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Der Bachelor: Ballmaschine, Kaugummiautomat, Rosendealer

Unser liebstes Trash-Format ist wieder da! Kolumnistin Birgit Braunrath hat die gestrige Folge von "Der Bachelor" für euch angeschaut. Ihr Resümee? In der neuen Staffel brilliert derzeit noch Mexiko in der Hauptrolle. Aber die Kandidatinnen brezeln sich auf, so laut sie können. Und der Obergockel gibt Gas.

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Der Bachelor: Ballmaschine, Kaugummiautomat, Rosendealer
© MG RTL D / Arya Shirazi

Endlich. Der Bachelor aus Staffel neun ist Profi. Profi-Basketballer. Bei Andrej Mangold wird nicht gepfuscht, der weiß, wie Profis einnetzen und Pässe verteilen. Kann auch mal ein Laufpass sein und ein Korb. Drei wurden gleich zum Staffelauftakt vergeben: Jasmin, Karin und Julia mussten kurz nach Anpfiff das Spielfeld verlassen. Sollen sie froh sein, man ahnt ja, wie das ausgeht, wenn man sich einen Mann angelt, der sich vorher „letzte Ratschläge bei seiner Mutter holt“. – ALTER! (um in RTL-Jargon für OIDA zu bleiben).

Außerdem waren 20 Hennen selbst dem Obergockel zu viel, schließlich ist er Basketballer und kein Jongleur. Wegen der 20 Pics überm Bett wär’s nicht gewesen. Denn dort hat unser Profi keine Frauen hängen, sondern ein Bild von sich selbst. Man muss wissen, mit wem man am Ende des Tages fix zam ist.

Aber lassen wir uns nicht vom ersten Eindruck täuschen. Wie sagt eine der vier Flugbegleiterinnen unter den Kandidatinnen so schön: „Weißt du, dass der erste Eindruck von mir anders ist, als ich eigentlich bin?“ Geht uns eigentlich eh allen so. Der Bachelor sagt: „Ich bin mental sehr stark eigentlich.“ Und dann lässt er noch den Unternehmer raushängen: „Ich habe ,Das Kaugummi‘, mein eigenes Produkt im Inland und im Ausland am Kiosk liegen. Das ist der Wahnsinn eigentlich.“

Der Mann ist der Wahnsinn. Eigentlich. Ballmaschine, Kaugummiautomat und Rosendealer. Was er sonst noch kann, deutet RTL nur an - etwa indem Andrej neben riesenhaften Phallussymbolen für Promo-Fotos posiert. Das sind allerdings Kakteen und man weiß nicht, wann er seine Stacheln ausfahren wird. Womöglich stachelt er auch nur die Damen zu Dezibel-Höchstleistungen an. So wie Christina aus Hannover. Die Miss Norddeutschland 2017 bekam als Erste eine Rose und kreischte daraufhin so laut, dass die Nachbarn bestimmt die Polizei gerufen hätten, wenn es denn welche gäbe. Aber der Strand von Mexiko ist endlos, und an den einen oder anderen Hörsturz wird sich Mister Bachelor gewöhnen müssen, denn nur wer laut ist, wird gehört.

Also kam Christina gleich laut singend auf ihn zu: „Spüre die Sonne, das Meer von Mexiko City …“ und drückte ihm eine „Notfall-Peitsche“ in die Hand, für den Fall, „dass dir das Geschnatter hier zu laut wird“. Andere Männer hätten womöglich erwidert: „Frau Notfall-Schlagersängerin, ich darf Sie darüber informieren, dass auch Florian Silbereisen zu haben wäre“. Nicht so Andrej. Der greift zu. Und tauscht die Notfall-Peitsche doch glatt gegen eine Notfall-Rose („Ich hab die besondere Ehre, ich darf jemandem eine Rose vorab überreichen“). Hatte er Angst? Wollte er die Frau ruhigstellen, damit sie nicht weitersingt? Es kam schlimmer. Sie bedankte sich mit einem Koloraturkreischen: „Ich kann nicht mehr! Ich heul gleich!“ Was immerhin die weniger gefährliche Drohung war als vor der Begegnung. Da hatte sie im Ich-brauche-Beachtung-Modus gerufen: „Ich muss gleich brechen!“ Die Frau ist anstrengend. Kein Zufall, dass sie in ihrer Selbstvorstellung sagte, der Mann, den sie sucht, „soll schon in der Lage sein, mal zuzupacken und mich zum Schweigen zu bringen.“ Ob der schon geboren ist, bezweifeln wir.

