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Der Bachelor: „Und dann versuch ich, mich vernünftig zu benehmen“

Eine Kaktus-Umarmerin soll die guten Geister wecken. Aber die scheinen tief zu schlafen. Der Bachelor benimmt sich ziemlich von allen guten Geistern verlassen.

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Der Bachelor: „Und dann versuch ich, mich vernünftig zu benehmen“
© RTL

Die Rollen sind verteilt. Und alle machen wieder Dienst nach Vorschrift. Zum einen der Herr Bachelor. Er verbreitet Spannungsparolen, die zum Nägelkauen animieren sollen, aber eher Kopfschütteln auslösen: „Jetzt, wo das Herz sich einschaltet, ist es nicht einfach.“ Wie jetzt? Der Typ hat einen Ein/Aus-Knopf am Herzen? Oder betätigt er dafür die Herzklappe?

Apropos Klappe. Könnte Steffi ihre bitte endlich halten? Wenn sie noch einmal „MEEEEGA!“ schreit, muss diese Sendung leider ohne mich auskommen (wie dieses Ultimatum endet, wird erst am Ende des Textes verraten, hier wird nicht gespoilert). Und dann grüßt da noch täglich das blondierte Murmeltier: Jade. Wenig überraschend murmelt es diesmal: „Ich sage, was ich schon wochenlang gesagt hab, dass es mich einfach nervt, dass ich keine Zeit mit dem Mann verbringen kann.“ Jade sagt das nicht zum ersten Mal (man hätte mehr als zehn Finger gebraucht, um mitzuzählen). Aber sie sagt es – zum letzten Mal.

Beim Camping unter Kakteen verabschiedet sich Jade überraschend von Bachelor Andrej, noch ehe dieser sie verabschieden kann. Andrej seufzt daraufhin bühnenreif, wie ein verschmähter Liebhaber: „OH MANN, JADE …“ Kaum hat er die Contenance wieder gewonnen, erklärt er seinem Harem die Hintergründe von Jades Abgang aus seiner Sicht: „Wir sind uns einig, dass die Zeit uns in die Quere gekommen ist.“ OH MANN, ANDREJ …! Fällt dir nichts Dümmeres ein? Als die Zeit anzuklagen? Nur weil die sich nicht wehren kann? „Die Zeit ist einfach gefühlt abgelaufen zwischen uns“, sagt er. Wie bitte? Abgelaufen? Die Zeit hat dir knapp 800 Sendeminuten zur Verfügung gestellt, um Jade kennenzulernen. Aber Schwamm drüber. Man kann doch als Ein-Mann-Aufriss-Truppe nicht für alles verantwortlich sein.

Vanessa weint schon wieder. Und entschuldigt sich schon wieder: „Tut mir leid.“ Prinz Bachelor reitet heute hoch zu Ross und erwidert huldvoll: „Es muss dir nicht leidtun. Ich hab auch Ups and Downs. Ich bin auch keine Maschine.“ Keine Maschine? Und wie war das vorhin mit dem Ein/Aus-Knopf an seinem Herzen?

Nein, der Mann ist keine Maschine. Wie zum Beweis packt er am nächsten Morgen seine Spiritualität aus dem Camping-Koffer und ruft: „Wir gehen zur Schamanin!“ Dazu erklärt die Off-Stimme allen Ernstes: „Nun soll eine spirituelle Heilerin die guten Geister für den Bachelor und die Frauen wecken.“ Aber die guten Geister scheinen alle noch tief zu schlafen. Denn die Frau Schamanin ist eher eine Kaktus-Umarmerin, die von allen guten Geistern verlassen zu sein scheint. Sie inszeniert ein tränenreiches Ritual unterm Säulenkaktus. Und Andrej muss Jennifer daraufhin trösten und küssen, was den Verdacht nahe legt, dass er das ganze Theater selbst inszeniert haben könnte. Er steht nämlich MEEEGA auf Jennifer, muss aber so tun, als wären Steffi, Eva, Nathalia und Vanessa auch noch im Rennen.

Anschließend versucht er, sein Benehmen zu rechtfertigen: „Die Jennifer hab ich jetzt, gefühlt, auch schon lang nicht mehr für mich allein gehabt.“ Na hallo? Als ob irgendeine der Damen ihn „für sich allein haben“ könnte. Aber als Vanessa weint, weil es sie „einfach stört, wenn manche Personen so weit gehen, dich vor allen einfach hierhin zu küssen und dahin“, hat der Hierhin-Und-Dahin-Geküsste nur ein Achselzucken für sie: „Das is 'ne Sache, die kann ich nicht steuern.“ Und beteuert sogleich, dass er „nicht möchte, dass die Stimmung kippt“.

