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"Bachelor", Folge 4: "Die waren alle besoffen hier!"

Der "Bachelor" ist wie ein Kissen, nur mit dem Küssen klappt das nicht. Folge 4 der Rosen-Saga - und wir halten ein Plädoyer für mehr Amarula.


"Bachelor", Folge 4: "Die waren alle besoffen hier!"
© RTL

Nein Kinder, so geht das nicht. Ohne Amarula , diesem Gleitmittel unter den Likören, läuft hier nix. NIX! Nüchtern nix.

Wir schreiben Folge 4, Halbzeit der "Bachelor"-Staffel 2017. Und noch immer wurde kein Speichel getauscht. Nicht mal ein klitzekleines Tröpfchen.

Wir erinnern kurz an die Bilanz der letzten Staffeln: Oliver Sanne, RTL-Rosenkavalier 2015: erster Kuss in Folge 3. Und dann der Alltime-Rekord von Christian Tews, dem basedow'schen Meister Proper, anno 2014: erster Lippenkontakt in FOLGE 2!!! Sogar Leonard #Batchie Freier, der im Muskeldress getarnte Golden Retriever des Jahres 2016, versenkte in Folge 4 am Ufer des Chrystal Rivers seine Zunge in einer gewissen Jasmin.

Da geht mehr. Da muss mehr! Der "Bachelor" ist schließlich nur dazu da, die niedersten Gaffgelüste verrohter heimischer Chipsfresser zu befriedigen. Also meine (sorry für Stumpfheit).

Es gibt Rührei. Ein unbeschreiblicher Moment.

Aber was macht der "Bachelor" 2017 stattdessen?

Frühstück macht er. "Das sind so Aktionen, die mir Spaß machen. Weil unvorhersehbar ist, was passiert." Richtig. Das Rührei könnte stocken, der Toast anbrennen, die Milch überkochen. Oder die "Ladys" ungeschminkt aus den Betten krabbeln. Grusel-Stoff mit Suspense-Faktor, wie ihn sich außer der RTL-Redaktion sonst nur noch Stephen King aus der Feder saugen könnte.

Erwartungsgemäß gibt es dafür viel Kreisch und Quiek (Huch! Ein Mann! WIR! UNGESCHMINKT!), für Cara ist ein Mann am Herd dann aber doch ein "unbeschreiblicher Moment."

Fast versumpern wir wieder in unserer Hauptabend-Narkolepsie, doch zum Glück gibt es ein Gegengewicht zur abwaschbaren Plastikfröhlichkeit der schnatternden Simpelwesen: Kattia. Brust, Po und Temperament, mit dem sie jetzt die Nutella-Semmel-Kaugeräusche am Frühstückstisch durchpetzt: "Haben die gestern gespielt mit Sekt und Bällchen. Haben sich die alle besoffen gemacht!"

Dramatisches "Carmina Burana"-Dräuen. Schnitt auf Inci. Schnitt auf Viola. Schnitt auf Janika. Schnitt auf Tina. SCHOCKSTARRE. Schon rutschen wir Hobbysoziologen in unseren Ohrensesseln frohlockend ein wenig höher: Wie rotten sich Menschen zu einer Gruppe zusammen, indem sie ein gemeinsames Feindbild zimmern? Wie wird ein Mensch dafür bestraft, anders zu sein? Und wie passt sich dieser Ausgegrenzte schließlich den Zuschreibungen an - und wird zu dem, für den die anderen ihn halten? Das ist fast schon jeanpaulsartre'ischer Stoff.

Um irgendeine Wahrheit über mich zu erfahren, muss ich mich im anderen spiegeln können , sagt der Philosoph. Kattia performt das bodenständiger: "Könnte mir vorstellen, dass manche Taktik haben hier. Von andere Mädchen. Die hier nur Karriere machen wollen."

Wer genau hätte durch eine Teilnahme beim Bachelor jemals Karriere gemacht?, fragen wir uns, aber viel länger können wir uns mit der Frage auch nicht aufhalten, denn wie auch im wahren Leben wird Aufsässigkeit bestraft, äh, belohnt: Kattia muss zum Einzel-Date.

Für Kattia aus Kassel spielt es Salsa

Dafür hat sich der "Bachelor" was ganz besonderes ausgedacht. Einen Besuch in "Little Havanna", dem kubanischen Viertel von Miami. "Ich habe das ausgewählt, weil Kattia durch und durch Latina ist, sie Feuer im Blut hat. Salsa passt einfach zu ihr," leitet der "Bachelor" das logisch her. Wäre Kattia eine Inuit, würde man wohl im Iglu kuscheln, käme sie aus dem Senegal, in Bast-Röckchen auf Bongos trommeln – ach, liebes RTL, Kolonial-Folklore wie weiland aus dem "Club Med", das könnt ihr.

Ein wenig hüftsteif zappeln die feurige Kattia aus Kassel und der "Bachelor" aus Bochum durch die nebelmaschinenschwabbrige Atmosphäre des Salsa-Clubs, sie will weniger Tanzschule und mehr "Freestyle", was bedeutet: Sie rubbelt ihre sekundären Geschlechtsteile an ihm und erklärt danach, dass das ein "super Gefühl" war. Wie es dem "Bachelor" damit ging, erfahren wir leider nicht, dafür umso mehr von Kattia: Sie hatte einen Mann. Der wurde zum Ex. Dann ist er gestorben.

