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Bachelor, das Finale: Liebe in Extremsituationen

Geschafft! 8 Folgen der döseligsten TV-Sendung sind rum, 12 Stunden unserer Lebenszeit. "Es war eine Extremsituation," sagt der "Bachelor". Stimmt.


Bachelor, das Finale: Liebe in Extremsituationen

Wir sehen: Basti im Gefühlschaos

© RTL

"Ich hab ein Gefühlschaos, die richtige Entscheidung treffen, wird definitiv ein schwieriger Moment für mich, das macht es schwer für mich, ich glaube, dass ich die richtige Entscheidung treffen werde, mein Herz hat entschieden, die Frau meines Lebens kennengelernt, Respekt vor dem Finale, wird kein angenehmer Moment, eine Frau verletzen, eine Frau sehr glücklich machen, eine Frau vor den Kopf stoßen, es besteht eine gewisse Anspannung, habe ein kleines Gefühlschaos, ein großes Gefühlschaos, irgendein Gefühlschaos..."

60 Minuten lang salbadert der "Bachelor" im von RTL als "großes Finale" angekündigtem Fadgas-Theatrum sein Gefühlschaos-Mantra in immer neuen Schachtelsatz-Variationen in die Kamera.

Und wir? Wir fühlen langsam gar nix mehr. Das "große Finale" der Gestellbeschau, das ist in etwa so spannend wie eine österliche Mitgliedervollversammlung der grauen Panther.

Vielleicht sind wir auch nur schon hirntot, immerhin exen wir jedes Mal, wenn irgendeiner der Emotions-Darsteller seine Gefühls-Flatulenz formuliert, ein Stamperl Amarula. Bedeutet: Bereits nach zehn Minuten haben wir einen Fetzen, mit dem Christo den Stephansdom einwickeln könnte.

Aber hilft ja nix, wir müssen da durch, jetzt nicht schwächeln. Es geht hier schließlich nicht um eine von kaltherzigen TV-Strategen erdachte Quotenmaschine, sondern um Menschen und darum, die Liebe zu finden, sagt der "Bachelor". Eben. Eine Liebe, so rein und wahrhaftig wie jene von Claudia Schiffer und David Copperfield, wie von Donald und Melania Trump, wie von Pinkie und Brain.

Also tapfer weiter.

Erika: "Kann sein, ich klatsche ihm eine!"

Total locker die Stimmung

Finale, das bedeutet traditionell das Aufeinandertreffen der "Bachelor"-Eltern mit den zwei Finalistinnen. Den Anfang macht Clea-Lacy, die "total nervös und aufgeregt" ist, sie weiß auch nicht warum.

Wissen wir auch nicht, spielt aber keine Rolle, denn jetzt wird schweigend im Airboot durch die Sümpfe der Everglades gebraust, minutenlang, das streckt die Sendezeit. Ab und zu guckt ein Alligator aus der Bracke und ist in seiner Regungslosigkeit tatsächlich noch gewandter als die Worthülsen, die beim Kaffeeklatsch mit den "Bachelor"-Eltern folgen:

"Bachelor"-Mama: "Wie findest du den Sebastian?"

Clea-Lacy: "Er hat etwas in mir geweckt, das ich bisher noch nicht kannte."

"Bachelor"-Mama: "Was denn?"

Clea-Lacy: "Ich fühle mich wohl bei ihm, das ist mir wichtig, dass ich mich wohl fühle..."

(Ist die Flasche Amarula wirklich schon leer? "Schatz, in der Speis, da sind noch Vorräte, aber bitte schnell und hicks.")

Während Mutter Renate die Clea-Lacy in die emotionale Mangel nimmt wie sonst nur die CIA einen armen pakistanischen Zeitungskolporteur, der nicht auf Anhieb The Star Spangled Banner intonieren konnte, nützen Basti und Papa Norbert die Zeit für ein "Männergespräch". Sonst, sagt der "Bachelor", spricht man eher über Fußball, "aber heute erstmals intensiv über Frauen." Das klingt dann so:

"Bachelor":"Sie hat schöne Augen, oder?"

"Bachelor"-Papa:"Ja, sieht schon gut aus. Ein hübsches Mädchen."

"Bachelor":"Das wird eine schwierige Entscheidung..."

"Bachelor"-Papa:"Wird schon passen."

