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Der Bachelor: "Mein Hund heißt Bella und ist schön!"

"22 Ladys stürzen sich in das Abenteuer ihres Lebens." Formuliert das RTL. Wir sagen: "Willkommen im Bikini-Knast!" "Der Bachelor" hat begonnen.


Der Bachelor: "Mein Hund heißt Bella und ist schön!"

"Du warst die Erste." – "Äh nö. Ich war eigentlich die Vierte."

© RTL

Nein, RTL, so haben wir nicht gewettet! SO NICHT.

Zunächst beginnt alles mit den Standards einer "Bachelor"-Auftaktsendung. Fiese Hintergrundfidelmusik: Check! Das Slim-Fit-Hemd bis zum Bauchnabel offen: Check! Fahren im Cabrio: Check! Oben ohne durch die bacherlwarmen Wellen Miamis waten: Check! Dabei nicht minder bacherlwarme Weisheiten raushauen ("Wenn ich verliebt bin, folge ich meinem Herzen!" ): Check!

Wir wischen die erdnussflipsfettigen Patscherchen am Hosenbein ab und rutschen im Ohrensessel aufgeregt ein wenig höher ... Aber dann. Puff.

Gegen den neuen "Bachelor" Daniel Völz, 32 und in Florida ansässiger Immobilienmakler, kann man wenig sagen. Gut, er hat vielleicht etwas viel Gebiss. Aber sonst? Wir würden jetzt nicht sofort das "Lysoform"-Flascherl zücken, sollten wir ihm in einer deutschen Provinz-Disco vor die genagelten Schuhe laufen. Wir würden ihm vielleicht sogar – wie seine extrem liebenswerte (auch das noch!) Oma – einen Geldschein zustecken, wenn der "Bachelor" beim Falschparken wieder mal einen Strafzettel kassiert hat (was, wie im deutschen Investigativ-Boulevard nachzulesen, bereits mehrmals passiert ist).

Daniel, Rosenrecycler und Teflon-Mann

Und so, liebes RTL, so geht das nicht. Wir erwarten besseres "Bachelor"-Material. Nichts bietet schließlich so viel Unterhaltungswert wie ein Mann, in dessen gelackter Birne die ganze Zeit "Zu geil für diese Welt" in Dauerschleife läuft. Wir wollen einen verstrahlten Muskelklumpen, der jeden Morgen dreimal seinen Bizeps ableckt. Einen Heißlufterhitzer, der alles wegwemst, was nicht bei drei im Sonnenstudio ist. Einen, der sich selbst für den schönsten Mann nördlich und südlich des Äquators hält – und nicht wie das Völzchen über sich bescheidet:"Ich bin kein Softie, aber auch kein Draufgänger."

"Mein Name ist Nadine, wohnhaft in Berlin"

Daniel und 22mal Extensions – an Haar und Wimpern

Die Kohlen aus dem Feuer holen müssen da wohl (wie so oft in der Menschheitsgeschichte) die Frauen. Zum Glück handelt es sich bei der weiblichen Saisonware 2018 um verlässlicheres Material: Make-up wie ein Instagram-Filter, aufmontierte Wimpernteppiche und Beton-Frisuren ("Ich hab so viel Haarspray drin, ich kann das gar nicht auf die andere Seite legen," jammert eine am Rande des Nervenzusammenbruchs).

Dazu die gequiekten Klassiker. "Ich bin ja so aufgeregt, ich dreh gleich durch!" oder "Oh Gott, oh Gott, Gott oh Gott!" , ein paar traumhafte Verbal-Arabesken ("Ich steh mehr auf den südländerischen Typ!" ) und sogar anatomisch Brisantes ist dabei ("Mein Herz ist zum Glück festgenagelt" ). Eine verfällt angesichts des "Bachelors" in schrilles Prosecco-Tourette: "Ist der schön! Der ist schön! So schön ist der! "

Wie jedes Jahr eiert die Limousine, die die Damen zum ersten Treffen mit dem "Bachelor" vor die Villa wie aus Raffaelo-Land fährt, fünf Meter vor und wieder zurück, während die Produktions-Assis die 22 Bacheloreusen zwecks Zeitersparnis auf einer Seite rein- und auf der anderen wieder raus schubsen.

