entdeckt werden - das Vertrauensverhältnis zwischen Babysitter und Eltern komplett zerstören und dazu führen, dass sich die Eltern erst wieder einen neuen Babysitter suchen müssen.

Überwachungskamera für den Babysitter: Was muss man rechtlich beachten?

Rechtsanwältin Carmen Thornton berät unter Thornton-Law.at vor allem in Obsorge und Scheidungsfragen

Wenn man sich für den Einsatz einer Überwachungskamera entschieden hat, stellt sich die Frage, wie man sie am besten einsetzt. Soll man die Kameras verstecken oder lieber gut sichtbar überall im Haus positionieren?

Hier sollte man unbedingt die rechtlichen Rahmenbedingungen beachten.
Überwachungskameras, bei denen die Aufnahmen auch gespeichert werden, müssen nämlich der Datenschutzbehörde gemeldet werden. Nanny Cams müssen auch gekennzeichnet und daher für den Babysitter gut sichtbar sein. Andernfalls drohen empfindliche Geldstrafen!!

Außerdem greift eine Videoüberwachung in die Privatsphäre ein. Daher muss der Babysitter vorher informiert werden und damit einverstanden sein, dass er gefilmt wird. Dies gilt im Übrigen auch für alle Familienmitglieder – eine Überwachung ohne deren Einverständnis ist strafbar.

Wer auf eine Nanny Cam nicht verzichten möchte, sollte dies daher mit dem Babysitter besprechen. Dies ist auch notwendig, um eine respektvolle und vertrauensvolle Beziehung zum Babysitter aufzubauen.

Versteckte Kameras sind nicht zu empfehlen. Einerseits können sie unangenehme rechtliche Konsequenzen, zB hohe Geldstraßen oder Ansprüche des Babysitters, zur Folge haben. Andererseits ist für Eltern, die überhaupt kein Vertrauen in den Babysitter haben und dieses Thema nicht einmal ansprechen möchten, eine Kinderbetreuung durch eine fremde Person vielleicht nicht die richtige Option.

Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien. Ihre Kanzlei Thornton-Law ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Themen: Eltern, Kinder

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