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Der Bachelor: Alle am Rumschreien, das war geil

Beim Bachelor fliegen die Fetzen, besser gesagt, die Handtücher. Es wird viel geküsst, vor allem die Luft. Die Damen machen Tequilagesichter und größenvergleichen ihre „Möpsis“.

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Der Bachelor: Alle am Rumschreien, das war geil
© MG RTL D / Arya Shirazi

Falls Ihr Folge 2 verpasst habt, müsst Ihr sie nicht nachschauen. Ihr könnt sie ganz leicht daheim nachstellen. Einfach mit Freundinnen in verteilten Rollen so laut wie möglich „Oh mein Gott!“ rufen, einmal die Tonleiter rauf und runter. Damit sind alle wesentlichen Handlungsstränge abgedeckt. Etwa die Landung von Bachelor Andrej im Hubschrauber („Oh mein Gott, Christian Grey!?!?“), die Erstbegehung der Ladies‘-Villa am Strand von Los Cabos („Oh mein Gott, oh mein Gott, ach du heilige Scheiße, oh mein Gott!“) oder die Ankunft eines Briefs („Oh mein Go-hottt, ein BRIEF!“).

Dramaquotenqueen Christina fasst zusammen: „Alle am Rumschreien, das war schon geil!“ Sie selbst lag wieder im Dezibelspitzenfeld, immer am Rumschreien. Christina hat ja bereits in Folge 1 angekündigt, sie suche den Mann, der sie „zum Schweigen bringt“. Inzwischen wurde eine weltweite Großfahndung nach diesem Mann eingeleitet, damit endlich auch andere Frauen in Los Cabos zu Wort kommen, doch die Suche blieb erfolglos.

Und so quäkt Christina ohne Stopptaste weiter („da ich ja nicht das Mäuschen bin, das in der Ecke sitzt und nichts sagt“). Sie stellt sich im Bikini neben eine Bikinikollegin und ermittelt den Body-Ass-Index: „Du hast mehr Hintern!“ Und es kommt noch schlimmer: „Und mehr Möpsis!“ Darauf die andere: „Und Beine? Mehr Beine?“ Christina zählt durch. Ergebnis: „Vielleicht hast du ein bisschen mehr als ich.“ Wie viele? Drei? Vier? Man kann ja in Zeiten harter Konkurrenz nicht genügend Standbeine haben.

Der Bachelor malt inzwischen mit Steffi ein Bild und, abgesehen davon, auch gleich den Teufel an die Wand: „Ich wünsch mir jetzt, dass die Frauen ihren wahren Charakter zeigen.“ Los geht’s. In Nullkommanix fliegen am Ladies‘-Pool die Fetzen, besser gesagt, die Handtücher: Kickboxluder Isabell (zu der kommen wir später noch einmal) will „ihr“ Handtuch wieder haben und findet es in Evas Zimmer. Diese tobt und kündigt an, es sich aus Isabells Zimmer zurückzuholen. Darauf Isabell: „Also wenn sie jetzt in mein Zimmer geht und mein Handtuch holt, verklopp ich sie.“ (Zum besseren Verständnis: Verkloppen ist Isabells liebste Kommunikationsform. Wir wissen ja bereits, dass sie Kickbox macht und was ihr Traummann drauf haben muss: „Kannst du dich auch mal kloppen, wenn’s drauf ankommt, oder rennst du weg? Ich muss das wissen, ich komm aus so ´ner Familie. Mein Papa ist der Stärkste der Welt!“) Die Handtuchklopperei geht in die nächste Runde. Eva kehrt mit dem Objekt der Begierde zurück – um irgendwas muss man sich ja fetzen, wenn der einzig verfügbare Mann inzwischen mit anderen Frauen mexikanisch kocht und Tequilarunden schmeißt.

Isabell sieht Eva, das Handtuch – und Rot: „Du bist der Teufel in Person!“ Eva bedankt sich artig und sagt dann noch allerhand Unartiges. Lara übernimmt die Vermittlerrolle: „Bums, Aus, Ende, Feierabend. Reicht doch jetzt.“ Na ihr vielleicht, den anderen noch lang nicht. Da schreit Lara schließlich Eva an: „Du redest mit uns, als wären wir kleine Kinder“ und äfft sie nach: „Äääärstens, zweitens, drittens … Kannst du das auch anders sagen?“ Evas Antwort kommt prompt: „Äääärstens …..“ Allmählich ist absehbar: Für den Friedensnobelpreis wird Laras Vermittlungsversuch nicht reichen.

Irgendwann fällt in der Folge der Satz: „Ich fühl mich immer dummer.“ Ja, wir eh auch. Dummer geht’s nicht. Aber wir bleiben dran, denn Bachelor-Schauen ist wie Chips-Essen. Man kann nicht aufhören, egal, wie sehr einem bereits graust. Die Frauen, die von Andrej zur mexikanischen Party geladen wurden, trinken ja auch brav einen Tequila nach dem anderen, egal, wie sehr ihnen graust. Sie machen dabei so verzerrte Tequilagesichter, dass die Faltenbildung direkt in die Botox-Notaufnahme führen wird. Aber der Bachelor ist schmerzbefreit und küsst zum Abschied wie immer jede Dame links und rechts, besser gesagt, die Luft links und rechts neben den Damen. Nur Steffi versucht es mittig, wird aber vom Luftküsserkönig darauf hingewiesen, dass es dafür zu früh sei. Eh klar, der hält sich alle Optionen offen. Schon kommt überraschend eine Neue dahergestöckelt. Nathalia. 25. Brasilianische Wurzeln und Triebe. Der Bachelor gerät ins Schleudern: „Die hat wirklich Kurven, da steh ich drauf.“

Doch zurück zu Kickboxerin Isabell. Die nennt Steffi einen „Bauern“, weil diese zu anbiedernd mit Andrej getanzt habe. Worauf dieser einen Tanz macht und Isabells provokante Twerkingparade verarscht: „Und wenn man vor Fernsehkameras seinen Arsch anbietet, ist das nicht Anbiedern?“ Na bumm. Dieser Haken sitzt, auch wenn Isabell am Morgen beim Kickboxtraining noch über Andrejs Schlagtechnik gelacht hat. Als er ihr schließlich eine Rose als Bewährungsticket anbietet, lehnt sie ab und fährt heim. Andrej kann sich seine Rose behalten und macht einen auf beleidigte Leberwurst: „Jetzt hat sie sich ziemlich feige aus der Situation zurückgezogen.“ Na hoffentlich schickt im Isabell nicht den stärksten Papa der Welt vorbei.

Auch Maryia muss gehen und leberwurstet ein bisschen herum: „Wer da heute weitergekommen ist … also, ich möchte nicht böse sein …, aber da bin ich froh zu gehen.“ Auch eine der beiden Claudias wird verabschiedet. Ebenso Lara, unsere Friedenstaube. Um es in Laras Worten zu sagen: „Bums, Aus, Ende, Feierabend. Reicht doch jetzt.“

WOMAN-Kolumnistin Birgit Braunrath.

Über die Autorin:

Birgit Braunrath ist Autorin und Kolumnistin. Für Woman schreibt sie gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Guido Tartarotti die Scheidungskolumne "Glücklich geschieden". Ab 21. März 2019 treten die beiden damit in der Kulisse in Wien auf. Und ab sofort wird sie auf woman.at die neuen Folgen vom "Bachelor" kolumnistisch für euch verarbeiten. Darüber hinaus schreibt sie unter anderem im Kurier.

Thema: Der Bachelor