Trotzdem zieht sich das Procedere immer noch über 40 elendige Minuten, in denen das Völzchen jeder Frau versichert, dass er auch volle aufgeregt ist, worauf sich beide gequält grinsend ansehen, er sie nach einigen peinlichen Schweigesekunden nach ihrer Profession fragt (der Vollständigkeit halber: Bloggerin. Kosmetikerin. Friseurin. Hostess. Stewardess. Kauffrau für Bürokommunikation. Gelernte medizinische Fachangestellte. Aber fast alle nebenbei irgendwas mit Modeln) während die Frauen unsicher an ihren halbdurchsichtigen Fummeln herumzupfen, bis der "Bachelor" sie endlich in die Villa erlöst und nachher in die Kamera attestiert, dass das jetzt eigentlich schon ein ziemlich gutes Gespräch war mit der Dings, äh, der Dingens halt.

"Was machst du?" "Ich bin It-Projektmanagerin." "Das war jetzt ein gutes Gespräch."

Eigentlich könnte das Hirn jetzt zwischendurch verschnaufen, nur leider werden die Namen der Damen diesmal zum Lackmus-Test für unsere grauen Zellen: Lina, Janina, Carina, Janina Celine, Janine Christin Janet ... wir verlieren den Überblick und auseinanderhalten können wir die sowieso nicht.

Dem "Bachelor" geht es nicht anders.

Von Nager-Kannibalismus und Gogo-Mäusen

Er stapft zur vermeintlich ersten Kandidatin (eine der Janinen), um sich zu entschuldigen, dass er ihr nicht bis zur Tür geholfen hat. Die sagt darauf: “Ich war die Vierte.” Den Rest des Abends verbringt sie mit säuerlichem Grinsen, während der "Bachelor" nun die wirklich erste (Lina) schnappt und - zack – die nächste Konversation versemmelt.

Bachelor: "Ich habe eine Hündin."

Lina: "Ist es ein Männchen oder ein Weibchen?"

Bachelor: "Sie ist eine französische Bulldogge. Sie heißt Bella, und so schön ist sie auch."

Lina, geschmeichelt: "Oh, danke!"

Lina freut sich, weil sie mindestens so hübsch wie eine französische Bulldogge ist

Weil sich Haustiere neben Hobbys beim Speed-Dating erfahrungsgemäß zur Überbrückung zumindest einer quälend langen Minute eignen, erfahren wir von Lina dann noch etwas, was die Naturfilmer von "Universum" sofort in ihr Einzimmer-Zierkissen-Arrangement bei Hannover treiben sollte: "Mein Meerschweinchen ist von einem Kaninchen gefressen worden."

Der "Bachelor" aber nimmt den Nager-Kannibalismus unwidersprochen hin, schließlich hat Lina ihn zu diesem Zeitpunkt längst "mit ihrer Eleganz weggehauen" . Überhaupt merkt man dem Völzchen die Überforderung deutlich an. Mit eisern-verbindlichem Einheitsgrinsen stolpert er durch die Gesprächsattrappen, findet alles irgendwie "ah, interessant" und verdrängt effizient, was ihm das Weitermachen inmitten dieses Rudels pink verspachtelter Tierchen schwer werden ließe.

