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Der Bachelor: "Das war schon nah am Nervenzusammenbruch"

Alles Komödie, Schmierenkomödie, am Strand von Mexiko. Ist dort eigentlich noch irgendwer ganz dicht? Nadine sicher nicht. Die weint schon wieder. Und wer bei drei nicht den Mund zumacht, wird geküsst.

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Der Bachelor: "Das war schon nah am Nervenzusammenbruch"
© RTL

Es gibt eine Steigerung zu Shakespeares „Komödie der Irrungen“: RTLs „Komödie der Irren“, besser bekannt als „Der Bachelor“. Kennt sich dort noch irgendjemand aus, der bei halbwegs gesundem Menschenverstand ist? Erst raunzt uns Nadine wochenlang vor, dass der erste Eindruck von ihr anders sei, als sie „eigentlich“ ist. Dann jammert sie auch noch dem Bachelor die Hucke voll: „Ich hab das Gefühl, dass du mich von ‘ner ganz anderen Seite kennenlernst, als ich wirklich bin.“ Und am Ende triumphiert sie trotzig im Moment der Niederlage: „Also ich war ABSOLUT ICH, von Anfang bis jetzt zum Ende. Und da bin ich absolut stolz darauf.“ – Na wie jetzt?

Womöglich ist Nadine einfach nur die perfekte Verkörperung von Ödön von Horváths berühmtem Zitat: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.“ Es stammt aus der Komödie „Zur schönen Aussicht“. Und schön ist sie, die Aussicht, am Strand von Los Cabos. Ansonsten unschöne Szenen, wohin man schaut.

Denn der Bachelor steht total auf Jenny. Doch ehe er das offiziell machen darf, muss er möglichst viele Frauen probeküssen. Und das sorgt abwechselnd für hitzige Debatten und eisiges Schweigen. Oder, wie Bachelor Andrej es ausdrückt: „Die Stimmung war echt ätzend. Die Luft hättest du mit ‘nem Messer durchschneiden können. Ich hab‘ die Flucht ergriffen.“ Weit ist er nicht gekommen. Die Flucht endete zwei Türen weiter, wo bereits die Rosen für seine Gunstverteilung lagen. Schuldbewusst eilte er damit zurück, dorthin, wo die Luft inzwischen nicht mehr zum Schneiden, sondern bereits zum Hacken war.

Es war aber auch ein echt harter Abend für den vom Probeküssen abgekämpften Andrej: Steffi hatte ihm mitgeteilt, dass sie „einen Kinderwunsch“ habe und es „todernst“ mit ihm meine. Jenny hatte „Sooo einen Hals!“, weil er schon wieder mit einer anderen Händchen hielt. Und Nadine war – eh klar – wieder mal am Weinen: „Mir ist das einfach zu viel. Ich komm mir vor wie’n kleines Mädchen. Ich bin voll am Zittern.“ Andrej musste sie beruhigen und murmelte schließlich, tief beeindruckt ob der emotionalen Wucht: „Also das war schon nah am Nervenzusammenbruch.“

Sind wir nicht alle nah am Nervenzusammenbruch? Die Situation ist einfach zu prekär. Beim Straßenfest zum „Tag der Toten“ füllt der polygame Andrej vier seiner Frauen mit Tequila ab und setzt sie anschließend aufs Party Bike, damit sie nicht abhauen können. Denn kaum hatte er sich davor kurz an die Bar begeben, um Tequila nachzutanken, waren ihm alle vier auf die Bühne entwischt. Sie lieferten dort einen so peinlichen Auftritt als ungebetene Background-Sängerinnen, dass er aus dem Fremdschämen gar nicht mehr rauskam. Als dann endlich alle mit ihrem kunstvoll-morbiden Toten-Make-up per Party Bike durch die Stadt cruisten, schwärmte er: „Ein richtiger Junggesellenabschied! Steht nur noch nicht fest, welche Frau am Ende ...“ In Mexiko wird man wohl noch länger über diesen bizarren Polterabend den Kopf schütteln.

Aber das war längst nicht die einzige schräge Szene. Ganz am Anfang von Folge sechs sprechen Nadine und Steffi von ihrer Terrasse aus mit einem Adler, den sie für ihr „Orakel“ halten. Man ahnt es bereits: Hier haben einige einen ordentlichen Vogel. Und nicht nur die Damen. Auch der Herr Hahn im Korb scheint ’ne Meise zu haben. Irgendwann grübelt er selbstverliebt in die Kamera: „Ich mein, ich hab jetzt hier schon mehr als eine Frau geküsst. Normal ist das nicht.“

Was, bitteschön, ist hier schon normal? Der Mann sagt ja auch komische Sätze wie: „Ich geh‘ sehr gern mit Frauen shoppen!“ Oder: „Ich baue hier parallel Verbindungen zu Personen auf, und was das am Ende des Tages mit meinem Kopf macht, weiß ich noch gar nicht.“ Wie kopflos ist das denn? Und dann lässt er sich auch noch bedauern, weil er nicht absehen kann, wie sein Herz auf all die Belastungen reagieren wird. Opfer. Als Nathalia ihm den Kuss verweigert, weil sie ein ungutes Gefühl dabei habe, „wenn ich weiß, dass du morgen mit einer anderen …“, fällt er ihr ins Wort und stoßseufzt: „Was denkst du, WIE’S MIR GEHT? Ich weiß ja auch nicht, was mit meinem Herz passiert.“

Genau. Man weiß nie, was passiert. Es soll ja zu ernsthaften Krankheitsbildern führen (von Herzrasen über Herzzerreißen bis Herz-in-Hose), wenn man sich emotional übernimmt. Und dann muss man hier auch noch Woche für Woche jemanden rausschmeißen. Diese Woche übrigens Claudia und Nadine. Claudia trug es mit Fassung. Nadine mit Fassungslosigkeit, hatte sie dem Bachelor doch unmittelbar vor seiner Entscheidung klar ihre Forderungen diktiert: „Fakt ist, ich will dich kennenlernen. Ich möchte noch nicht nach Hause.“

Es allen Recht zu machen ist schwer. Es allen unrecht zu machen ist deutlich leichter, das schafft der Bachelor mit Links: Die Frauen sind inzwischen echt grantig. Steffi schimpft: „Jede ist momentan DIE EINE. Wenn alle vom Date zurückkommen und das gleiche erzählen, komme ich mir doof vor.“ Vanessa weint: „Das ist einfach ein Scheißgefühl.“ Und Jenny tobt: „Mir ist einfach nur schlecht. Du bist hier eine von vielen, und irgendwann reicht’s auch mal.“

Ehe es den Damen tatsächlich reicht und sie sich ein paar fesche Mexikaner aufreißen, zieht RTL die Notbremse und verfrachtet alle miteinander für die kommende Folge nach Deutschland. Der Möchte-gern-Schwiegersohn wird dort den Familien vorgestellt. Da müssen wir jetzt alle gemeinsam durch. Adiós Mexico! Zum Glück gibt‘s Tequila in Düsseldorf.

WOMAN-Kolumnistin Birgit Braunrath.

Über die Autorin:

Birgit Braunrath ist Autorin und Kolumnistin. Für Woman schreibt sie gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Guido Tartarotti die Scheidungskolumne "Glücklich geschieden". Ab 21. März 2019 treten die beiden damit in der Kulisse in Wien auf. Und ab sofort wird sie auf woman.at die neuen Folgen vom "Bachelor" kolumnistisch für euch verarbeiten. Darüber hinaus schreibt sie unter anderem im Kurier.

Thema: Der Bachelor