Fast versteht man allmählich den Bachelor, wenn der Frechheiten sagt, wie: „Es ist sehr selten, dass einem eine Frau auf Augenhöhe begegnet.“ Ok, das war ein bisschen unglücklich formuliert – und bezog sich auf die Körpergröße von Kandidatin Kimberley. Soll sein. Die Damen sagen mitunter auch Dinge, die Befremden hervorrufen. Vor allem kurz bevor sie aufs Spielfeld gehen. Da wird gewickelt (nicht nur Lockenwickler) und sich gebrüstet. „Also hier ist schon mal eine Brust von mir!“, sagt eine Kandidatin im Aufbrezelchaos und zeigt ein Teil in die Kamera, das sie offensichtlich in ihren BH stopfen wird. Wir machen uns doch alle gern ein bisschen größer als wir sind. Eine andere toupiert sich ihre Haare himmelwärts und kreischt plötzlich: „Schaut ja aus wie ein Vogelnest!“ Wir wollen nicht mutmaßen, wer oder was in dem Kopf mit dem Vogelnest wohnt. Sowas macht man nicht. Sind doch alles ernstzunehmende Frauen. Manche sagen sogar ganz normale Sätze. So wie Jenny, die meint: „Küssen ist schon sehr wichtig.“ Vielleicht nimmt er am Ende die, wenn er die Vogelnester nach menschlichem Leben und versteckter Intelligenz durchsucht hat.

Als dann endlich alle Brüste, Gesichter und Haaraufbauten für die erste Bachelor-Begegnung fertig gebastelt und die Kandidatinnen kaum wiederzuerkennen sind, sagt eine: „Ich find einfach, man sollte einfach sich selbst bleiben.“ Stimmt. Falls man sich unter dem eigenen Vogelnest überhaupt noch findet.

„Der Bachelor“ und sein Personal haben uns bereits in Folge eins nach Kräften unterhalten. Dafür danken wir ihnen. Auch mit Spott. Das ist Teil des Deals: Ihr unterhaltet uns, wir schämen uns ein bisschen fremd für euer Benehmen und ein bisschen eigen fürs Zuschauen. Also wird auf Twitter parallelgeätzt, was das Zeug hält. Unter anderem über die Grammatik des Bachelors, der sein Produkt „Das Kaugummi“ nennt: „Er hat DAS Kaugummi erfunden, aber nicht die Grammatik“. „Und am Ende jeder Folge verteilt er nicht Rosen, sondern DAS Kaugummi.“

Selbst wenn alles nur ein ausgeklügelter Marketing-Gag von Andrej Mangold und seinen beiden Kaugummi-Partnern sein sollte: Wir mögen den Mann, wenn er sagt: „So, ich lass' mich jetzt von meinem Bauch treiben.“ Was auch immer er treiben wird, wir werden dabei sein.

WOMAN-Kolumnistin Birgit Braunrath.

Über die Autorin:

Birgit Braunrath ist Autorin und Kolumnistin. Sie schreibt unter anderem im Kurier. Für Woman schreibt sie gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Guido Tartarotti die Scheidungskolumne "Glücklich geschieden". Ab 21. März 2019 treten die beiden damit in der Kulisse in Wien auf. Und ab sofort wird sie auf woman.at die neuen Folgen vom "Bachelor" kolumnistisch für euch verarbeiten.