Die Frau zur Linken wird zuerst mit ihm schmusen: Janina Celine

Da wären etwa folgende Kandidatinnen:

1

KRISTINA. Model und Gogo-Tänzerin in Essen. "Ich habe noch nie geliebt!" , dramaturgt sie im Einspieler, während sie sich situations- und auch sonst erstaunlich elastisch um eine Stange wickelt, um wenig später an einen Baum drapiert von ihrer ersten Beziehung zu sprechen, die nicht weniger als eine "kranke Liebe war." Der Verdacht, dass dies möglicherweise an Kristina selbst liegen könnte, dräut, als sie mit einer unterstreichenden Geste gen Kehle erklärt: Einen Mann, der fremdflirtet, den würde sie sofort umbringen. Sonst aber, meint zumindest Kristina, sei sie "die perfekte Frau." Sie kann nämlich kochen. Die Frau hat also alles, vor allem reichlich Trash-eminentes Konflikt-Potential. Noch vor der ersten Rosenvergabe will sie bereits Leine ziehen, denn wie Trockenshampoo-Schuppen ist ihr plötzlich gen Kleinhirn gerieselt: "Ich habe gemerkt, es ist alles Show. " Dann nötigt sie das Völzchen mit listig geschürzten Lippen noch zu einem Bekenntnis: "Willst du, dass ich bleibe?". Als der etwas verzweifelt "Ja" murmelt, schwenkt die Gogo-Maus von Drama auf Lama: "Okay, ich bleibe."

2

MICHELLE. Der menschliche Babbelfisch. Wie ein Maschinengewehr feuert sie dem hilflos in die Ecke gedrängten "Bachelor" ihre Sinnlos-Sätze entgegen. Sie arbeitetindergastronomieaberauchineinerdiskothek-schnauf-undaußerdemistsiefunkenmariechenindergarde-uff-unddaswürdesiedembachelorjetztgernezeigen-gulp-aberihrkleidistvielzueng.... Verlässlich wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn: Jemand, der bereits in der Vorstellungsrunde von sich sagt “Ich bin ja sowieso schon so düdeldü. Und wenn ich verliebt bin, bin ich noch mehr düdeldü” , der ist tatsächlich nicht weniger als ganz extrem düdeldü.

3

NADINE. Mit 32 Jahren fühlt sich die hyaluronsäuremündige Berlinerin als "Großmutter hier, auch wenn ich unglaublich jung ausschaue", außerdem auch "ziemlich awkward, wenn 22 Frauen um einen Typen geiern." Bot in der Auftaktsendung noch nicht ihre ganz großen Momente, hat aber dem Produktionsleiter den Mund bereits ausreichend wässrig gemacht: "Ich habe so selten Sex, ich würde nicht ausschließen, ihn hier vor der Kamera zu haben." Außerdem verspricht sie, möglicherweise "auszurasten" , ganz sicher weiß sie das aber noch nicht. Wir cheeren vom Fernsehstuhl: Go, Girl, go!

4

JANINE CHRISTIN. Friseurin, die Sängerin werden will, weshalb sie jetzt gleich mal einen Celine Dion-Song genüsslich vergewaltigt, um dann im Tonstudio zu twerken und zu erklären, dass sie "schon überall Sex hatte, im Wasser, am Rücksitz, auf der Toilette, vor versammelter Mannschaft." Während wir noch überlegen, ob wir die Frau vielleicht von YouPorn kennen, haut Janine Christin schon den nächsten Sager raus: "Ich stehe nicht auf Blümchensex, wenn ich nach Hause kommen würde und da liegen Rosenblätter würd' ich sagen, mach den Scheiß da weg." Als sie vor dem "Bachelor" steht, schlackern der vermeintlich Toughen dann die Knie und sie droht zu kreislaufkollapsieren, gäbe es in der Villa nicht glücklicherweise ausreichend Alkohol: "Den brauch ich jetzt zum Runterkommen."

5

JANINA CELINE. Bislang wenig auffällig, wird aber - so spoilert es die Vorschau auf die nächste Folge - zum Zankapfel, weil sie als erste mit ihrer Zunge die Backenzähne des "Bachelors" untersucht.

Sonst verraten wir an dieser Stelle immer, wer raus ist. Heuer können wir uns das Protokoll sparen. Es waren mit größter Wahrscheinlichkeit ein paar Janines.

Thema: Der Bachelor