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Der Bachelor: „Sex in allen Ehren, is ja was Schönes, das braucht man“

Kurz vorm Finale überschlagen sich die Nicht-Ereignisse: Zerbrochene Köpfe, erbrochene Schmetterlinge und ein Traumfrühstück, dem der FKK-Strand die letzte Romantik raubt.

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Der Bachelor: „Sex in allen Ehren, is ja was Schönes, das braucht man“
© TVNOW/Alle Episoden von "Der Bachelor" bei TVNOW: www.tvnow.de

Läuft beim Bachelor! Die Dreamdates in Kuba scheinen alle zu beflügeln. „Ich glaube, dass ich mittlerweile Schmetterlinge im Bauch hab‘“, sagt Eva. Und Andrej sagt: „Das Kribbeln in meinem Bauch, ob das Schmetterlinge sind? Ja wahrscheinlich.“ – Alles könnte so einfach sein … wenn sich die Schmetterlinge nicht ins Gehege kämen: Evas Schmetterlinge zucken nämlich aus, wenn sie an Andrej denkt, Andrejs Schmetterlinge jedoch geraten in Vibration, wenn er an Jenny denkt. Dumm gelaufen. Andererseits: Dann ist wenigstens nicht schon wieder Andrej schuld, wenn eine weint. Kann man alles auf die kubanischen Schmetterlinge schieben. Die hätten sich vorher besser abstimmen sollen.


Ist ja echt ein Schlachtfeld, was man hier so vorfindet: gebrochene Herzen, zerbrochene Köpfe ... Was kommt als Nächstes? Erbrochene Schmetterlinge? Der Bachelor jammert vor der Rosenverteilung: „Das wird wieder was! Ein Kopfzerbrechen!“ Und er gesteht Jenny, dass er „meistens schon zu viel“ denkt. Komisch, merkt man ihm gar nicht so an.

Andrej zerbricht sich immer erst selbstlos den Kopf, ehe er einer Frau das Herz bricht. Sagt er. Vergangene Woche war es Steffi, die er mit „Ich würd‘ dich gern zum Auto begleiten“ abserviert hat (muss man sich tatsächlich den Kopf zerbrechen, um auf so einen dummen Spruch zu kommen, oder reicht es, wenn man nur auf den Kopf fällt?). Diese Woche ist es Vanessa, die er mit „Woll’n wir kurz sprechen?“ bald nach der gemeinsamen Liebesnacht verabschiedet. „Der harte Part war, mich entscheiden zu müssen“, winselt er. Er, der eh „immer 20 Schritte vorausdenkt“ und sich fragt: „Wie kann’s aussehen, wenn’s perfekt ist, und wie, wenn’s in die Hose geht?“

In die Hose geht? Da hätte er, statt zu grübeln, gleich bei Vanessa bleiben sollen, denn, so schwärmt er, kurz bevor er sie heimschickt: „Vanessas Art begeistert mich! Wenn mal was in die Hose geht, dann geht es halt in die Hose.“ – So wie zum Beispiel das Strandfrühstück von Vanessa und Andrej: Alles superfein inszeniert, ein Idyll wie aus dem Katalog, da latschen plötzlich im Hintergrund lauter Nackte durchs Bild. RTL muss penispixeln, und Vanessa fragt: „Ist das hier FKK-Bereich? Geil!“ Die ganze Szene war wieder einmal zum Fremdschämen, ging aber insofern nicht ganz in die Hose, als keiner der Date-Crasher eine anhatte.


Doch zurück zum Start: Nach der eher skurrilen Deutschland-Folge ist der Bachelor gemeinsam mit Jenny, Eva und Vanessa wieder in Los Cabos. Dort spricht er mit belegter Stimme: „Jetzt sind wir zurück in Mexiko, dem Land, wo alles begonnen hat.“ Meint er jetzt die Azteken? Wahrscheinlich doch eher sich selbst und seine ersten Flirtversuche mit Rosenverabreichung. Obwohl: Die Azteken sind ja bekannt dafür, dass sie sogenannte „Blumenkriege“ führten. Die dürften womöglich einer primitiven Vorstufe des Bachelor gehuldigt haben.

