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Bachelor, Folge 7: "Guck mal, jetzt ist die Sonne weg!"

Die vorletzte Folge: "Der Bachelor" kauft sich Sonnenbrillen, streichelt ein Kalb, und am Ende - SPOILERALARM – gibt es ein Daumenkino des Grauens.


Bachelor, Folge 7: "Guck mal, jetzt ist die Sonne weg!"

Clea-Lacy: "Mit Basti, das ist was Besonderes"

© RTL

Für die unter euch, die durch besonders glückliche Umstände (den hartnäckigen Schnupfen des Lieblings-Meerschweinchens, den 65. Geburtstag der furchtbar boshaften Schwiegermutter oder einen eingewachsenen Zehennagel) vom Fernsehschauen abgehalten wurden: Keine Bange. Wir waren für euch trotz der Fadheits-Qualen der letzten Wochen wieder in der Stumpfhölle "Der Bachelor".

Doch diesmal haben wir nicht einfach nur zugesehen, wir haben auch Lehren aus der fremdschamfröstel-intensiven Darbietung gezogen. Soll ja niemand behaupten, dass man vom Fernsehen nix lernen kann.

Zeitlose Weisheiten aus 90 Minuten RTL-"Bachelor"

Basti + Erika: Man wuzzelt Reis. Ein tolles Date
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Lehre 1: "Willste Sex, dann meide Sushi (okay, vielleicht auch den "Bachelor")." Für ihr Einzeldate mit Basti hat sich die recht nah am Wasserstoffperoxid gebaute Erika was besonderes ausgedacht: Das große Sushi-Wuzzeln. Klasse. In einer sterilen Studioküche. Mit roten Schürzen. Selbst bei "Frisch gekocht mit Andi und Alex" ist da mehr Feuer unterm Herd. Hier aber will einfach gar nix knistern, vielleicht fischelt es auch ein bisserl sehr. Man kaut an der Alge, es pickt der Reis zwischen den Zähnen und Erika presst schnell noch ein klitzekleines Lebensdrama raus. Ihr Ex hat sich zwei Monate nach der Trennung mit einer anderen verlobt. "Krass," fällt dem "Bachelor" dazu ein. Und: "Wie fühlt man sich da?" Tja. Geknutscht wird später trotzdem. Nur: Was bleibt einem schon viel mehr übrig? Es ist die einzige Alternative zu diesen mühsam zu Worten geformten Klumpgedanken.

Basti + Clea-Lacy: Man shoppt. Ein tolles Date.
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Lehre 2: "Brillenläden sind krass lustig." Mit Clea-Lacy geht's zum Shoppen. Findet der Basti erst Mal nicht soooo super, weil: "Wenn ich normalerweise mit einer Frau shoppen gehe, dann mache ich mein Ding, sie macht ihr Ding – und am Ende treffen wir uns an der Kasse." Aber was ist schon wirklich "normal" beim "Bachelor", wo die Tristesse der Normalität zwangsläufig sendungsfüllend sein muss? Und so finden sich Clea und Basti in nebeneinanderliegenden Umkleiden wieder. "Ich hab das gemusterte Shirt an!" ruft er rüber. "Ich hab gerade gar nix an!" verbalerotisiert sie. "Huhu, soll ich rüberkommen?" Macht er dann aber doch nicht, schade eigentlich, aber zum Glück geht es gleich crazy-funky-mega-krass weiter, also ab in einen Brillen-Shop, denn “wenn man in so einen Sonnenbrillenladen reingeht, mit total abgespaceten Brillen, wird es lustig.” (Basti). Lupenreine Logik, so bestechend wie verwirrend. Wir sehen: Basti mit Rockerbrille. Ein Brüller. Basti mit Fliege-Puck-Brille. Ich piss' mich an. Basti mit Nickelshades. Wie soll man je wieder aufhören zu lachen? Machen wir es kurz: Indem der Basti seine Zunge in der Clea-Lacy versenkt.

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Lehre 3: "Garantiert keine Fake-News: Die bei der Geburt getrennten Zwillinge." Wir fassen das Date mit Viola zusammen: Bowling. Pizza. Knutschen. Ist aber alles völlig egal, weil uns just in diesem Moment etwas wie Schuppen von den Augen fällt:

Jeannette (l.) und Viola (r.)

Die Münchner Rosen-Barbie Viola und die Popschlager-Sängerin Jeannette Biedermann: Zwillinge. Bei der Geburt getrennt. Klar wie Kloßbrühe, wie unsere deutschen Nachbarn sagen. Toll. Das beschert uns reichlich neue Textideen für duette Schauderschlager: "Zeig mir deine Rose, uh-oh." Oder: "Wenn die Sonne über Bayern untergeht..." (aber dazu gleich mehr).

