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Der Bachelor: Ich hab schon wieder Reizüberflutung

Endlich Nachwuchs! Und damit ist nicht die Neue gemeint, die als Date Crasher in ein Spa eingeschleust wird und krasse Bordellwitze erzählt. Hilfe, holt uns hier raus!

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Der Bachelor: Ich hab schon wieder Reizüberflutung
© RTL

Wir sind inzwischen Kummer gewöhnt. Wir sind sogar dumm-dummer gewöhnt. Der Bachelor ist ja die Show, in der man ungestraft „Ich fühl mich immer dummer“ rufen darf, wenn gerade die Üs ausgegangen sind oder man Sprache nicht zu seinen Kernkompetenzen zählt. Es kommt ja auf die äußeren Werte an.

Aber was uns da diesen Mittwoch ins Strandhaus gewachsen ist! Oh mein Go-hottt! – Die Neue heißt Sina, obwohl sie sich selbst „Ich bin ´ne Überraschung“ nennt, als sie das Date von Eva und Andrej im Spa sprengt. Sie wird auch gleich wieder – Überraschung! – von Andrej zur Tür begleitet. Die beiden kommentieren den Vorfall anschließend wortreich:

Andrej: „Oh mein Gott!“

Eva: „Oh mein Gott!“

Und weil solche Dialoge selbst für Bachelor-Verhältnisse nicht abendfüllend sind, verlassen wir den Spa-Bereich und gehen ins Bordell. Sina präsentiert sich dem Publikum mit ihrem Lieblingswitz: „,Was macht ´ne Bombe im Bordell? Puff!‘ Der war witzig, ´ne?“ Puff. Uff. Oh mein Go-hottt! Allmählich braucht man hier echten Alkohol, um den Text zu verdauen. Mit dem Amarula-Nachfolger Batida de Coco verpickt man sich ja irreparabel den Magen, wenn man auf jeden Tiefschlag einen hebt.

Und was macht ´ne Bombe im Strandhaus? Schlechte Laune. Als Eva die Neue nach dem Spa mitnimmt, ruft sie: „Hallo, ich hab Besuch mitgebracht!“ Die Freude ist am Tiefpunkt. Wäre ja bei uns daheim auch nicht so der Stimmungsaufheller, wenn der Besuch mit Koffer und Aufrisslaune vor der Tür steht und gleich einzieht. Kimberley mault: „Nicht so klasse, dass wir immer mehr werden.“ Die unfreiwillige Vermehrung führt zu Zellenteilung, obwohl doch manche gern ein Einzelzimmer hätte.

Der ständige Villennachwuchs sorgt für Ärger. Doch anderswo am Bachelor-Strand gibt es echten Nachwuchs. Vanessa ist im Mutterglück und ruft Andrej zu: „Unsere Babys!“ Der säuselt: „Ein unheimlich schöner Moment, schon sehr besonders, werd ich nie vergessen.“ Die jungen Eltern setzen Babyschildkröten ins Meer, taufen die eine oder andere „Brigitte“ und Vanessa ist ihrem Glück kaum gewachsen: „Manchmal bin ich überfordert.“ So geht‘s doch allen Jungmüttern. Und diese Babys werden ihr keine schlaflosen Nächte bereiten, wenn sie zahnen, die sind binnen Sekunden vom Meer verschluckt.

Somit hat der Jungvater wieder Zeit für Wesentliche: Reiten, Bootfahren, Partys schmeißen. Er entpuppt sich diesmal als Mann für jeden Fall. Sagt Vanessa: „Cheers!“, antwortet er: „Auf jeden Fall!“ Sagt er zu sich selbst: „Ich mag’s wenn eine Frau Kurven hat“, antwortet er: „Auf jeden Fall!“. Und sagt Eva: „Willst du Kinder haben?“, antwortet er: „Auf jeden Fall!“ Schildkrötenkinder tun’s aber auch, wenn man vielbeschäftigt ist.

Im Strandhaus wird die Luft dicker. Die Überpopulation sorgt für Gedränge. Wenn der Schildkrötenpapa mit fünf Frauen ausreitet, winselt eine (Christina, eh klar): „Da waren um vier Frauen zu viel dabei!“ Man denkt: „Nein, um fünf!“ Aber man sagt das nicht laut, Christina ist ohnehin dauernd am Kotzen. Kaum ist was los, schreit sie schon wieder: „Ich muss mich übergeben vor Aufregung!“ Inzwischen rennt aber niemand mehr los und holt einen Kübel. Man kennt das bereits, sie kriegt sich wieder ein – oder stoffwechselt den Text: „Scheiß drauf! Bin fertig“, ruft sie, als Herr Bachelor mit Picknickkörben antanzt und provoziert: „Die ersten fünf, die fertig sind, kommen mit aufs Boot.“

Fünf? Das Boot wäre locker groß genug für 20, ist aber so problembeladen, dass es beinahe kentert. Einziger Moment der Einigkeit: eine Robbe. Alle im Chor: „Eine Robbe, oh mein GO-HOTTT“. Ansonsten verbindet an Bord nur die Zwietracht. Jenny will alle ausbooten. Sie rennt und schwimmt dem Bachelor hinterher. „Die ist in love, und schadet sich damit nur selber“ – analysiert Christina die Schieflage. Und weil Christina ausnahmsweise nicht kotzen muss, springt Jade ein: „Soll ich der jetzt ins Gesicht kotzen, oder soll ich’s lassen?“ Sie lässt es, macht aber auf Männerversteherin und erklärt Jenny zu Andrejs Krisenherd: „Dem wird das zu viel, wenn so ´ne Frau nach nur einem Date meint, der gehört mir. Ein Mann kriegt da die Krise – und ´n´ Kollaps.“

Hat sie Recht? Ist der Mann überfordert? Als er zur Nacht der Rosen begrüßt, sagt er: „Ich hab schon wieder Reizüberflutung.“ Junge, wer hier nicht? Das muss man erst mal durchdrücken. Nathalie beschließt: Sie nicht mehr – und geht. Andrej kriegt schon wieder die Krise: „Klar ist es ein Scheißgefühl, verlassen zu werden.“ Aber Jenny findet: „Jetzt kann’s nur noch besser werden.“ Wird es auch. Zumindest für sie. Denn Luisa fährt auch gleich freiwillig heim.

Schade um die beiden. Vor allem um Nathalie. Die hatte ihre Momente. Naja, zumindest den einen. Unvergessen, wie sie auf dem Pferd sitzt, das ungefragt den Retourgang einlegt, und schreit: „Kann jemand das Pferd anhalten? Ich möchte runter!“ Andere fühlen sich deutlich wohler auf dem hohen Ross. Der Bachelor wischt sich eine Träne weg, Christina weiß, wie man gebrochene Männer wieder zusammenpickt: „Du machst nichts falsch!“ – Oder hat sie das zu sich selbst gesagt? Wir bleiben dran.

WOMAN-Kolumnistin Birgit Braunrath.

Über die Autorin:

Birgit Braunrath ist Autorin und Kolumnistin. Für Woman schreibt sie gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Guido Tartarotti die Scheidungskolumne "Glücklich geschieden". Ab 21. März 2019 treten die beiden damit in der Kulisse in Wien auf. Und ab sofort wird sie auf woman.at die neuen Folgen vom "Bachelor" kolumnistisch für euch verarbeiten. Darüber hinaus schreibt sie unter anderem im Kurier.

Thema: Der Bachelor