Der Bachelor lädt zur Ballonfahrt über Mexiko City, quasi als Teambuilding-Event. Die Aussicht ist gut, nur will hier niemand ein Team bilden. Jenny mault: „Ich hab jetzt nicht mit ´nem Gruppendate gerechnet.“ Eva schmollt: „Hin und wieder hab‘ ich nur seinen Rücken gesehen. Klar ärgert mich das.“ Beim gemeinsamen Dinner über den Dächern setzt dann die Stimmung endgültig zum Sprung von der Dachterrasse an. Jenny: „Nee danke, Gruppendate brauch ich echt nicht mehr.“

Eva und Jenny streiten, ohne Grund, darüber, wer weiß, welche Tattoos die andere wo hat. Andrej schlichtet wie ein Weltmeister: „Genug gekämpft jetzt?“ Ehe es zu Handgreiflichkeiten kommt, geht‘s weiter nach Kuba. Zu den Dreamdates. Das Wichtigste zuerst: Er hat alle drei ins Bett bekommen. Was er dort mit ihnen gemacht hat, wird nicht restlos geklärt, will aber eh niemand allzu genau wissen. Es war schon peinlich genug, wie er nach dem Bad mit Eva im eisigen Pool sagt: „Es war soo kalt, … das Wasser“ und bei „soo“ drei Zentimeter mit Zeigefinger und Daumen in die Kamera zeigt (wenn RTL schon vorbeispazierende Strandpenisse pixelt, dann muss es uns nicht so ein Kopfkino ins Hirn wichsen, echt jetzt.

Doch zurück zur Frage: Mit welcher Masche hat der Bachelor jede der drei ins Bett gekriegt? Sagen wir so: Es dürfte nicht schwer gewesen sein. Denn unter regulären Bedingungen hätte er mit seinem Einserschmäh nicht einmal ein Leguanweibchen abgeschleppt. Zu Eva sagte er: „Ich hab den Tag extrem genossen mit dir, und ich möchte nicht, dass er endet. Ich würde mich freuen, wenn du die Nacht mit mir verbringst.“ Mehr war nicht nötig. Vanessa fragte er zuerst, ob sie schon One Night Stands hatte. Sie bejahte, meinte aber, das sei „Zeitverschwendung“. Darauf er – taktisch nicht unklug: „Sex in allen Ehren, is ja was Schönes, was Tolles, das braucht man, das will man auch, ist aber natürlich mit `nem Partner viel schöner.“ Und dann sagte er, wie zufällig: „Es würde mir gut gefallen, wenn du hier bleiben möchtest heute.“ Ihr gefiel es auch, sie mochte. Und Jenny war zu haben mit: „Ich fand es megaschön heut‘ mit dir, von Anfang bis jetzt, aber ich will nicht, dass es jetzt zu Ende ist.“ Tür zu. Licht aus.
Die schönste Szene des Abends war, wie Mister Bachelor hochnervös an seiner Nase rieb, als er Jenny über deren Freundschaft zu Vanessa ausfragte. Man wunderte sich, dass er plötzlich überraschend menschliche Züge an den Tag legte, als er sich so besorgt erkundigte, ob denn die Freundschaft weiter bestehen könne, wenn eine der beiden die letzte Rose bekäme. Doch dann – der Aha-Moment: Seine Sorge galt ausschließlich ihm selbst. Er stotterte ein bisschen herum, machte „Ja, pffff, keine Ahnung, wird man sehen … hähähä … Ihr könntet beide ins Finale gewählt werden und sagen: ,Ne, für so’n Typen machen wir das nicht, unsere Freundschaft ist uns wichtiger. Wir gehen beide raus.‘ Finale Grande, Dankeschön!“

Ach daher weht der Wind! Der Mann hat tiefe Verlassensängste. Kein Wunder, nachdem ihm vier Frauen davongerannt sind: Isabell, Nathalie, Luisa und Jade. Da geht das stärkste Ego baden. Andrej droht Jenny: „Dann spring ich in‘ Pool und geh‘ an die Bar und hau mir `ne Flasche in‘ Kopf.“ – Na prost. Am Ende schickt er sicherheitshalber Vanessa heim, damit die beiden Freundinnen nicht auf Fluchtgedanken kommen.
Im Finale sind Eva und Jenny. Aber allein schon, wie Andrej vor dem Dreamdate mit Jenny stammelte: „Ich bin auf jeden Fall vielleicht sogar ein Stück weit nervös.“ Da konnte man auf jeden Fall vielleicht sogar ein Stück weit raushören, was eh jeder längst weiß, dass nämlich Jenny am Ende übrig bleibt. Bleibt ihm aber nichts übrig, als bis dahin so zu tun, als könne er sich zwischen ihr und Eva nicht entscheiden. „Jetzt wird’s ernst“, sagt er mit Drama in der Stimme. Und Jenny sagt zu Eva: „Herzlich willkommen im Finale!“ Sie sagt es mit der Herzlichkeit einer Eiswürfelmaschine.

WOMAN-Kolumnistin Birgit Braunrath.

Über die Autorin:

Birgit Braunrath ist Autorin und Kolumnistin. Für WOMAN schreibt sie gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Guido Tartarotti die Scheidungskolumne "Glücklich geschieden". Ab 19. März 2019 treten die beiden damit auf diversen Bühnen auf. Und ab sofort wird sie auf WOMAN.at die neuen Folgen vom "Bachelor" kolumnistisch für euch verarbeiten. Darüber hinaus schreibt sie unter anderem im Kurier.

Thema: Der Bachelor