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Warum verlieben sich die Kandidatinnen beim "Bachelor" so schnell? Eine Expertin klärt auf!

Du bist skeptisch, ob die Gefühle der TeilnehmerInnen in Dating-Shows überhaupt echt sind? Wir gehen den großen Fragen nach. Wissenschaftlich.

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Warum verlieben sich die Kandidatinnen beim "Bachelor" so schnell? Eine Expertin klärt auf!

Der Bachelor 2021: Coronabedingt in einer abgespeckten Version

© TVNOW

Seit 20. Jänner sind die trashigen und genau deshalb so schaurig-schönen RTL-Vepaarungsspiele rund um den "Bachelor" wieder eröffnet. In der mittlerweile 11. Staffel kämpfen heuer insgesamt 22 Damen um den 30-jährigen Niko Griesert. Und das bringt uns auch schon zu unserer Forschungsfrage. Die Ladys kämpfen nämlich wirklich und sind teils schon in der ersten Folge vor lauter Eifersüchteleien dem Nervenzusammenbruch nahe. Wie kann das sein? Was geht in den Gehirnen jener Kandidatinnen vor, die sich schon nach drei gesprochenen Halbsätzen mit dem Rosenkavalier sicher sind, gerade ihren Traummann gefunden zu haben?

Viele ZuschauerInnen behaupten ja: "Das ist doch alles nicht echt". Immer wieder wird gemunkelt, beim Bachelor gebe es ein Skript. Dieses Gerücht bestätigten aber bisher nicht einmal Ex-TeilnehmerInnen der Kuppelshow. "Es gibt kein Drehbuch und auch die Szenen, in denen man sich verspricht, werden nicht neu gedreht", so Sebastian Pannek, Rosenverteiler der 7. Staffel: "Die Szenen werden dann einfach fürs Format verwendet oder halt nicht."

Ist beim "Bachelor" alles nur fake?

Ein tatsächliches Skript können sich die MacherInnen auch sparen – sie gehen es nämlich viel geschickter an. So müssen die KandidatInnen fast rund um die Uhr ein Mikrofon tragen. Lediglich auf der Toilette oder unter der Dusche haben die neugierigen Ohren der RegisseurInnen Pause, wie es aus Insiderkreisen heißt. Außerdem werden den TeilnehmerInnen Handy und Laptop noch vor den Dreharbeiten abgenommen.

Ohne jegliche Ablenkung und Kontakt nach außen, wird so eine völlige Ausnahmesituation geschaffen, die suggeriert, der jeweilige Bachelor sei der einzig begehrenswerte Mann der Welt. Grund dafür ist das aus der Psychologie bekannte Knappheitsprinzip. Es ist wie damals im Kindergarten: Die Dinge – oder eben auch Menschen –, die nur begrenzt verfügbar sind, wollen wir umso mehr haben. Der Junggeselle stellt im Fall der Kuppel-Show die fleischliche Sandkisten-Schaufel dar, um die gleich 22 Frauen buhlen.

Kombiniert mit einem geschickt ausgewählten Cast und fiesen Interviewfragen, die Konflikte anheizen sollen, ergibt das einen Mikrokosmos, auf den quasi nur noch die Kamera draufhalten muss. Gut (zusammen)geschnittene Szenen tun ihr Übriges. "Ja, sie haben einfach Sätze von Konversationen weggelassen oder sie anders zusammengestellt. Im Fernsehen hat man danach ein anderes Gespräch gesehen, als es eigentlich war“, erinnert sich Sandra Brexel, Kandidatin der 6. Staffel.

Anders gesagt: Der Bachelor ist so echt, wie es eine Dating-Show mit über 20 TeilnehmerInnen nur sein kann. Die größere Täuschung an der Show ist viel eher, dass wohl die wenigsten Frauen und Männer wirklich und ehrlich nach der großen Liebe suchen. So sagte Janika Jäcke, Teilnehmerin aus 2017, gegenüber der Gala: "Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich immer der Meinung war, dass man sich dort nicht verlieben kann." Offenbar geht ein Großteil der TeilnehmerInnen eher zweckrational an die Sendung heran. Melanie Müller (Ja. Die, die den Bachelor in Staffel 3 nackert am Pool erwartete) war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten überhaupt schon mit ihrem künftigen Ehemann zusammen und nur auf die 3.000-Euro-Gage scharf, wie sie selbst zugab.

"Der Bachelor" als großes psychologisches Experiment

Umso unverständlicher erscheint uns das, was wir da wöchentlich im Fernsehen beobachten dürfen: Zickenkrieg, Tränen, leidenschaftliche Küsse, schmachtende Blicke, Liebeskummer. Was wie ein großes psychologisches Experiment wirkt, ist im Prinzip tatsächlich eines.

Mag. Doris Jeloucan, Klinische- und Gesundheitspsychologin mit Spezialisierung auf Paare, Singles und Familien


Zudem sind die Dates in der Show akribisch geplant: Bungee Jumping, Fallschirmspringen, Fahrten mit dem Heißluftballon, Candle-Light-Dinner am einsamen Strand – alles völlig unverhältnismäßige Aktivitäten, die wohl kein Mensch im echten Leben bei einem ersten Date vorschlagen würde. Genau diese aufregende Atmosphäre beeinflusst aber die Emotionen und Gefühle der KandidatInnen. Eigentlich ist es einfachste Wissenschaft: Adrenalinschübe verstärken nämlich die sexuelle Anziehung. Das bestätigt auch Doris Jeloucan. Sie ist die bisher einzige Psychologin in der Steiermark, die sich ausschließlich auf Paartherapie und Singlecoaching konzentriert: "Da verwechselt der Körper einfach die Aufregung mit Verliebtheit. Rein physisch laufen die selben Prozesse ab." Welche psychische Bedeutung wir diesen Gefühlen geben, hänge dann von den Umgebungsvariablen ab: "Wenn ein Mann neben mir steht und kein Säbelzahntiger, werde ich annehmen, dass ich verliebt bin und keinen Fluchtreflex bekommen, wie das beim Tiger der Fall wäre."

Warum am Ende doch nicht alles eitel Wonne ist

Die Kuppelshow-KandidatInnen können in den paar Wochen also tatsächlich starke Gefühle füreinander entwickeln, Bestand hätten die aber nur selten: "Wenn der positive Stress vorbei ist und die Aufregung sich gelegt hat, merkt man recht schnell, dass das nix mit Bindung zu tun hatte", so Doris Jeloucan. Warum? Ein paar Wochen reichen vielleicht aus, um sich zu verknallen, aber eben nicht, um daraus eine echte Basis zu schaffen.

Wieder daheim, zerplatzt außerdem die Blase aus Spaß, Abenteuer und der Ungewissheit. Dann ist da auf einmal nur noch Alltag – ohne Villa, ohne schicke Abendkleider, ohne Cabriolet. Am Ende des Tages sind alle nur gewöhnliche Menschen. Sie sind keine Milliardäre und nicht in der Lage, dieses extravagante Leben weiterzuführen. So verlieben sich viele KandidatInnen auch einfach nur in die Idee dieses Lebensstils, die in der Realität aber direkt wieder verschluckt wird.

Was wir daraus lernen? Rollt nächsten Mittwoch nicht wieder mit den Augen, wenn die aktuelle "Traumfrau" des Bachelors beim Einzeldate in Dauerschleife "das ist sooooo schön” haucht. Ihr würdet nämlich vermutlich ähnliche Sätze von euch geben...

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