Irgendwie tun einem die Eltern leid, sympathische Leute, die durch eine Narretei ihres Sohnes jetzt zu zwei gequälten Small Talk-Tagen in Florida verdonnert wurden.

"Blond ist gut, das gibt mir ein gutes Gefühl!"

Surprise: "Der Basti ist ein Mamakind."

Denn schon geht's weiter, Tag 2, Wasserflugzeug-Tour mit Erika samt anschließendem Käffchen plus Sahneschnittchen und Mutter-Schwiegertochter-Investigativ-Verhör am Strand. Allerdings in verdrehten Rollen.

Erika: "Gibt es da einen bestimmten Typ Frauen, den Sebastian so mit nach Hause gebracht hat?"

"Bachelor"-Mama: "Naja, vom Typ her meistens blond."

Erika: "Schön zu hören, dass er sonst nur blonde Frauen mit nach Hause genommen hat."

Immerhin potenziert das die Chancen, schließlich hat auch Erika Haare, so hell wie das Zentrum einer atomaren Explosion. Jetzt scheint alles geklärt, die Sache unter Dach und Fach...

Aber....

...angeschmiert und mit Extra-Schmalz lackiert!

Denn plötzlich ist er wirklich da, der Moment, auf den wir seit unfassbaren 10 Stunden und 45 Minuten unserer Lebenszeit nicht hinfiebern: Die Verteilung der finalen Rose – imaginärer Trommelwirbel – die Kerzen flackern, der "Bachelor" umkrampft die Schnittblume und memoriert seine grässlich schulaufsatzige Retrospektive der schönsten gemeinsamen Momente: "...dann hast du mir einen Kuss auf die Wange gegeben, das hat sich gut angefühlt. Und dann beim Seabob-Fahren, da hast du dich an mir festgehalten, deine Nähe zu spüren, das hat sich sehr gut angefühlt, ich hoffe, es war für dich auch so gut, schnabelbadabelgähnundbrabbel..."

Die Nacht war gut, man hat viel gespürt – nur die Liebe halt nicht

Doch nun senkt er dramatisch die Stimme, macht ein sensationelles Kniffgesicht und schickt die Erika mit dem uralten Abgeschmackt-Move zurück nach Geislingen: "Ich habe mich nicht in dich verliebt." Die Musik tremolot, Erika schiebt Bastis Hand aus dem Weg und flieht im wehenden Weißkleid über den kilometerlangen roten Teppich (ein schier genialer Regieeinfall zur weiteren Sendezeittotschlagung!). Ihre Ankündigung, "entweder zu weinen oder ihm eine zu klatschen" macht Erika leider doch nicht wahr. Schade, der Klatscher hätte uns aus unserer fruchtlikörigen Döseligkeit erweckt.

Auftritt Clea-Lacy. Oder besser: Auftritt von Clea-Lacys Brüsten, die wie apart montierte Pampelmusen in unser TV-Bild ploppen. War das da immer schon so? Haben wir die gesamte Staffel tatsächlich so komplett ignorant übersehen, was der Basti in der oder besser an der Clea sah?

Aber nein, wir waschen uns gleich den schandigen Mund aus, weil: "Ich habe es genossen, dich auf die Schultern zu heben," fasst der "Bachelor" das zarte Keimen der Liebe beredt zusammen, "Und unsere Gespräche wurden immer tiefgründiger."

In diesen Momenten waren wir wohl nicht anwesend und das RTL-Kamerateam ganz offensichtlich auch nicht, denn der begleitende Einspieler serviert uns nix als nochmals die gezoomten Kussszenen... Tiefgründig ist hier nur die "Bacheloren"-Zunge.

"Ich habe mich in dich verliebt, Clea," kürzt der "Bachelor" ab. "Oh Gott," schlägt das arme Kind vor Schreck die Hände vor dem Gesicht zusammen,"Oh mein Gott. Ich hab gedacht, ich sterbe hier. Oh Gott, oh Gott." Aber selbst der kann jetzt nicht mehr helfen, Vertrag ist Vertrag und die Einkaufszentren-Eröffnungen werden nur selten aufgrund plötzlicher Erleuchtung verschoben.