Halbzeit: Fast schon faszinierend lieblose Dream-Dates, ausgewalzt auf 45 Minuten

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Lehre 4: "Von einer Insel kommt keiner so leicht weg." Sagt Viola, die den Basti jetzt auf einer Karibikinsel treffen darf, weil eben vorletzte Folge und die Dramaturgie des repetitivsten Sendungsformats im deutschen Trash-TV jetzt "Dream-Dates" auf Inseln und im Schnee vorsieht. Recht hat das Mädchen. Also muss sie 24 Stunden lang mit Basti auf St. Lucia Speedboot fahren und Schnorcheln und Unterwasserknutschen und neben einem Handtuch-Schwan seltene Naturschauspiele bewundern ("Guck mal, jetzt ist sie weg die Sonne...") . Lauter "magische Momente", wie der Off-Sprecher mit Säuselgruselstimme die fehlende Stimmung zu kompensieren versucht. Am nächsten Morgen presst der Basti die Viola in die Ecke des Inifinity-Pools wie den Teig eines Waffeleisens, sie fühlt, dass "da was besonderes zwischen uns ist" und er betet brav sein Simpel-Sprüchlein her: "Mit Viola hat es sehr viel Spaß gemacht."

Bachelor, gönnerhaft: "Wenn du Angst hast, darfst du dich auch an mir anhalten."
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Lehre 5: "Ein Mann, der toll mit Tieren umgehen kann, der geht auch gut mit Frauen um...." Kein Witz. Ein Satz wie dieser kann nur der Emanzipationsselbsthilfegruppe "Der Bachelor" entspringen, wo es keinen Schmäh, keine zweite Ebene, keinen doppelten Boden, keine geistige Tapetentür geben darf. Dreamdate 2, wir befinden uns am Fuße der Rocky Mountains, kalt, trübe Landschaft, trübe Dialoge in der Pferdekutsche:

Erika: "Voll still hier."

Bachelor: "Ja, krass, nicht? Voll still hier."

Erika: "Nicht mal einen Windstoß hört man."

Bachelor: "Man kommt sich klein vor. Man kann so weit schauen und so hoch schauen."

Erika: "Toll, die Stille."

Stille. Viel zu selten im deutschen TV lässt man sich Zeit für Stille, und genau jetzt wäre der ideale Moment für laaaaaanganhaltende Stille gekommen. Aber nein, gnadenlos müssen weiter Lippen bewegt werden. "Wo guckst du hin?” “In die Ferne.” “Ich bin doch hier!” Stille. Sie wäre so schön, doch weiter geht's. Zwischenstopp "Kalb streicheln". Zwischenstopp "Pferde füttern". Zwischenstopp "Marshmallows grillen." Endstation "Bachelor"-Bett. "Ich muss nicht mit jeder Frau schlafen, um zu wissen, ob sie mich interessiert," sagt der "Bachelor". Aber ein wenig knuspern, ein wenig Schackalacka-Ding-Dong ... Manchmal kann das entscheidungsbildend sein.

Bachelor über die Nacht mit Erika: "Es hat auf jeden Fall geknistert. Und das war nicht nur der Kamin."
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Lehre 6: "Willst du Liebe im Überdruss, dann gib ihr eine Kokosnuss." Auf Jamaika (Dreamdate 3) nutzt nun Clea-Lacy alle Vokale ausgiebig. Schon angesichts einer Kokosnuss hat sie fast alle durchgequiekt: Oh-ih! Oh-eeeh! Äh-ah!Wau-hau! Ich wollte schon immer aus einer Kokosnuss trinken!!!" "Sie ist sehr begeisterungsfähig," bescheidet Basti. "Das gefällt mir." Eine Bob Marley -Revivalband tötet mit dem Keyboard genüsslich "No Woman, no Cry", Basti wickelt sich rücklings um die Clea-Lacy wie um einen Laternenpfahl, sie fühlt sich "wie in einer anderen Welt" und vergisst alles um sich. Kinder, was immer die da auf Jamaika in die Kokosnüsse tun: Wir hätten gerne eine Dreifachladung, wenn geht, dann intravenös.

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Lehre 7: "Das Glück ist ein Vogerl, und manchmal vögelt es dich." Sechs Dates und 1:15 Stunde rum, fast geschafft. Kurz vor dem Abschalten der Maschinen hängt sich mein kaltes Herz doch noch zögerlich an eine der drei Finalistinnen: Clea-Lacy. Wie sie mit ihren "Miss Piggy"-Wimpern und Haaren von "Game of Thrones"-Opulenz ihre Stammbuch-Verse über die tiefe Liebe und Wolke 7 aufsagt – fast ist man gewillt, diese Gefühle ernst zu nehmen. Am Ende fliegt tatsächlich Viola, die dem "Bachelor"-Gestammel ("Das Letzte, was ich wollte, war dich zu verletzen") recht souverän ein Ende bereitet: "Das hast du nicht. Keine Sorge." Was sie leider nicht sagt, aber ihr verzwicktes Mäulchen nahelegt: "Trotzdem werde ich deine Lieblingshantel im Rosenbeet vergraben, deine Bleaching-Schiene mit Superkleber behandeln und deinen Drei-Wetter-Taft auf deinem SUV versprühen."

8

Lehre 8: "Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben." Nicht von uns. George Bernard Shaw. Aber besser kann man den "Bachelor" nicht zusammenfassen.

+++ACHTUNG!+++SPOILER+++: DAS DAUMENKINO DES GRAUENS

Die folgenden Bilder sind nur etwas für starke Nerven. Nur wer "The Saw" und "The Ring" in voller Länge und ohne Augenzuhalten durchgehalten hat, ist bereit für das Grauen, das jetzt folgt. Ein Schreckensdokument, das sich nachhaltig in die Netzhaut des Betrachters einbrennen wird:

Thema: Der Bachelor