Im Hintergrund richardclaydermannt ein Klavier, der "Bachelor" fragt sich: "Wie reagiert man da?" , entschließt sich aber schließlich dazu, mit einer Hand ihren Mojito und mit der anderen ihr Knie zu nehmen. Leider wird die taktische Empathie bei Kattia nicht zum Schlüpperschlüpfer, sondern löst auf fast bedrohliche Weise den bislang eher stockenden Sprechdurchfall: "Ich beobachte dich. Immer. Wenn du kommst. Wenn du gehst. Immer beobachte ich dich."

Es läuft uns kurz eiskalt den Rücken runter, auch auf dem dunkelblauen Hemd des "Bachelors" zeichnet sich ein größer werdender Schweißfleck ab, an Schmusen ist nicht mehr zu denken. Kattia bettet ihr Köpfchen auf seiner Brust. "Du bist wie ein Kissen!" sagt sie – und das, meine Lieben, war schon der erotischste Satz der ganzen Sendung.

Langsam dräut uns: DAS muss dieser Fake-Schmus sein, man hört gerade so viel davon.

Küssen? Ha! Kann er vergessen...

So geht das nicht weiter. Das findet mittlerweile offensichtlich auch der Produktionsleiter, der fürs Gruppen-Date mit Inci, Janika, Viola, Erika, Tina und Clea-Lacy die Devise ausgibt: Verbal-Sexelei. Und zwar dalli dalli!

Leider sind halb-gescriptete Dialoge immer nur so gut wie ihre Protagonisten – und wenn deren schauspielerisches Improvisations-Potential eher bauerntheateresk ausfällt, dann klingt das so:

Bachelor: "Was war der verrückteste Ort, an dem ihr jemals Sex hattet?"

Janika: "Auto-Rückbank."

Erika: "Küche."

Tina: "Und du? Was hast du für Vorlieben?"

Bachelor: "Oft. Hahaa. OFT würde ich als Vorliebe bezeichnen." (ein Mörder-Gag, den er bereits in Folge 1 verbraten hat, ihr braucht nicht glauben, dass wir nicht gewissenhaft Buch führen).

Bachelor: "Und, habt ihr so Regeln fürs erste Date?"

Alle: "???"

Bachelor: "Also küsst ihr beim ersten Date?"

Clea-Lacy: "Wenn es ein super Tag war, aber wenn es wild zur Sache geht, dann wäre ich vorsichtig..."

Inci: "Da bin ich nicht der Typ für."

Erika: "Nein, das macht den Eindruck, als wäre man leicht zu haben. Das hat mir mein Vater geraten. Und der ist ja immerhin ein Mann."

Nur "Miss München", Viola, die will nicht so recht rausrücken, wie sie das mit dem Schmusen hält. Das Mädel ist schlau. Die weiß: Aussicht auf ein bisserl Zungen-Ballaballa = Ticket in die nächste Runde.

Das kriegt sie am Ende auch, genau wie Clea-Lacy, Inci... ach, wir machen's schneller: Raus sind Silvana, Alesa und Tina.

Und was geschah sonst so?

EIN MOMENT VOLLER GEFÜHLSKÄLTE: Spielt sich beim Date von Alleinerzieherin Sabrina und Basti ab. Erst will die nicht alleine zum "Bachelor" ("Ich bin froh, dass Silvana dabei ist, dann hat man sich mehr zu sagen..." ), dann vor lauter Höhenangst nicht in den Transport-Heli ("Das ist kein Mann der Welt wert!" ). Aber weil das RTL diese deutlichen Anzeichen von Abneigung fröhlich ignoriert, wird die Blondine letztlich auch ohne Lufttransport zum Date befördert, wo nun wieder der "Bachelor" sie subtil zur freiwilligen Aufgabe drängen will: "Du vermisst bestimmt deine Tochter? Wenn du deine Tochter vermisst, habe ich volles Verständnis, dass du gehst, sie fehlt dir bestimmt, also du kannst auch wieder zu ihr..." – Ein Verhalten, das den natürlichen Widerstand bei Sabrina weckt, weshalb die nun vehement darauf besteht, dass sie den "Bachelor" eh mag und ihre Tochter gar nicht so toll vermisst und überhaupt eher "gefühlskalt" sei, man darf sich also nicht wundern. Bis dahin fanden wir die ganz nett – aber bekanntlich hält man ja nur jene Menschen für normal, die man noch nicht so gut kennt.

EIN MOMENT VOLLER IRRSINN: Alesa kündigt an, für "Überraschungen gut zu sein". Was darin mündet, dass sie in den Händen des "Bachelors" liest. "Beten die?" fragt Viola darob. Aber nein: Wir wissen jetzt, dass der "Bachelor" ein langes Leben haben wird. Gesund sein und, hucha!, irgendwann sogar einem rothaarigen Mädchen über den Weg laufen wird. Die letzte Handlinien-Deutung war "etwas geschmuggelt", meint die rothaarige Alesa – dabei war genau das die einzig belegbare Wahrheit.

BESTER RAUSKICKER: Im Anschluss an den "Bachelor" kündigt "Stern TV"-Moderator Steffen Hallaschka folgende Themen an: "Frauen die plötzlich aufquellen" und "Deine Liebe ist mir peinlich". Besser kann man nach der Rosen-Saga eigentlich nicht überleiten...

Thema: Der Bachelor