Schon passiert. Die Stimmung kippt nicht nur, sie ist kurz davor, sich von der nächsten Klippe zu stürzen, als Andrej Nathalia erst wortreich erklärt: „Ich habe mit dir eines der schönsten Dates erlebt, die ich jemals hatte … ich war dir sehr nah“ – und sie dann ziemlich grußlos in die Wüste schickt.

Wenig später wird auch er – Adiòs Mexiko! – samt den restlichen Damen in die Wüste geschickt – nach Deutschland. Geschieht ihm recht. Dort soll er die Familien seiner Frauen kennenlernen. Mütter, die erfahren, dass er quasi im Minutentakt verschiedene Frauen küsst? Na die wird er kennenlernen! Das wird ihm wohl auch selbst gerade bewusst, denn er sagt kleinlaut: „Wir können uns erst mal auf Zuhause freuen. Und dann versuch ich, mich vernünftig zu benehmen.“ Ob ihm das gelingt, bleibt Ansichtssache ...

In Deutschland lernen wir: Düsseldorf hat weniger schöne Strände als Mexiko und Vanessa eine verhaltensauffällige Schwester. Diese Schwester zeigt endlich Mitgefühl mit dem überlasteten Bachelor, weil es doch „superseltsam sein muss“, wenn man „vor so vielen Mädels steht“. Er fühlt sich verstanden: „Ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht.“ Da kriegt er von der superseltsamen Schwester gleich ein paar Tipps an den Kopf geknallt: „Ich hab sehr viele Männer gedatet, und irgendwann hab ich’s nicht mehr im Griff gehabt, da hab ich mir Karteikarten geschrieben!“ Aber Andrej kommt gar nicht dazu, Karteikarten kaufen zu gehen, denn die Schwester redet ohne Punkt und Komma: „Ich weiß, dass du der Knaller bist. Wie weit bist’n gegangen? Geknutscht habt Ihr schon?“ Als sie schreckgeweiteten Auges erfährt, dass Vanessa und Andrej NICHT geknutscht haben, ist der Bachelor um Schadens- und Lärmbegrenzung bemüht, indem er brummt: „Aber ich könnte mir vorstellen, dass es nicht mehr lang dauert.“ Mutter und Schwester verabschieden sich, Andrej küsst Vanessa – und plötzlich hört man von draußen die Kirchenglocken (oder ist es schon wieder das Lachen der Schwester?).

Vor lauter Peinlichkeit wünscht man sich zurück in Steffis Wohnung, obwohl dort auch Beklemmung herrschte, als der Bachelor erfuhr, dass Steffi mit ihrer Wohnungskollegin im selben Bett schläft. Die Nachricht brachte seine Stimmung zum Kippen, da konnte Steffi noch so beteuern, dass sie und ihre Freundin „kein Paar“ seien. Andrej schüttelte den Kopf, von dem er eh schon nicht weiß, wo er ihm steht, und stammelte unbeholfen, auf das (leere) Bett der beiden starrend: „… wer’s mag … meins wär’s nicht …“

Machen wir’s kurz: Steffi wird nicht mehr „MEEEEGA!“ rufen, zumindest nicht in dieser Sendung. Am Ende bekam sie als Einzige keine Rose, sondern nur ein: „Ich würd dich gern zum Auto begleiten.“ Sie war sauer. Dabei konnte der Bachelor doch schon wieder nichts dafür. Einmal kommt ihm die Zeit in die Quere. Ein andermal eben sein Herz. Denn, so sagt er: „Das leitet mir jetzt den Weg.“ Na hoffentlich ist es eingeschaltet.

Du hast die anderen Folgen verpasst? Hier kannst du alle Bachelor-Kolummen nachlesen: Der Bachelor auf WOMAN.at

WOMAN-Kolumnistin Birgit Braunrath.

Über die Autorin:

Birgit Braunrath ist Autorin und Kolumnistin. Für WOMAN schreibt sie gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Guido Tartarotti die Scheidungskolumne "Glücklich geschieden". Ab 19. März 2019 treten die beiden damit auf diversen Bühnen auf. Und ab sofort wird sie auf WOMAN.at die neuen Folgen vom "Bachelor" kolumnistisch für euch verarbeiten. Darüber hinaus schreibt sie unter anderem im Kurier.

Thema: Der Bachelor

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