"Pfuh, was für ein romantisches Finale" - und andere Erkenntnisgewinne

Gerade als wir zuhause unsere fettigen Chips-Pfoten aneinander reiben und den letzten Rest Amarula aus der Pulle lecken, taucht plötzlich RTL-Trivialisierungstrulla Frauke Ludowig auf, um auf der eben noch sofawarmen Bachelor-Staffel herum zu malmen, als wäre sie eine besonders schlundrutsch-resistente Ladung Fruchtsaftlikör. "Pfuuuuh, was für ein romantisches Finale!" kommentiert sie in Richtung der auf dem Sofa aufgereihten Frauen, die sich nur dank schärfster nickknatterton'scher Kombinationsgabe als ehemalige Kandidatinnen entpuppen, weil: erkannt hätten wir die auf Anhieb nicht.

Genauso wenig wie den "Bätt-sche-ler" (Frauke spricht das sehr schön aus), der blasser, schmäler und schulterloser als an den letzten sieben Mittwoch-Abenden im Sofa verschwindet, weil er jetzt mit dem Gutteil jener Frauen zusammentreffen muss, die er zuvor wie eine Flotte von Gebrauchtwagen TÜV-vertestet hat.

"Endlich triffst du wieder mit Erika zusammen", freut sich Frauke Ludowig. Der "Bachelor" auch.

Schnell werden wieder die hinlänglich bekannten Filmchen durchgenudelt, dazwischen stellt Ludowig (die immer mehr so aussieht, als ginge sie mit dem Foto eines Bearded Collies zum Friseur), sogenannte Fragen: "Viola, erzähl', du warst lange Zeit die Favoritin, was machen diese Bilder mit dir?" oder "Kattia, wir zeigen jetzt deine Bilder, was machen die mit dir?" Wenig machen sie, aber trotzdem ziehen zumindest wir Erkenntnisgewinne:

Erkenntnisgewinn 1: Unser Euphorietaumel während der Staffel war kein flüchtiges Irrlicht. Kolumbianerin Kattia aus Kassel bleibt der einzig nachhaltig interessante, weil dezent verhaltensauffällige Charakter der Scharade. Herrlich der Einspieler über ihr Bikinihöschen und die High Heels, die sie zum Sport trug! "Kattia, Kattia, Kattia! Immer nur Kattia! Warum kann man Kattia nicht einfach ignorieren?" , geifert Kattia über Kattia – tscha, warum denn bloß?

"Du warst ein Miststück, Kattia," sagt eine. Thanks God, sagen wir.

Erkenntnisgewinn 2: "Sebastian war voller Widersprüche. Er hat jeder irgendwas gesagt," fasst Silvana (die mehr denn je wie eine Lehrerin mit SM-Vorliebe aussieht) den Sachverhalt und gleichzeitig auch Hauptvorwurf an den "Bachelor" zusammen.

Erika sieht Basti. Vielleicht aber auch ein ekliges Insekt, das auf Bastis Nase sitzt

Erkenntnisgewinn 3: "Warum verplemperst du deine Zeit mit Frauen, die du gar nicht kennenlernen willst?" stellt Erika, die nach dem "dramatischen Finale" (copyright Frauke Ludowig) offensichtlich seit vier Monaten darüber brütet, warum der "Bachelor" sie überhaupt bis dorthin mitgeschleppt hat, gleich das gesamte Sendungskonzept in Frage. Schätzele. Nochmal langsam und zum Mitsmsen: Weil sonst bereits nach der ersten Nacht der Rosen Aus die Maus wär. Herrgottchen, so schwer ist das doch nicht.

"Ich liebe ihn, wie ich noch nie einen Menschen geliebt habe."

Erkenntnisgewinn 4: Es gibt sie. Die Liebe, die nur wir gefühlskalte und abgestumpfte Trash-Seher herzlos als Scheinehe bezeichnen. Also: Liebe, sagen Basti und Clea-Lacy, die jetzt ein Paar bleiben wollen – zumindest solange die TV-Maschinerie sie durchschleift. "Ich habe noch nie einen Menschen so geliebt wie ihn," brabbelt Clea-Lacy, "Ich kann mir mit ihm alles vorstellen." Etwa ein "Perfektes Promi-Dinner" (bereits fixiert), im Sommer dann, so vernimmt man aus Senderkreisen, startet der Dreh für die RTL-Show „Das Sommerhaus der Stars“. "Das Band zwischen uns ist in einer Extremsituation entstanden und deshalb umso stärker," paraphrasiert der "Bachelor" elegant das Kleingedruckte im RTL-Vertrag.

Wir wünschen ihnen viel Glück. Sie werden's brauchen.

Thema: Der Bachelor